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Persönlich „Man muß solche Bilder zeigen“

04.09.2006 ·  Viele Aufnahmen von Barbara Klemm gelten als Klassiker der zeitgenössischen Fotografie. Im Institut für Stadtgeschichte spricht sie über ihre Fotografien und ihre Zukunft.

Von Konstanze Crüwell
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Von Ruhestand kann keine Rede sein. Und so antwortet Barbara Klemm, die 45 Jahre für die F.A.Z., davon 35 Jahre als Redaktionsfotografin, tätig war, auf die Eingangsfrage „Und was tun Sie jetzt?“, die Michael Fleiter ihr im Erzählcafé des Instituts für Stadtgeschichte im Karmeliterkloster stellt, gleich mit zwei Beispielen: Auf Einladung des Goethe-Instituts wird sie bald eine Indien-Reise antreten.

Und erst vor wenigen Tagen wurden einige ihrer Bilder aus dem rekonstruierten Grünen Gewölbe in Dresden, die sie für die Staatlichen Kunstsammlungen aufgenommen hat, auf einer Doppelseite im Feuilleton der F.A.Z. veröffentlicht. Es sind keine Farbfotografien, sondern schwarzweiße, die in ihrer abstrahierenden Wirkung die wunderbare Lichtführung dieser Architektur aufs schönste sichtbar machen - und sie nicht im barocken Goldglanz und Farbenrausch untergehen lassen.

„Schwarzweißfotografie verdichtet den Inhalt“

Warum sie eigentlich grundsätzlich keine Farbaufnahmen mache, fragt Fleiter. Barbara Klemm nennt zwei Gründe: „Schwarzweißfotografie kann zum einen den Inhalt verdichten.“ Zum anderen kaufe man ja eine Tageszeitung, um sie zu lesen, und deshalb müßten in ihren Augen Text und Bild möglichst homogen, das heißt beide schwarzweiß sein. „Das Foto soll den Leser neugierig auf den Artikel machen, das sah ich als meine Aufgabe an.“ Was für sie ein „gutes Bild“ sei, lautet eine Frage aus dem Publikum. Es gehe immer um Inhalt und Komposition, sagt Klemm, also darum, das Gesehene in einem Bild zu verdichten und eine Ordnung dafür zu finden. Daß ihr diese Bildordnung oder auch Komposition wichtig ist, sieht sie als ein Erbe ihrer Eltern an, die beide Maler waren.

Ihre Fotografien seien ja oft zu wahren „Ikonen“ der Zeitgeschichte geworden, meldet sich ein Klemm-Fan aus dem Publikum und fragt, wie viele Aufnahmen sie in einer bestimmten Situation mache. „Manchmal sind es ganze Filme, aus denen ich später auswähle, manchmal ist es gleich das erste Bild“, äußert die Fotografin. Ob es eine „Ikone“ werde, wisse man bei der Aufnahme natürlich noch nicht. Beim Treffen von Breschnew und Brandt im Jahr 1972 habe sie aber gleich die besondere Atmosphäre gespürt. In solchen Momenten müsse ein Fotograf hochkonzentriert sein; vorher habe man Angst und sei ziemlich nervös.

„Mich interessiert das Normale, das Alltägliche“

In der alten DDR war Klemm häufig, fuhr auch im November 1989 sofort hin, fotografierte die Demonstrationen, auch Honecker beim vierzigjährigen Staatsjubiläum. „Da wirkte er schon sehr isoliert, man merkte, wie seine Macht zerläuft“, was sich auf ihrem Foto, auch dies eine „Ikone“, deutlich mitteilt. Manche Bilder bekommen erst im nachhinein ihr Gewicht, wie sie sagt. Ihr Doppelporträt von Willy Brandt und Helmut Schmidt, aufgenommen in Hannover im Jahr 1973, gilt heute als prophetisches Bild über das Nicht-Verhältnis zweier Politiker.

„Wie würden Sie Ihre Haltung beschreiben?“ fragt Michael Fleiter. „Mich interessiert das Normale, das Alltägliche“, antwortet Barbara Klemm, auch bei ihren Reisen in fremde Länder. 1970 war sie zum ersten Mal in Polen, „einer Siegermacht des Zweiten Weltkriegs, der hier aber gerade erst vorbei zu sein schien. Das hat mich sehr berührt, und ich habe dort meine Liebe zum Osten gefunden.“ Überall auf der Welt war sie unterwegs und hatte oft Glück, wie sie erzählt. In Lima half ihr ein Arbeiterpriester weiter, und in Soweto führte sie ein junger Mann in einige Wohnungen. „Kommt man sich da nicht komisch vor?“ fragt Fleiter. „Man kommt sich schlecht vor“, antwortet Barbara Klemm, „aber man muß solche Bilder zeigen.“

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