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Paul Auster in Frankfurt : Keine Ehe, sondern eine sehr lange Affäre

Paul Auster: „Die Fergusons sind nicht ich.“ Bild: dpa

Paul Auster stellt seinen Roman „4 3 2 1“ im Großen Haus des Frankfurter Schauspiels vor. Zu groß ist die Bühne für diesen Schriftsteller nicht.

          Er füllt das Große Haus, ein Mann allein, die beiden Herren, die ihm zuarbeiten, bilden, ehrlich gesagt, an diesem Abend die Statisterie. Es gibt nicht viele Autoren, für die eine gewaltige Bühne wie die des Frankfurter Schauspiels ein selbstverständlicher Ort ist, um sich zu präsentieren. Schließlich schreiben sie lange im Verborgenen und haben dabei nicht den Auftritt im Scheinwerferlicht im Sinn. Und in der Regel spielen sie keine andere Rolle als sich selbst. Im Fall von Paul Auster genügt das. Er wirkt so, als gehöre er genau hierher und an keine andere Veranstaltungsstätte. Schließlich geht es in seinen Werken immer auch ums große Welttheater, um die schicksalhafte Verstrickung in absurde Tragödien, um existentielle Dramen.

          Michael Hierholzer

          Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

          Nun stellt er sein mehr als 1200 Seiten umfassendes Opus magnum „4 3 2 1“ vor. Im Mittelpunkt steht Archibald Ferguson, ein und dieselbe Person, deren Leben von der Geburt bis Mitte zwanzig auf vierfache Weise erzählt wird. Jede Geschichte ist anders. Aber es bleibt so etwas wie ein Wesenskern der Hauptfigur. Daniel Haas, der an diesem Abend mit dem 70 Jahre alten amerikanischen Erfolgsschriftsteller spricht, nennt den Roman „ein Buch, in dem man leben kann“. Das hoffe er, antwortet Auster, der mit dem Moderator an einer Art Schreibtisch sitzt, und erntet Lacher aus dem Publikum im vollen Saal. Leibhaftige Hipster mit Bart sind darunter. Viel junges Volk. Etliche Damen im edlen Kostüm. Austers Fans lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Fotografieren ist streng verboten, es wagt auch keiner, das Smartphone zu zücken. Ein paar wenige holen es aus der Tasche, als Christoph Pütthoff vom Ensemble des Schauspiels die Bühne für sich hat und aus der deutschen Übersetzung des Mammutwerks liest.

          Was einen Sonderbeifall wert ist

          Als größter Fan versucht sich „Zeit“-Redakteur Haas zu positionieren, der Auster irgendwann aufs Autobiographische festnageln will, denn der Vierfach-Held Archie sei doch im selben Jahr geboren wie sein Erfinder. Dieser winkt ab: „Die Fergusons sind nicht ich.“ Ursprünglich habe er vorgehabt, die Geschichten bis weit ins Erwachsenenalter der Protagonisten hinein zu erzählen. Aber das Buch sei ja schon dick genug. Außerdem habe er sich besonders für die fünfziger und sechziger Jahre interessiert, in denen die Fergusons ihre Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenen-Jahre erleben. Auster bezeichnet alle vier als „Sensualisten“. Was Haas erläutert: „Da ist viel Sex in dem Buch.“ Das sei ja auch sicher etwas Wichtiges, sagt Auster. Das Buch sei kein „One Night Stand“. Und auch keine Ehe. Sondern eine „lange, lange Affäre“.

          Pütthoff liest eine Passage aus dem Leben von Archie Nummer drei, als dieser sieben Jahre alt war. Einblicke in eine Familiengeschichte mit einem wettsüchtigen Onkel und einem Vater, der einschläft, statt, wie er es vorhatte, eine Brandstiftung zu verhindern. Der Roman, sagt Haas, handele in weiten Teilen auch von der Pubertät. Auster habe deren Wesen in sechs Wörtern zusammengefasst. Der Autor denkt kurz nach: „Exile in the rooms of home.“ Am Rand geht es dann auch noch um das augenblicklich unvermeidliche Thema, wenn prominente Amerikaner aus dem Kulturbetrieb nach Europa kommen: Es gebe durchaus Parallelen zwischen heute und der Zeit, in der „4 3 2 1“ spiele, findet Auster. Große Teile Amerikas entfernten sich derzeit von den Grundlagen der Demokratie. Das ist einen Sonderbeifall wert.

          Quelle: F.A.Z.

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