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Papageno-Theater im Palmengarten feiert fünfjähriges Bestehen

22.07.2003 ·  "Der Zoo hat ein Theater, warum sollte der Palmengarten nicht auch eins haben", dachte Hans-Dieter Maienschein, als er des Reisens müde war. Fast 15 Jahre lang war er mit seinem Kindertheater durch Deutschland vagiert.

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"Der Zoo hat ein Theater, warum sollte der Palmengarten nicht auch eins haben", dachte Hans-Dieter Maienschein, als er des Reisens müde war. Fast 15 Jahre lang war er mit seinem Kindertheater durch Deutschland vagiert. Mittlerweile selbst Vater eines Kleinkindes, sehnte er sich nach einem festen Haus. Zuerst dachte er an ein Zelt am Mainufer. Aber dort drohte immer wieder das Hochwasser. Also wandte er sich an Matthias Jenny, und der Direktor des Palmengartens überließ ihm tatsächlich den Siesmayer-Saal in seinem Eingangsschauhaus. Hier trat Maienschein im Herbst 1998 zum ersten Mal als Mozarts Vogelfänger in der "Kleinen Zauberflöte" auf. Nach dem lustigen Gesellen im bunten Gefieder nannte er dann auch sein Musiktheater im Palmengarten: "Papageno".

Für Maienschein gibt es "nichts Schöneres als leuchtende Kinderaugen". Er will seine kleinen Gäste fesseln, indem er die Stimmungen eines Schauspiels, einer Oper, eines dramatisierten Märchens oder anderen Prosatextes mit Musik unterlegt. Für "Die Schneekönigin", sein erstes Stück auf Tournee, hatte er Griegs Musik noch vom Band spielen lassen. Mittlerweile engagiert er zwei Musiker, die seine sieben Schauspieler meist am Klavier und mit der Violine begleiten, wie jetzt beim "Sommernachtstraum", wo sich Shakespeare und Purcell ein magisches Stelldichein geben. Neben den Kinderstücken am Donnerstag-, Samstag- und Sonntagnachmittag sowie dem neuen Programm für Erwachsene am Samstagabend führt das Papageno-Musiktheater die Kinder an jedem Freitagabend in die Zauberwelt der Oper ein.

Ohne Musik geht bei Maienschein gar nichts. 1958 in Frankfurt-Riederwald geboren, verfiel dieser Komödiant schon mit neun Jahren der Oper, als er Humperdincks "Abendsegen" im Radio hörte. Theater hatte er bereits im Kindergarten und in der Ernst-Reuter-Schule gespielt, aber was war das gegen die Oper "Hänsel und Gretel", mit der er in den Städtischen Bühnen Bekanntschaft machte. Nach Humperdinck lernte er Mozart kennen und verliebte sich dann in die italienische Oper, vor allem in die Musik von Puccini. Ein Heldentenor ist zwar nicht aus ihm geworden, aber die Hochschule für Musik und darstellende Kunst hat ihn zu einem Schauspieler ausgebildet, der seinen Rigoletto auch rezitativisch besteht - wie Maienschein jetzt in seiner neuen Spielstätte am großen Palmengarten-Weiher beweist.

Denn im Siesmayer-Saal war es nicht nur eng. Da der Raum auch für andere Veranstaltungen genutzt wird, vor allem für hauseigene botanische Vorträge, mußte die "Papageno"-Truppe ihr Bühnenbild immer wieder ab- und aufbauen. Das war auf Dauer zu mühselig. Dennoch konnte Maienschein hier noch Humperdincks "Hänsel und Gretel" mit Live-Musik aufführen. Als der Kinderspielplatz südlich des Palmengarten-Weihers abgerissen wurde, durfte er dort hinter dem Palmenhaus ein Zirkuszelt aufschlagen. Im März 1999 eröffnete er seine neue Spielstätte mit einer Bearbeitung der Märchenoper "Rusalka". Auch "Oliver Twist", "Die kleine Hexe", "Der kleine Muck" und "Cinderella" fanden hier vorübergehend Obdach.

Bis das luftige Domizil im vorigen Jahr unter einem Sommerregen zusammenbrach. Das Ensemble stand vor dem Ruin. Doch Sportmoderator Dieter Kürten wußte Rat. Schließlich gehört seine Tochter Dina zu den Gründungsmitgliedern des Musiktheaters. Kürten bat Dietmar Hopp, Mitbegründer von SAP, um Hilfe. Mit 500000 Euro unterstützte die Dietmar-Hopp-Stiftung das Drei-Millionen-Projekt eines stabilen Theaterhauses, und zum Richtfest spendete sie auch noch die 750000 Euro, die zunächst als zinsloses Darlehen vereinbart waren. Schon Ende Januar dieses Jahres konnte das Papageno-Musiktheater seine dritte Spielstätte im Palmengarten eröffnen: Mit "Sugar", der Musical-Version von "Manche mögen's heiß", will Maienschein nun auch Eltern ködern.

Doch das Publikum braucht wohl noch Zeit, um sich an das Abendprogramm für Erwachsene zu gewöhnen. Auch die Vereinbarung mit Palmengarten-Direktor Jenny, die künstlerischen Kapazitäten der Truppe und der Neubau der Berliner Architektin Felicitas Mossmann markieren die Grenzen des "Papageno"-Theaters. Auf den 199 jeweils versetzten Plätzen der steil ansteigenden Tribüne können die Kleinen über die Großen hinwegschauen, und an den Kinderwaschbecken in den Toiletten müssen sie nicht einmal auf den Zehen stehen. Dieses Theater ist für sie gebaut, und sie haben das Geschenk dankbar angenommen: Etwa zu 70 Prozent ist der Zuschauerraum schon nach einem halben Jahr ausgelastet. Wie eine schlummernde Raupe duckt sich die stählerne Bogenkonstruktion des jederzeit demontierbaren Theaters mit seiner grünen lichtundurchlässigen Membran unter das Laubdach des Palmengartens. Nur die gigantische Klima-Anlage bedürfte noch eines Tarn-Anstrichs, findet der Palmengarten-Direktor, der die "Papageni" als willkommene Gäste begrüßt. Auch die vereinbarten Bänke vor dem Haus lassen auf sich warten, und auf den Betonstützen sitzt es sich allzu kühl. Aber noch steht das Haus mit seiner kleinen Drehbühne bei den Banken in der Kreide. Und die Eintrittspreise von neun bis elf Euro für Kinder, 12 bis 14 Euro für Erwachsene am Nachmittag und 17 bis 19 Euro für die Abendvorstellung können den Etat nicht bestreiten.

Deshalb verzichtet die Stadt auf eine Standmiete und unterstützt das Theater mit 20000 Euro im Jahr, deshalb hilft auch das hessische Kultusministerium punktuell aus, und ein Förderverein, der sich nach dem Bühnenhimmel "Sternenzelt" nennt, sammelt seit einem halben Jahr Geld. Zudem wirbt der Prinzipal um Sponsoren für die acht Kinderstücke und sechs Abendveranstaltungen der kommenden Spielzeit. Maienschein ist stolz darauf, endlich ein richtiges Repertoire anbieten zu können. Als "Opernführer" plant das Theater den "Bajazzo" und eine Neu-Inszenierung der "Kleinen Zauberflöte". Die "Weihnachtsgeschichte" von Dickens, "Aladin" und "Räuber Hotzenplotz" sind als Premieren für die Kleinen, eine musikalische Revue ist für die Großen vorgesehen.

"Turandot", "Oliver Twist", "Die kleine Hexe", "Hänsel und Gretel", "Cinderella" und "Dornröschen" werden wieder aufgenommen. "Sugar" und "Rigoletto" bleiben ebenfalls im Programm. Zur Feier des fünften "Papageno"-Geburtstags lädt Maienschein zu einer "Rigoletto"-Gala am 30. August um 20 Uhr ein. Noch vor der Aufführung, an der neben dem Prinzipal in der Titelrolle zwei professionelle Sänger mitwirken, wird ein Gast von der Mailänder Scala zwei Arien aus der Verdi-Oper singen. 50 Eintrittskarten sollen verlost werden, 50 Abonnements für die kommende Spielzeit dazu. Claudia SchülkE

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