15.10.2008 · Das iPhone summt. Hulisi Bayam drückt auf den Bildschirm und hält das Handy ans Ohr. Dann spricht der Unternehmensberater türkisch. Zusammen mit seiner Frau Petra organisiert er den Gastland-Auftritt der Türkei bei der Buchmesse in Frankfurt.
Von Alexander WurstDas iPhone summt. Hulisi Bayam drückt auf den Bildschirm und hält das Handy ans Ohr. Dann spricht der Unternehmensberater türkisch. Vielleicht ist es jemand vom Organisationskomitee aus Ankara oder Istanbul. Bayam zieht aus der Innentasche seines schwarzen Jacketts einen Kalender und notiert etwas. Kurz darauf legt er auf. Es ist die heiße Phase. Die Buchmesse hat begonnen, und die Frankfurter Unternehmensberatung Bayam Consulting & Communication GmbH organisiert die zahlreichen Veranstaltungen des türkischen Gastlandauftritts, die bis Sonntag auf dem Terminplan stehen. Bezahlt wird der Auftritt des Ehrengasts vom türkischen Ministerium für Kultur und Tourismus, gestaltet vom Organisationskomitee, das sich aus Vertretern der türkischen Kultur zusammensetzt, und verwirklicht von Bayam und seinen 20 Mitarbeitern. Zu ihnen zählt auch seine Frau Petra, mit der er seit acht Jahren verheiratet ist.
„Wir haben viel mit dem Organisationskomitee über das Programm beraten und geschaut, was für Deutschland sinnvoll ist“, sagt Bayam. „Faszinierend farbig“ habe alles werden sollen, wie das Motto der Türkei auf der Buchmesse, wie die Türkei. Auf dem Messegelände stellen von heute an 160 türkische Verlage auf mehr als 4000 Quadratmetern aus, gut 300 Autoren kommen. Darüber hinaus begleiten 300 Veranstaltungen in ganz Frankfurt den Ehrengastauftritt: Diskussionen, Gespräche und Konzerte, nicht nur türkische Literatur. „Es gibt viel tolle Musik, nicht nur die Sauermilchmusik, wie viele meiner Freunde türkische Musik nennen“, sagt Bayam und lacht. Im Künstlerhaus Mousonturm treten Aynur und Baba Zula auf, zwei von etwa 700 Künstlern, die Bayam zusammen mit dem Organisationskomitee und einer Istanbuler Kulturstiftung ausgewählt hat. Sie alle unterscheiden sich, in ihrer Herkunft, in ihrem Alter und in ihren politischen Überzeugungen – eine Mischung, die Bayam wichtig war: „Jeder soll seine Meinung sagen können.“
Eine „Herzensangelegenheit“
Für ihn ist der Türkei-Auftritt eine „ehrenvolle Aufgabe“ – und eine „Herzensangelegenheit“. Mit neun Jahren kam er nach Deutschland und lernte Sprache und Kultur über deutsche Freunde kennen. „Ich fühle mich in beiden Kulturen zu Hause, und sie nun zusammenzubringen, das ist das Schöne für mich.“
Wieder klingelt das iPhone. Gut, dass das Handy nicht auch Bayams E-Mails empfängt, sonst würde der Unternehmensberater das gut 130 Gramm schwere Gerät wohl nicht mehr aus der Hand legen. Etwa 200 Mails erhält er täglich. Zeit, sie zu beantworten, hat er nur abends. „Daraus wird dann Nachtarbeit: Briefkasten leer machen“, sagt er. Viele Informationen kämen außerdem erst sehr spät, und deswegen hätten seine Frau und er derzeit sehr viele Nachtschichten. Bei einem Orientierungskurs für das Jurastudium haben sie sich 1984 an der Frankfurter Goethe-Universität kennengelernt. Seit 2000 arbeitet Petra Bayam mit ihrem Mann bei Bayam Consulting & Communication und kümmert sich um Öffentlichkeitsarbeit und rechtliche Fragen.
Große Firmen und Banken als Kunden
Auf ihrer Internetseite www.bayam.de steht das nicht. Dort ist nur der Schriftzug „Hier entsteht eine neue Internetpräsenz“ zu lesen, dann folgt die Geschäftsadresse. „Wir hätten aus unserer Arbeit sehr viel Werbung für uns ziehen können, aber wir wollten das bewusst nicht, sondern uns allein auf die Arbeit konzentrieren“, sagt Hulisi Bayam. Auch die Kundennamen seiner 1998 gegründeten Beratungsfirma behält er für sich. „Es hat sich als gut herausgestellt, keine Referenzen zu nennen.“ Große Firmen und Banken gehörten dazu und vor allem Unternehmen, die in der Türkei Fuß fassen wollten.
In Istanbul unterhält Bayam deshalb ein Büro. Von dort wurde mit den türkischen Autoren für die Buchmesse verhandelt. In Frankfurt hingegen hat das Ehepaar Bayam „Heimvorteil“, wie sie sagen. „Wir kennen uns hier aus und können so einerseits eine Konzertveranstaltung stemmen, andererseits auf die Bedürfnisse eines Autors eingehen“, sagt Petra Bayam. Einmal habe ein Schriftsteller zum Beispiel eine Prinz-Heinrich-Mütze gesucht. Mit Petra Bayams Hilfe fand er die Schmidtmütze, obwohl er seine Helferin mit dem Wunsch leicht überraschte: „Die Türkei hat viel mehr Facetten, als man denkt, man muss sie nur entdecken wollen.“