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Orchestermusiker Ein Blick durchs Notenschlüsselloch

Manchmal streiken Orchestermusiker. Das steht dann in der Zeitung. Aber was sie sonst noch tun und wie sie dafür bezahlt werden, das wissen die wenigsten.

© Wonge Bergmann Viel Proben, wenig Geld: Die Lage für Orchestermusikker hat sich in den vergangenen Jahren in Deutschland verschlechtert.

Immer und immer wieder, vierzig Jahre lang, ist der Fagottist Milan Turkovi, ein Star auf seinem Instrument, mit der gleichen, gefährlich naiven Frage seiner Konzertbesucher konfrontiert worden. Schließlich war er es leid. Das Mitglied des Concentus Musicus von Nikolaus Harnoncourt, der Kammermusikgesellschaft vom Lincoln Center in New York und des Ensembles Wien-Berlin, Professor am Mozarteum in Salzburg und der Wiener Musikhochschule veröffentlichte ein Buch, um damit ein für alle Mal erschöpfende Antwort auf das zu geben, was die Öffentlichkeit über die Jahre offenbar am meisten interessiert hat: „Was Musiker tagsüber tun“, lautet der lakonisch-hintersinnige Titel seiner Abhandlung.

Man hätte sich das Buch auf dem festlichen Gabentisch so mancher Kulturpolitiker hierzulande gewünscht. Denn schon im Titel ließ der kluge Autor das gängige Vorurteil unterschwellig mitklingen, Musiker, Orchestermusiker zumal, säßen abends zwei bis drei Stunden im Konzert und würden tagsüber spazieren gehen; wobei sie für das Konzert, also ein Vergnügen, für das andere zahlen müssen, auch noch gutes Geld verdienen.

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Unverstandener Beruf

Übertrieben? Im jüngsten, mittlerweile beigelegten Streik der Orchestermusiker, bei dem auch eine Verdi-Premiere an den Städtischen Bühnen in Frankfurt in Mitleidenschaft gezogen wurde – allerdings mit spektakulär sportlicher Rettungstat durch grandiose, den Flügel quasi orchestral einsetzende Korrepetitoren –, hat man auch dieses Vorurteil durchschimmern hören. Es klang schon im unseligen Wort von der „weltfremden Verwöhnlandschaft“ für die Orchester in Deutschland an, das die damalige Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Christina Weiss, vor fünf Jahren in die Welt gesetzt hatte, als es massiv um Auflösungen, Fusionen, Verkleinerungen und Etatkürzungen bei Orchestern ging.

Vermutlich hat Milan Turkovi auch darin recht, dass „wir einen der unverstandensten und unverständlichsten Berufe der Welt haben“. Und um die Aussage durch einen prominenten Kronzeugen zu erhärten, zitiert er den Spötter Johann Nestroy: „Kunst ist, wenn man’s nicht kann, denn wenn man’s kann, ist’s keine Kunst.“

Vermeintliche Privilegien

Was also müssen Musiker können, damit Kunst entsteht? Was ist ihr Lohn, und was ist davon dem Publikum wirklich bewusst? Der Streik, der die Öffentlichkeit in vorweihnachtlicher Festtagsstimmung aufschreckte, mag auf wenig allgemeines Verständnis gestoßen sein. Denn Tarifauseinandersetzungen, die um drohende Abkoppelung von der Entlohnung im öffentlichen Dienst gehen, möglicherweise um mehr oder weniger Orchesterdienste, um Abbau von vermeintlichen oder tatsächlichen Privilegien, sind so attraktiv wie Leitzordner im Lastenausgleichsamt.

Der Streik hat aber immerhin ein wenig die Aufmerksamkeit auf den Musikerberuf gelenkt, der das Publikum seit jeher in Parteien für Hoch- oder Missachtung spaltet. Realistische Betrachtung scheint darin jedenfalls nicht vorgesehen zu sein.

Heterogenes Kollektiv

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