Beide Kurzopern spielen in Spanien. Sie sind in zeitlicher Nähe zueinander entstanden. In beiden geht es um Liebe und Untreue. Da bietet es sich an, sie zu einer abendfüllenden Produktion zu verbinden, wenngleich „Die spanische Stunde“ („L’heure espagnole“) von Maurice Ravel eine Boulevardkomödie ist und „Das kurze Leben“ („La vida breve“) von Manuel de Falla ein Stück mit tragischem Ausgang. Bei Ravel sei das Thema Liebe nach Art einer „Spielanordnung“ behandelt, bei de Falla als „lebensgefährdendes Unterfangen“ dargestellt, sagt David Hermann, in dessen Inszenierung die Werke an diesem Sonntag um 18 Uhr an der Oper Frankfurt Premiere haben: Im Zentrum der „Comédie musicale“ steht die Frau eines Uhrmachers, die unter anderem ihre Liebhaber in den Standuhren des Geschäfts ihres Manns versteckt, in dem „Drama lirico“ geht es um das arme Mädchen Salud, das stirbt, als ihr Geliebter Paco eine wohlhabende Frau heiratet und beim Hochzeitsfest die frühere Beziehung leugnet.
Witz und Leichtigkeit auf der Bühne
Den roten Faden zwischen beiden Stoffen zu knüpfen sei sogar relativ einfach gewesen. Durch den gleichen Bühnenraum und bestimmte sich darin wiederholende Vorgänge werde die Verbindung sicher deutlich, meint der junge Regisseur, der für die Oper Frankfurt zuletzt im Bockenheimer Depot den Monteverdi-Zyklus inszeniert hat. Der Bühnenbildner Christof Hetzer, mit dem er dort schon zusammenarbeitete, habe einen „halboffenen Raum“ entworfen, der etwas Südländisches ausstrahle, „zwischen Skizze und Ausformulierung, zwischen neu und fertig“ changiere. Die Drehbühne soll dazu „auf unkonventionelle Weise“ eingesetzt werden. „Die spanische Stunde“ hat er textgetreu angesiedelt in einem Uhrmacherladen im 20. Jahrhundert, der jedoch die „Exzentrik“ des Besitzers spiegele. „Das kurze Leben“ spiele im vom Faschismus befreiten Spanien und soll „härter und geerdeter“ erscheinen. Ravels Stück wolle er indes „die Boulevardkomödie nicht austreiben“, und so versuche er, zum musikalischen Humor passend Witz und Leichtigkeit auf die Bühne zu bringen.
„Voll auf der Höhe ihrer Zeit“
Dirigent Johannes Debus sieht die 1911 und 1913 uraufgeführten Kurzopern musikalisch „voll auf der Höhe ihrer Zeit“. Ravel habe die folkloristischen Elemente in seiner Komposition stilisiert, sozusagen in eine „Kunstwelt“ transferiert. Bei de Falla fänden sich unterdessen echte Tanzmusiken, viele Arabesken und die Anweisung an Sänger, im Stil andalusischer Volksmusik zu singen. Ein „merkwürdiges Kolorit“, Melancholie und Trauer, aber auch Ausgelassenheit und Härte schwängen mit. Ravel habe hingegen eine Wiederbelebung des italienischen Secco-Rezitativs vorgeschwebt: Die Sänger sollten sich um ein lebendiges Sprechen, um ein Parlando bemühen. Daher ändere sich das Tempo „wahnsinnig schnell“, was große Flexibilität von Sängern und Orchester verlange. Als Dirigent müsse er „ständig wie eine Katze auf dem Sprung sein“, sagt der frühere Frankfurter Kapellmeister, der designierter Generalmusikdirektor in Toronto ist.
Besetzt sind beide Opern ähnlich und durchaus konventionell etwa mit dreifach besetzten Holzbläsern. Während Ravel, erläutert Debus, sehr raffiniert und perfekt instrumentiert habe, so dass die Singstimmen jederzeit gut herauskommen, sei es bei de Falla, der „viel satter“ orchestriert habe, wesentlich schwerer, die Balance herzustellen.
Premiere am Sonntag. Weitere Aufführungen am 28. Februar sowie 5., 11., 22. und 28. März.

