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Nach 35 Jahren in Eschersheim : Frankfurter Batschkapp will umziehen

Vor dem letzten Tanz: Im Herbst 2012 könnte die Batschkapp in Eschersheim schon Geschichte sein. Bild: Jens Gyarmaty

Ist es angesichts der dicken Schicht aus Gefühlen und Erinnerungen an 35 Jahre Nachtleben, die an dem Gebäude haften, überhaupt möglich, eine Diskothek wie die Batschkapp zu verpflanzen? Die Backsteinhalle in Seckbach könnte umgenutzt werden.

          Ist es angesichts der dicken Schicht aus Gefühlen und Erinnerungen an 35 Jahre Nachtleben, die an dem Gebäude haften, überhaupt möglich, eine Diskothek wie die Batschkapp zu verpflanzen? Ralf Scheffler, der Betreiber der Frankfurter Institution, bejaht diese Frage: „Die Patina wird überschätzt, denn für jüngere Generationen bedeutet der Ort ja immer wieder etwas Neues.“ Er hält das nostalgische Schwelgen älterer Generationen in Erinnerungen an durchtanzte Nächte für eine „Kopfgeschichte“: „Der Anteil der Vierzigjährigen an unserem Publikum ist gering, weil die nur noch wenig ausgehen.“

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Scheffler ist schon seit Jahren auf der Suche nach größeren Räumen für die 1976 gegründete Diskothek, in der schon Nirvana und Lenny Kravitz auftraten und Generationen von Frankfurtern und jungen Leuten aus dem Umland sozialisiert wurden, was das Nachtleben angeht. Nun scheint ein geeigneter Ort gefunden: Das Liegenschaftsamt hat für die Batschkapp eine alte Fabrikhalle im Stadtteil Seckbach hinter dem Riederwald im Blick. Die Stadt will das Areal in einem Gewerbegebiet an der Gwinnerstraße erwerben und das aus den fünfziger Jahren stammende Backsteingebäude an Scheffler vermieten.

          „Trocken und dicht“

          Liegenschaftsamtsleiters Alfred Gangel will den Kauf noch in diesem Jahr abschließen. Er sei in Verhandlungen mit den Eigentümern und habe das Gebot am Wochenende noch einmal bestätigt, sagte er gestern. Die Stadtverordneten müssen dem Geschäft allerdings noch zustimmen. Auf dem Gelände an der Gwinnerstraße ist auch Platz für weitere Hallen, die verschiedenen Museen als Depot dienen könnten. „Das ist für mich der wesentliche Gesichtspunkt“, sagt der Liegenschaftsamtsleiter.

          Gangel zufolge ist die alte Halle, in der Kunststoffe produziert wurden, in einem sehr gutem Zustand, „trocken und dicht“. Um sie herzurichten, müsste Scheffler allerdings rund 1,8 Millionen Euro in den Umbau investieren. Eine Summe, die er für „machbar“ hält. Sollte das Geschäft glücken, könnte die Batschkapp frühestens im Herbst 2012 am neuen Standort ihre Türen öffnen.

          Kostspielige Sanierung entfiele bei einem Umzug

          Scheffler kann sich den Umzug gut vorstellen, sieht allerdings „noch einige Haken und Ösen“. „Es wäre schön und würde passen. Die Stadt muss das Grundstück aber erst noch erwerben.“ Um den Umbau zu finanzieren, will Scheffler das alte Gebäude veräußern. Die Verkehrsanbindung hält er für vergleichbar. „Die Batschkapp läge mental sogar näher an der Innenstadt.“ Von der Konstablerwache aus ist die Haltestelle Gwinnerstraße in zehn bis 13 Minuten mit den U-Bahnlinien 4 und 7 zu erreichen. Eine Fahrt aus dem Stadtzentrum zum derzeitigen Standort der Batschkapp in Eschersheim dauert elf Minuten. Allerdings ist sie dort zusätzlich mit der S-Bahn zu erreichen.

          Da der Rock-Club in die Jahre gekommen ist, rechnet Scheffler in einigen Jahren mit einer kostspieligen Sanierung, die durch den Umzug entfiele. Der größte Vorteil läge allerdings am Zugewinn an Platz. Der neue Standort würde rund 1500 Zuhörer fassen – etwa dreimal so viel wie bisher. Die Batschkapp, die auch an anderen Orten der Region Konzerte veranstaltet, will sich vergrößern, um für Auftritte besonders populärer Bands nicht länger in fremde Hallen ausweichen zu müssen. Da Diskothekenbetreiber ihr Geld nicht vorrangig mit dem Verkauf von Eintrittskarten, sondern mit dem Ausschank von Getränken verdienen, entfällt diese Einnahmen in fremden Hallen. „Dort können wir keine Gastronomie betreiben“, sagt Scheffler.

          Bei den Gästen der Batschkapp hält sich die Empörung über den bevorstehenden Umzug in Grenzen

          Die Batschkapp ist für große Bands zu klein. Schon lange bemängeln Scheffler wie auch der Konzertveranstalter André Lieberberg, dass in Frankfurt eine Halle von mittlerer Größe fehle. „Das ist ein Armutszeugnis für Frankfurt. Dann geht man halt ins Ausland – nach Offenbach oder Neu-Isenburg“, sagt Scheffler. Lieberberg hatte kürzlich gegenüber dieser Zeitung auf den Mangel hingewiesen. „Frankfurt gerät bei mancher Tournee ins Hintertreffen, weil geeignete mittlere Hallen fehlen“, sagte er.

          Bei den Gästen der Batschkapp hält sich die Empörung über den bevorstehenden Umzug in Grenzen. Auf der Facebook-Seite ist bislang kein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Scheffler ist sicher, dass auch die Backsteinhalle in Seckbach Patina ansetzen kann. „Sie hat etwas Trashiges und Industriehaftes“.

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