12.02.2007 · Wenn alles gutgeht, verfügt die Frankfurter Kammeroper bald über ein festes Haus. Einziehen soll die freie Musiktheatertruppe in die Sachsenhäuser „Fabrik“ am Mittleren Hasenpfad.
Von Florian BalkeWenn alles gutgeht, verfügt die Frankfurter Kammeroper bald über ein festes Haus. Einziehen soll die freie Musiktheatertruppe in die Sachsenhäuser „Fabrik“ am Mittleren Hasenpfad. Emy Wagner-Heinz, die hochbetagte Eigentümerin des Geländes an der Ecke zur Mörfelder Landstraße, hatte jahrzehntelang nichts mehr in den Unterhalt ihrer Liegenschaft investiert. Erst im Alter von mehr als 100 Jahren sicherte die kinderlose Industriellentochter ihr Erbe durch die Gründung der Peter-Paul-und-Emy-Wagner-Heinz-Stiftung. In deren Satzung ließ sie als Stiftungszweck die Förderung der Kammeroper und des von der Lebenshilfe Frankfurt unterhaltenen Ateliers Goldstein festschreiben.
Seither wurde bei der Stiftung überlegt, wie man ihrem Wunsch am besten entsprechen könne. Entschieden hat man sich nun für eine große Lösung – die Kammeroper soll in einigen Jahren einen Theatersaal bespielen, der hinter dem Hauptgebäude der Fabrik neu zu errichten ist. Nun sind die Planungen so weit fortgeschritten, dass eine Bauvoranfrage gestellt werden kann. Allerdings muss die Finanzierung des Vorhabens noch durch private Sponsoren gesichert werden. Mit Fördergeldern von der Stadt oder vom Land könne man nicht rechnen, sagt Stiftungsvorstand Peter Säuberlich: „Wir sind uns aber sicher, dass wir ein solches Projekt rein privatwirtschaftlich finanzieren können.“
Neubau des Theatersaales
Die Umbaupläne, die aus dem Hauptgebäude der ehemaligen Ölfabrik den neuen Sitz der Kammeroper machen sollen, stammen von Karl Dudler. Der Frankfurter Architekt hat 1986 das „Schwarze Café“ an der Schweizer Straße mitentworfen und ist seitdem auch durch seine Umbauten ehemaliger Industriegebäude bekannt geworden. Für seinen Sachsenhäuser Theaterneubau hat Dudler eine „einfache Kiste“ mit einer Außenhaut aus verwittertem Kupfer entworfen, die durch ihre grüne Patina in eine reizvolle Beziehung zum alten Baumbestand des Geländes treten soll.
Dudler veranschlagt für den Neubau des Theatersaales, den Einbau der Bühnentechnik und die Sanierung des Hauptgebäudes der Fabrik 2,5 Millionen Euro. Zur Finanzierung dieser Summe muss sich die Stiftung auf ihre Verbindungen verlassen. Die aber sind gut. So ist Frank Mußmann nicht nur Mitglied des Stiftungskuratoriums und Vorsitzender der Lebenshilfe, sondern verfügt als ehemaliger Leiter des Frankfurter Kulturamts und früherer Präsident der Hochschule für Gestaltung Offenbach auch über exzellente Kontakte. Auch Peter Schneckmann, der im Kellergewölbe der „Fabrik“ schon jetzt Konzerte und die vor kurzem erfolgreich eröffnete Lesungsreihe „Monday Monday“ veranstaltet, ist als ehemaliger Programmchef der „Brotfabrik“ gut vernetzt. Für das künftige Literaturprogramm bürgt zudem Karlheinz Braun, ehemals Leiter des Verlags der Autoren. Einige mögliche Sponsoren haben Mußmann und seine Mitstreiter schon angesprochen. Für die Freunde der „Fabrik“ soll darüber hinaus schon bald ein Förderverein gegründet werden.
100 Aufführungen im Jahr geplant
Kammeropernchef Rainer Pudenz freut sich über die Aussicht auf ein festes Haus. Schließlich wird die Kammeroper neben dem neuen Theatersaal mit seinen 200 Plätzen auch über eine Werkstatt, ein Lager und einen Probensaal verfügen. Für das Theater, das auch anderen Ensembles zur Verfügung stehen soll, plant Pudenz etwa 100 Aufführungen im Jahr. Zu den drei Opernproduktionen je Saison sollen Kammermusik-Konzerte kommen.
Beginnen wird die Sanierung allerdings mit dem Umbau der Remise rechts neben dem Hauptgebäude. Sie wird zur neuen Unterkunft des Ateliers Goldstein, in dem die Lebenshilfe seit 2001 begabte geistig behinderte Künstler fördert. Die Kosten veranschlagt Frank Mußmann auf weitere 500 000 Euro. Bei deren Finanzierung kann er sich allerdings auf Eigenmittel, die „Aktion Mensch“ und wohl auch auf die Stadt Frankfurt verlassen. Sozialdezernent Uwe Becker (CDU) will im Investitionshaushalt 2008 eine Förderung des Vorhabens beantragen.