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Filmreihe „I Can See Music“ : Musik zum Sehen

Filmvorführer: Matthias Westerweller und Petra Klaus lieben Musikfilme. Bild: Frank Röth

Und Action: In der Filmreihe „I Can See Music“ werden neue Musikdokumentationen gezeigt – oft in deutscher Erstaufführung.

          Auch ausgewiesene Radiomenschen mögen Bilder. So kam es, dass die Idee für die Musikfilmreihe „I Can See Music“ auf einer Vernissage geboren wurde. Dort liefen sich vor drei Jahren Petra Klaus, die Gründerin und langjährige Geschäftsführerin des Frankfurter Stadtradios Radio X, und Matthias Westerweller, unter dem Namen DJ Weller ein bekannter Radiomacher, über den Weg. Im Gespräch schwärmten sie über die preisgekrönte amerikanische Filmdokumentation „The Wrecking Crew“, die von jenen legendären Sessionmusikern aus Los Angeles handelte, die in den sechziger Jahren zahllose Hits von Frank und Nancy Sinatra, den Byrds, den Monkees sowie Sonny & Cher einspielten und auch an den Aufnahmen des Beach-Boys-Meilensteins „Pet Sounds“ beteiligt waren.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den Kinos sind solche Musikdokumentationen aber nur sehr selten zu sehen, was Klaus und Westerweller auf den Gedanken brachte, vielleicht für Abhilfe sorgen zu können. Gute Kontakte zum Frankfurter Programmkino Orfeo’s Erben hatte Klaus, Kontakte zu Filmverleihern sollten sich doch ebenfalls schnell herstellen lassen. So dachten die beiden zumindest, um dann doch feststellen zu müssen, dass die Kommunikationskanäle auf dem Feld der Filmdokumentation doch nicht immer direkt sind. Sie habe auf einem Festival in Wiesbaden den Film „Muscle Shoals“ über das berühmte Aufnahmestudio gesehen und sich gedacht, das sei doch ein toller Auftakt für ihre Programmidee, sagt Klaus. Dann erzählt sie von etlichen Versuchen der Kontaktaufnahme, um an die Aufführungsrechte zu kommen: „Das war sehr mühselig und schien schon aussichtslos, bis sich irgendwann der Regisseur des Films per Mail meldete und die Erlaubnis gab.“

          „Stark vom Thema abhängig, ob Filme ins Kino kommen“

          Wie Klaus und Westerweller hier schon früh lernten und bis heute immer wieder feststellen, haben die meisten ausländischen Musikdokumentationen keinen deutschen Verleih. „Es ist sehr stark vom Thema abhängig, ob solche Filme überhaupt ins Kino kommen“, sagen beide. Daher versuchen sie inzwischen immer, direkten Kontakt mit den Regisseuren oder Produzenten aufzunehmen, vor allem auch, um sich ein mögliches Recht auf die deutsche Erstaufführung zu sichern.

          Aus der Idee und der schließlich erfolgreichen Vorführung von „Muscle Shoals“ im Orfeo’s Erben im September 2014 ist der Anspruch der beiden entstanden, in loser Abfolge nicht etwa Klassiker des Genres, sondern möglichst neue Musikdokumentationen zu zeigen, die bis dahin idealerweise nur auf einschlägigen Filmfestivals wie Sundance, in Toronto oder beim SXSW in Austin vorgeführt worden sind. Der Enthusiasmus der beiden Musikliebhaber ist dabei schon mehrere Male belohnt worden. So konnten sie Jim Jarmuschs Dokumentation „Gimme Danger“ über Iggy Pops alte Band The Stooges ein halbes Jahr vor dem eigentlichen Start in den deutschen Kinos zeigen und auch Don Cheadles Berlinale-Beitrag „Miles Ahead“ vorführen, einen Spielfilm über den Jazzgiganten Miles Davis, der sonst gar nicht in deutschen Kinos lief.

          Vier bis fünf Filme je Saison

          Vier bis fünf ausgewählte Filme je Saison wollen die beiden in ihrer nach dem Beach-Boys-Hit „I Can Hear Music“ benannten Reihe „I Can See Music“ präsentieren. Die Beschränkung der über Flyer sowie klassische und soziale Medien beworbenen Reihe ist dabei wohlüberlegt: „Es gibt zwar regelmäßig neue Musikfilme, doch manche dieser Dokus sind extrem langweilig, weil sie die immergleichen Bilder verwenden. Es ist deshalb immer schön, wenn die Filme einen großen Bogen schlagen und mehr vermitteln als nur die Musik“, sagt Westerweller, der der Reihe zudem Pausen verordnet: „Im Dezember ist zu viel los und im Sommer geht keiner ins Kino.“

          Außerdem möchten die beiden bei ihren Kinoabenden nicht nur Erstaufführungen, sondern als weitere Besonderheit auch zum Film passende Gäste bieten. Das können Autoren und besondere Zeitzeugen oder gar Beteiligte an den Filmen sein, die entweder im Kino oder über Skype-Verbindungen Fragen der Veranstalter und des Publikums beantworten. Denn eines wissen die beiden Radiomenschen genau: Es macht eben auch großen Spaß, über Musik zu sprechen.

          In der Reihe „I Can See Music“ ist heute von 21 Uhr an im Frankfurter Kino Orfeo’s Erben, Hamburger Allee 45, der Film „Conny Plank – The Potential Of Noise“ zu sehen. Gast ist der DJ und Gastronom Ata Macias. Am 25. Oktober wird „Rumble – The Indians Who Rocked The World“ und am 22. November „Chasing Train – The John Coltrane Documentary“ gezeigt.

          Quelle: F.A.Z.

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