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Musical Liebe, die den Tod besiegt

02.02.2006 ·  Pharaonentochter Amneris liebt den Feldherrn Radames, Radames liebt die Sklavin Aida. Am Ende werden Radames und Aida eingemauert: Elton Johns Musical „Aida“, das jetzt in Niedernhausen aufgeführt wird, glückt auch ohne „Happy End“.

Von Ursula Böhmer
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Sie stehen in einem riesigen Dreieck, das im Dunkeln leuchtet, und besingen ihr Leid - drei einsame Liebende in ihren Lichtkegeln, der unendlich freie Sternenhimmel hinter ihnen. Frei sind sie nicht mehr: Pharaonentochter Amneris liebt den Feldherrn Radames, Radames aber liebt die Sklavin Aida, einst die Königstochter des Feindes.

Die rührende Dreiecksgeschichte, die mitten im Krieg zwischen Ägypten und Nubien spielt, geht in Elton Johns Musical „Aida“ zunächst genausowenig gut aus wie in dem gleichnamigen Opern-Vorbild, das Giuseppe Verdi 1871 zur Eröffnung des Suez-Kanals komponierte: Radames und Aida werden am Ende eingemauert.
Allerdings haben Popkönig Elton John und der oscargekrönte Texter Tim Rice zwei Szenen hinzugefügt: Zu Beginn und zum Schluß ihres Musicals, mit dem sie im Jahr 2000 am Broadway Erfolge feierten, bevor es 2003 auch nach Deutschland kam, begegnen sich Radames und Aida aufs neue - wiedergeboren in zwei Seelenverwandten der Jetztzeit. In der ägyptischen Ausstellung eines Museums treffen sie aufeinander, und die ägyptische Königinnenfigur, die in ihrer Vitrine die Liebe besingt, „die den Tod besiegt“, scheint recht zu behalten.

Modebewußte Blondinenzicke

Gefunkt hat es auch zwischen Darstellern und dem Publikum im Rhein-Main-Theater Niedernhausen, wo das Musical „Aida“ in der ansprechenden Regie Robert Falls und Keith Battens jetzt zu sehen ist. Die Niederländerin Ana Milva Gomes nimmt als Aida sofort für sich ein - eine stolze Königin der Nacht, wenn sie im dunkelblauen Kleid, umrahmt von mehreren, farbigen Licht kegel-Sternespitzen ihr „so einfach, so schweres“ Schicksal besingt. Bernhard Forchers sympathischer Radames bleibt da eher eine Schattenpflanze, obgleich er die deutsch übersetzten Texte so pathetisch schillern läßt.

Bettina Mönch sorgt als modebewußte Blondinenzicke Amneris für die komischen Szenen - und für die schönsten Kostüme auf der Bühne: In einer Art Modenschau werden ihre glitzernden Ballroben mit originellem Kopfputz aus riesigem Halbmond oder durchsichtig bespanntem Würfel vorgestellt.
Für die Kostüme, für die ausgefeilten Lichteffekte, für die meist in warmen Gelb- und Orangetönen gehaltenen, wunderschönen Bühnenbilder ist die Disney Theatrical Productions verantwortlich, die schon beim Erfolgsmusical „Der König der Löwen“ Pate stand.

Elton Johns Musik, bei der wieder einmal das Klavier beziehungsweise das Keyboard den Ton angibt, geht schnell ins Blut und in die Beine. Wayne Cilento und Tracey Langran Corea fällt es leicht, raffinierte Choreographien zu schaffen zu der von afrikanischen Calypso- und Trommelrhythmen angeregten Pop-, Rock- und Soulmusik, die hier umgesetzt wird von Paul Bogaev und seinem Musikerensemble. Die teils etwas plumpen deutschen Texte („Wie Vater, so Sohn“) hätte man allerdings in Untertitel verbannen sollen, eine englische Version wäre musikalisch sicher sinnvoller gewesen. Trotzdem: Die exotische Bilderbuchreise ins Land der Pharaonen hat sich gelohnt.

Weitere Vorstellungen bis 9. März 2006

Quelle: F.A.Z. / Rhein-Main-Zeitung, 02.02.2006
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