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Museumsuferfest Alles Kultur?

29.08.2010 ·  Wer auf das Frankfurter Museumsuferfest geht, braucht einen sehr erweiterten Kulturbegriff. Den haben viele. Aber nicht jeder schafft es in die Museen, die dem Fest den Namen geben.

Von André Weikard
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Bengalischer Reis, kolumbianischer Kaffee, spanische Tapas, französische Crêpes, Naturlakritze aus Schweden, Falafel vom Berber-Grill, Waffeln aus Belgien, Waffeln aus Holland, Bratwurst aus Frankfurt, Thüringen und Polen. Und der Polar-Express verkauft Softeis. Und dann irgendwo auch noch argentinisches Rindersteak. Schließlich ist Argentinien diesmal Gastland nicht nur der Buchmesse, sondern auch des Frankfurter Museumsuferfestes. „Eines der größten Kulturfestivals Europas“ nennt Oberbürgermeisterin Petra Roth das dreitägige Spektakel. Und ruft zur Eröffnung aus: „Kultur für alle - alles ist Kultur!“

Esskultur, möchte man meinen. Zum erweiterten Kulturbegriff des Museumsuferfestes gehört aber nicht nur allerlei Essbares, dazu gehört auch ein Stand der Frankfurter Eintracht, Pavillons, in denen Hüte und Brieftaschen verkauft werden, und eine Handleserin. Da sind sie, die kleinen und großen Salzsteinlampen, die aus Stein gehauenen Bücher und die Schals und Pullover mit Klimt-Motiven. Kurz: der ganze pseudogefühlvolle Dekokitsch.

„Jeder Mensch ist ein Künstler, nur du nicht“?

Was ist denn nun Kunst? Und wo findet sich die auf dem Museumsuferfest? Steht da nicht in der U-Bahn-Haltestelle am Ausgang zur Schirn: „U-Bahn fahren ist keine Kunst“? Und war es nicht Beuys, der einem seiner Studenten sagen musste: „Jeder Mensch ist ein Künstler, nur du nicht“? Vielleicht ist doch nicht alles Kunst und doch nicht alles Kultur.

Der Frankfurter Kunstverein beteiligt sich zum Beispiel nicht am Museumsuferfest. Ja, man habe zwar die Öffnungszeiten bis Mitternacht verlängert, auch zusätzliche Führungen vorgesehen, aber eigentlich sei man zu weit ab vom Trubel. Dabei hätte die derzeitige Ausstellung argentinischer Künstler, „Tales of Resistance and Change“, ganz gut ins Konzept gepasst und mehr über das Gastland Argentinien verraten, als es die Tangokurse und die Gauchoshows draußen an der Argentinien-Bühne tun. Fotos gibt es da zu sehen, von Jugendlichen aus den Vorstädten mit Baseballcaps und verschränkten Armen vor besprayten Hauswänden. In einer Videoinstallation zerschlagen Frauen Porzellan, und auf den Aufnahmen im zweiten Stockwerk sind Menschen abgebildet, die in ihren Wohnzimmern oder Küchen stehen, vor ihren Sofas oder ihren Bücherregalen, und eine Schusswaffe in der Hand halten. Gewalt gehört für diese Menschen zum Alltag, all diese Kunstwerke sagen es uns.

Basilikum, Salbei und Petersilie als Tischdekoration

Ob man hier auch diese Buttons für das Museumsuferfest kaufen könne, fragt einer. Ja, sagt die Dame am Empfang. Dieses Jahr haben sie hier im Kunstverein das erste Mal welche. 50 Stück, das wird reichen. Die Leute, die so einen Button haben und sich damit als Museumsbesucher ausweisen, sind auf dem Fest entlang des Mainufers in der Minderheit.

Vielleicht liegt das daran, dass in diesem Jahr einfach wenig zu sehen ist. Das Städel baut, das Filmmuseum auch, und im Museum für Moderne Kunst wird ebenfalls viel geräumt. Absperrbänder allerorten.

Im Städelgarten verläuft das rot-weiße Band um jede einzelne Skulptur. Die Kunstwerke sind eingezäunt und ausgeklammert, während der Platz vor dem Museum aussieht, als ob für eine Hochzeit angerichtet wäre, mit all den weiß gedeckten Stehtischen, auf denen Basilikum, Salbei und Petersilie die Tischdekoration abgeben. Hier gibt es keine Pappteller wie sonst überall, sondern solides Porzellan. Die Pforte aber bleibt geschlossen. Zu mehr als einem Blick auf die Baustelle kann das Museumspersonal in gelben Gummistiefeln heute nicht einladen.

Cembalo, Gambe, Barockvioline und Traversflöte

Kran, Bauzaun und Gerüst verstellen auch das Filmmuseum. In den Pavillons gegenüber gibt es ein Filmquiz und T-Shirts zu kaufen: Filmstar, Stunt-Girl oder Kuss-Double steht darauf. Wer das Scheinwerferlicht sucht, macht sich aber am besten gleich auf den Weg ins Museum für Moderne Kunst. Klar, da stehen Leitern und Kanister herum und Holzleim schmückt ungeöffnete Kisten. Die Ausstellung „Not in Fashion“ zu Mode und Fotografie der neunziger Jahre ist noch nicht eingerichtet. Sie öffnet erst am 25. September. Während des Museumsuferfests sucht das Haus aber schon mal „MMK's next Topmodels“. Der Klebestreifen auf dem Fußboden markiert, wo posiert werden muss, der Fotograf gibt die entsprechenden Anweisungen, aus dem Drucker kommt das fertige Porträt.

Neben all den improvisierten Aktionen gibt es aber auch ganz klassische Programmpunkte. Nicht im Museum für Moderne Kunst, aber im Karmeliterkloster. Zum dreizehnten Mal in Folge findet dort „Klang im Kloster“ statt, das Festival für Alte Musik parallel zum Museumsuferfest. Stündlich sind hier das himmelblaue Cembalo, Gambe, Barockvioline, Traversflöte, Dulzian und Chitarrone zu hören, Instrumente, die manch einer nicht mal dem Namen nach kennt.

Martin zum Beispiel. Der kann sich unter einem Cembalo gar nichts vorstellen. Aber das Mainuferfest findet er gut. Da geht er jedes Jahr hin. „Museumsuferfest“, korrigiert Erik. „Das heißt Museumsuferfest“. „Was, da ist doch der Main“, sagt Martin und nickt mit dem Kopf nach rechts. „Und da sind die Museen“, sagt Erik und nickt nach links. „Ach so“, sagt Martin und beißt in sein Fischbrötchen.

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