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Museen in Frankfurt Neuer Museumschef noch vor der Sommerpause

18.01.2008 ·  Seitdem bekannt ist, dass MMK-Chef Udo Kittelmann nach Berlin wechselt, schießen Spekulationen über die künftige Verfassung der Museen in Frankfurt ins Kraut. Kulturdezernent Felix Semmelroth will noch vor der Sommerpause einen Nachfolger präsentieren.

Von Michael Hierholzer
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Einen Generaldirektor für die Frankfurter Ausstellungshäuser, daran hat Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) keinen Zweifel gelassen, wird es vorerst nicht geben. Wie der Stadtrat auf Anfrage sagte, ist er schon seit einiger Zeit dabei, nach Kandidaten für den Leitungsposten im Museum für Moderne Kunst (MMK) Ausschau zu halten: „Wir wollen einen eigenständigen Direktor. Es geht um eine in der Gegenwartskunst ausgewiesene Persönlichkeit.“

Sie müsse in gleicher Weise in der Lage sein, Ausstellungen zu verwirklichen wie die Sammlung weiterzuentwickeln. Nachdem bekanntgeworden war, dass MMK-Chef Udo Kittelmann als Direktor der mehrere Museen umfassenden Nationalgalerie nach Berlin wechselt, schossen Spekulationen über die künftige Verfassung der Museen in Frankfurt ins Kraut. Und gewiss wurde auch im Kulturdezernat darüber nachgedacht, ob das Gefüge der Museen neu geordnet werden sollte.

Spekulationen über das Museum für Moderne Kunst

Unverkennbar ist, dass sich die Museumslandschaft schon verändert hat. Mit der Übernahme des renommierten Städel und des Liebieghauses vor etwa zwei Jahren, wofür sich Max Hollein mit der nunmehr sechs Jahre währenden Erfolgsgeschichte der Schirn-Kunsthalle unter seiner Führung empfohlen hatte, wurde er zu einem Über-Direktor, wie ihn Frankfurt bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekannt hatte. Da lag es nahe anzunehmen, dass ihm auch noch das Museum für Moderne Kunst angetragen wird. Ganz abwegig ist der Gedanke nicht, dass das MMK als Dependance des Städel weitergeführt wird. Schließlich hatten sich schon lange vor der Eröffnung des von Max Holleins Vater Hans gebauten Hauses Stimmen erhoben, die es für unsinnig hielten, dass in Frankfurt zwei Häuser moderne Kunst sammeln.

Gerade aus dem MMK jedoch weht dem erfolgreich zwischen Wirtschaft und Kunst, ökonomischen und ästhetischen Interessen jonglierenden Hollein ein eisiger Wind entgegen: Dass er sich, durchaus in Einklang mit den Aufgaben des Städel, vermehrt der zeitgenössischen Kunst als Sammlungsgebiet widmet, wird im „Tortenstück“ gar nicht goutiert. Und die Ankündigung, einen Erweiterungsbau zu errichten, um dort ins Städel überführte Werke aus der Deutschen Bank und der DZ-Bank dauerhaft zu zeigen, ist mit ein Grund dafür, dass Kittelmann freudig zu anderen Ufern aufbricht. Anfang November verlässt er Frankfurt, Semmelroth will noch vor der Sommerpause einen Nachfolger präsentieren.

Hinter vorgehaltener Hand wurde im Museum für Moderne Kunst immer wieder ein Gesamtkonzept für die hiesigen Kunstmuseen gefordert. Mit anderen Worten: Die Kulturpolitik sollte dafür sorgen, dass die zeitgenössische Kunst im MMK gesammelt wird und nirgendwo sonst. Gerade auf die Fotokunst, die aus der DZ-Bank ans Museumsufer ziehen soll, erhebt das MMK Anspruch. Sie für Frankfurt und die Öffentlichkeit zu sichern, ist freilich Hollein gelungen, den dabei einflussreiche Kräfte aus der Wirtschaft unterstützen. Welches Museum derlei Schätze hebt und hegt, kann dem Publikum gleichgültig sein.

Fehlender politischer Wille

Unabhängig von der Person Holleins stellt sich für die Zukunft die Frage, ob die Frankfurter Museen oder zumindest die Kunstmuseen unter dem Dach einer GmbH nicht besser aufgehoben wären und effizienter arbeiten könnten als unter den Fittichen der Verwaltung. Womöglich könnten sie sich so besser gegen die Herausforderungen einer Zeit wappnen, in der sich die Häuser nicht mehr auf ein festgefügtes Bildungsbürgertum verlassen können, sondern sich immer neue Besucherschichten mit jeweils unterschiedlichen Mitteln erschließen müssen. In der Schirn, einer GmbH, aber auch im Städel, das auf einer Stiftung basiert, hat Hollein ein beispielloses Marketing eingeführt. Bei den städtischen Häusern gibt es dafür kaum Personal. Aber derzeit ist kein politischer Willen auszumachen, das Frankfurter Kunstgebäude grundsätzlich umzubauen.

Zwar lasse er sich bei der Nachfolgersuche für Kittelmann von Fachleuten beraten, eine Findungskommission werde er jedoch nicht einsetzen, sagte der Kulturdezernent. Mitglieder solcher Gremien hätten, wie die Erfahrung lehre, oft Interesse, bestimmte Kandidaten durchzuboxen. Über die Besetzung der Stelle habe aber der Magistrat zu befinden. Schließlich handele es sich um ein städtisches Museum.

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Jahrgang 1955, Kulturredakteur der Rhein-Main-Zeitung.

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