13.02.2010 · Erst im Januar hat Antony Rizzis Abend „An attempt to fail at groundbreaking theater with pina arcade smith“, ebenfalls eine Mousonturm-Produktion, gezeigt, nun hat das Frankfurter Künstlerhaus „Monkey on the table“ produziert – als Uraufführung.
Von Eva-Maria Magel, FrankfurtErst im Januar hat Antony Rizzis Abend „An attempt to fail at groundbreaking theater with pina arcade smith“, ebenfalls eine Mousonturm-Produktion, gezeigt, nun hat das Frankfurter Künstlerhaus „Monkey on the table“ produziert – als Uraufführung. Allerdings stammt das meiste der 90 Minuten langen Arbeit aus der ebenfalls im Mousonturm gezeigten Produktion „Tiny bits of bacon“ aus dem Jahr 2008.
Nomen est omen: Ein Serrano-Schinken, zu Beginn der Performance im White Cube als Kunstwerk in sein Gestell drapiert, dient Rizzi zunächst als Demonstrationsobjekt all dessen, was man mit einem Körper so anstellen kann. Tanzen. Essen. Ausstellen. Quälen. Benutzen. Das illustrieren der Tänzer Douglas Bateman und der schlaksige Performer Eric Lenke. Aber eben auch: Lieben, lieben, lieben, das zeigen die Tänzer Norbert Pape und Imna Rubio Tomas mit einer ausführlichen Kuss-Szene. Danach ist das Setting der Kunstgalerie mit dem eines chaotischen Ateliers vetauscht, die Zuschauer dürfen sich setzen, es geht bunt und assoziativ, lustig, aber doch ernst zu wie stets bei Rizzis Arbeiten, wieder zeigt er an die Vorspänne von James Bond-Filmen erinnernde Schatten-Videospiele und szenische Kalauer – aber die Liebe bleibt doch das Größte unter ihnen.
Intimrasuren am Rizzischen Küchentisch
Zu Rizzis Kunst gehören stets die charmant schlichten Polaroidcollagen seiner Freunde und seiner Umgebung, diesmal als Kunstschau im Foyer angebracht, wo mancher verschämt grinsend einen Blick auf Intimrasuren am Rizzischen Küchentisch riskiert. Haut gibt es auch in „Monkey on the table“ wieder reichlich zu sehen, mit und ohne Unterhosen, deren Dessins die Stilpolizei auf den Plan rufen müssten, wären sie nicht auch wieder ein geradezu traditionsreicher Witz bei Rizzi, wie die homoerotischen Szenen, in denen er bis zum Überdruss schwelgen kann.
Weil bei Rizzi das (eigene) Leben und die Kunst immer ineins fallen, tun es wortgewitzt auch der Schinken und der Maler Francis Bacon, wie schon in „Tiny bits of bacon“. So, wie die Tänzer mit kleinen Stückchen Schinken gefüttert werden und selbst Fleisch sind, füttert Rizzi alias „Francis“ das Publikum mit kleinen Anspielungs-Stückchen aus Bacons Leben und Kunst. Er stellt dessen Triptychon auf dem Holzbrett nach, lässt die hinter eine Plexiglasscheibe gequetschten Tänzerkörper an Bacons Spiegelporträt erinnern und die Kloschüssel nicht nur an Duchamps Pissoir, sondern an den Tod von Bacons Lebensgefährten George Dyer. In einer der berührendsten Szenen bildet Rizzi mit Bateman im selben übergroßen Anzug steckend eine Art monströse Missgeburt, die aussieht wie Bacons Zerrbildern entstiegen.
Wildwuchernder Rizzi-Abend
In diesen Momenten ist „Monkey on the table“ zwar nicht gerade aufschlussreich, aber stark und man ahnt, was daraus hätte werden können, wären ein paar der weniger guten Ideen gestrichen und dafür ein paar Gedanken weitergetrieben worden. So aber ist wieder einer jener wildwuchernden Rizzi-Abende daraus geworden, in denen liebenswürdig gemeinte Provokation so oft wiederholt wird, bis sie nur noch schal riecht. Wie jene Dosentomaten, die auch diesmal reichlich verschüttet werden. Aber Blut ist halt doch dicker als Tomatensaft.
Eine weitere Vorstellung am Samstag, 13. Februar, um 20 Uhr im Mousonturm.