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Michel Houellebecq plaudert mit Rachid Amirou Baskenmütze und Baguette

05.05.2008 ·  Der Schriftsteller Michel Houellebecq und der Tourismussoziologe Rachid Amirou sollten die Ausstellung „All Inclusive - Die Welt des Tourismus“ mit ihren Weisheiten krönen. Aber sie plapperten wie zwei geschwätzige Backfische.

Von Claudia Schülke
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Manche Zuhörer trauten ihren Ohren nicht: So viele Platituden hatten sie schon lange nicht mehr gehört. Da schwadronierten zwei französische Tourismusexperten über die unstillbare Reiselust ihrer Zeitgenossen und hatten dabei so gut wie gar nichts zu sagen.

Auf der Plattform über dem Schirn-Café sollten Michel Houellebecq, Verfasser eines Romans über Sextourismus, und Tourismussoziologe Rachid Amirou die Dernière der Ausstellung „All Inclusive – Die Welt des Tourismus“ mit ihren Weisheiten krönen. Aber sie plapperten wie zwei geschwätzige Backfische über ihre Bücher, über die Einsamkeit an philippinischen Stränden mit den Büchern anderer, über den Touristen-Export der Deutschen und den stilisierten Exotismus in der Provence.

„Die touristische Zukunft muss über die Kultur laufen“

Frankreich habe als Industrienation keine Zukunft, sagte Amirou. Aber gegen den Tourismus wolle es seine Industrie auch nicht eintauschen, meinte Houellebecq. Oder sollte er vielleicht Sartre spielen, um die Erwartungen chinesischer Touristen in St. Germain zu befriedigen? Der Autor begreift den Tourismus als eine Parabel für Bewegung, um voranzukommen. Wohin? Ins Paradies, vermutete Amirou. Das imaginierte Glück treibe die Menschen in die Ferne, wo sie dann meist nicht die Klischees fänden, die sie erwartet hatten: Baskenmütze und Baguette etwa. Amirou rechtfertigte den Tourismus jedoch als Recht des Menschen, fremde Menschen kennenzulernen und im Gespräch auf universelle Fragen zu stoßen: „Dabei kann einem ein Bauer in China plötzlich näher sein als ein Nachbar in Paris.“

In einer Zeit, da Verreisen beinahe zur gesellschaftlichen Verpflichtung geworden sei, gehöre schon eine Portion Heldentum dazu, nicht in die Ferien zu fahren, sagte Houellebecq. Und sich im Urlaub, womöglich als Single, schlecht zu fühlen grenze an persönliches Versagen, das man nicht zugeben dürfe. In Deutschland habe er sich stets wohl gefühlt. Dennoch sieht er keine Chance, hierzulande so etwas wie exotischen Tourismus zu etablieren. „Sexy würde man Deutschland nicht nennen“, stimmte Amirou mit Blick auf die deutsche Geschichte zu. Vielleicht sollten die Deutschen ihre romantischen Autoren mehr in Szene setzen, schlug Houellebecq vor: „Die touristische Zukunft muss über die Kultur laufen.“

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Jahrgang 1958, feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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