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Michael Bublé : Der Schwarm aller Damen

  • -Aktualisiert am

Noch nicht ganz so locker wie heute: Michael Bublé. Bild: DDP

Hemdkragen aufgeknöpft, Krawatte gelockert, Designeranzug leicht angeknittert, im attraktiven Gesicht ein stoppeliger Dreitagebart – Michael Bublé in der Frankfurter Festhalle.

          Hinter langen Stoffbahnen scheint ein riesiges Schattenorchester den Aufstand zu proben. Unheilvolles Paukengetrommel, als wäre ein gefährlicher Tornado im Anzug. Bläserklänge türmen sich übereinander, bedrohlich sägen die Bögen der Streicher. Das alles wird mit dramatischen Gesten von einem Dirigenten geleitet, dessen Ego mindestens so groß zu sein scheint wie das von Herbert von Karajan und Wilhelm Furtwängler zusammen. Als man endlich freie Sicht hat, fällt es schwer zu glauben, dass sich da ein nur mittelgroßer Bursche mit seinen zwölf Musikern eine nach allen Regeln der Kunst inszenierte Illusion erlaubt hat.

          Hemdkragen aufgeknöpft, Krawatte gelockert, Designeranzug leicht angeknittert, im attraktiven Gesicht ein stoppeliger Dreitagebart – Michael Bublés bewusst nachlässiger Aufzug signalisiert, dass er sein Dasein als Musterschwiegersohn mittlerweile definitiv abgehakt hat. Vergesst die Klischees vom adretten Schwarm aller Damen, auch wenn diese sich nach wie vor in Überzahl in der fast ausverkauften Frankfurter Festhalle tummeln. Und hysterische Schreie ausstoßen, wenn das obskure Objekt der Begierde auf der in allen Farben des Regenbogens illuminierten Bühne einen Ausfallschritt nach rechts unternimmt.

          Er fasziniert durch sein launiges Geplauder

          Vergessen machen möchte der Entertainer wohl auch das Etikett vom Frank Sinatra des 21. Jahrhunderts, das ihm zu Beginn seiner Karriere angeheftet wurde. Mag ihm das plakative Image des Ersatz-Sinatras anfänglich mehr als gute Dienste geleistet haben, nach rund einem Jahrzehnt dürfte trotzdem der Punkt gekommen sein, wo die ewigen Vergleiche mit „Ol’ Blue Eyes“ und Rat Pack nur noch hinderlich wirken. Ganz aus seiner Haut kann Michael Bublé freilich nicht. Schließlich will er ja seine ihm gerade in Deutschland treu ergebene Anhängerschaft nicht vergraulen. Also empfiehlt der Kanadier mit den italienischen und kroatischen Wurzeln sich zum Auftakt seines Frankfurter Konzerts mit einer knackigen Swing-Version von Arthur Hamiltons „Cry Me A River“.

          „All Of Me“, ein Standard aus dem Jahr 1931, dem schon Ben Selvin, Count Basie, Johnny Ray und Sinatra ihre Prägung gegeben haben, sowie „Mack The Knife“ von Brecht und Weill eignen sich nicht wirklich dazu, Abstand vom Ruf des Nachahmers zu gewinnen. Ganz vorzüglich aber gelingt das mit Soulperlen wie Marvin Gayes „How Sweet It Is (To Be Loved By You)“, Stevie Wonders „For Once In My Life“ und Billy Pauls „Me And Mrs. Jones“. „Save The Last Dance For Me“ von Ben E. King And The Drifters nutzt der Charmebolzen dann als Hymne auf einem langen Rückkehrmarsch durch das Publikum, zuvor ist er auf einem kleinen Podium zusammen mit der fantastischen Vokalgruppe „Naturally 7“ auf Tuchfühlung mit den Fans gegangen.

          Mag Michael Bublés ohne jede Mühe geführte Mehroktavenstimme als seine Hauptattraktion gelten, der ehemalige Elvis-Imitator, Musicaldarsteller und Hochzeitssänger vermag auch durch sein launiges Geplauder zu faszinieren. Geschichten und Anekdoten schüttelt er aus dem Ärmel, witzige bis ironische Reaktionen auf Zwischenrufe aus dem Publikum verkauft der gelernte Schauspieler mit unglaublicher Spontaneität. Zum endgültigen Abschied drückt Bublé – ohne Mikrofon – mit „Song For You“ abermals ordentlich auf die Tränendrüse – und sämtliche Damen fallen entzückt auf den charmanten Schwindler herein. Michael Köhler

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