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Maxïmo Park-Konzert : Etwas Graues, etwas Braunes und ganz viel Buntes

  • -Aktualisiert am

Erreicht auch außerhalb der Indie-Nische das Publikum: Paul Smith, Sänger der britischen Band Maximo Park. Bild: Michael Kretzer

Der Spagat ist geglückt: Die englische Band Maxïmo Park vereint bei ihrem Konzert im Wiesbadener Schlachthof Pop und Politik.

          Wer aus dem Dunkel des Nieselregens auf den beleuchteten Eingang des Wiesbadener Schlachthofs zuläuft, wird mit einer wärmenden Botschaft empfangen. „All Colours Are Beautiful“ hat jemand in großen Lettern quer über die Fassade des Gebäudes gepinselt. Es wirkt, als sei dies das Motto des Konzertabends, dessen Hauptattraktion das britische Quintett Maxïmo Park ist. Schon ihre Bühne ist ebenso bunt gestaltet wie das Cover der neuen Platte „Risk To Exist“: Großflächige Farbsprenkel erstrahlen im Schwarzlicht.

          Vor dem Banner spielt zunächst das englische Trio Flawes. Es veröffentlicht seine Songs auf dem Label eines österreichischen Brause-Herstellers. Die Musik, durchsetzt von Keyboardgewaber und Hallgitarren, klingt dementsprechend: viel zu süß, deutlich zu klebrig, krampfhaft bemüht, den Massengeschmack zu treffen.

          Brühend heiß aufgegossener New Wave Sound

          Dabei haben die Kollegen von Maxïmo Park, die Anfang des Jahrtausends in Newcastle zusammenfanden, doch bewiesen, dass Erfolg nicht unbedingt Ergebnis strengen Kalküls sein muss. Schon als 2005 ihre erste LP „A Certain Trigger“ erschien, machte es bei vielen Hörern, dem Titel entsprechend, klick. Zwar war der brühend heiß aufgegossene New Wave Sound reichlich zappelig, entwickelte jedoch, gepaart mit den schwärmerischen Melodien, eine Dynamik, der auch außerhalb der Indie-Nische das Publikum erlag.

          Dass dieses Konzept fünf Alben später noch immer funktioniert, zeigt sich in Wiesbaden eindrucksvoll. Der Sänger Paul Smith sprintet eingangs in die Szenerie, dreht dabei eine Pirouette und umgarnt sofort das Publikum, das sich ihm händeringend entgegenstreckt. „Throw your arms around me“, schmachtet der Achtunddreißigjährige im Refrain der Auftaktnummer „Risk To Exist“ und holt zur Umarmung aus, als wolle er jedem Gast in der gut besuchten Halle einzeln um den Hals fallen. Smith mag früher ein ambitionierter Kunstlehrer gewesen sein, seine wahre Berufung ist die des Frontmanns einer Rockband, der alle Bühnenregister zieht: Mal ertastet er sich den Raum im Stil eines Pantomimen, mal bewegt er sich roboterartig staksend zwischen seinen Mitmusikern umher, nur um einen Moment später geschmeidig das Becken kreisen zu lassen, zum Spagatsprung anzusetzen und den Mikrofonständer emporzureißen wie ein Gewichtheber die Langhantel.

          Kaum Atempausen

          Atempausen bleiben kaum in dem rund 80 Minuten langen Set, das neben aktuellen Stücken vor allem Lieder der ersten beiden Platten berücksichtigt, darunter die Großtaten „The Coast Is Always Changing“ und „Books From Boxes“. Immerhin findet Smith noch Zeit, um in charmant-kantigem nordenglischem Dialekt und mit ein paar Brocken Deutsch so manche Nummer anzumoderieren. „This is some alternative rock for you“, warnt er die Zuschauer vor dem krachenden „Our Velocity“, hält dann aber inne. Der Begriff Alternative sei in den letzten Wochen doch wohl nicht nachhaltig ruiniert worden? Das Publikum versteht den politischen Seitenhieb, Buhrufe schallen durch die Halle und sind Wasser auf die Mühlen der Band, deren jüngste Songs erfrischend deutlich Populismus und Rechtsruck, Weltmachtnostalgie und Brexit geißeln.

          Auch in Wiesbaden kommt die Botschaft an: „The right-wing views have been getting me down“, klagt Smith im Song „Work And Then Wait“, weiß aber schon ein Mittel gegen das immer dunkler werdende Grau: „I’m gonna get myself together, I’m gonna paint the town“. Im Hintergrund fluoreszieren dazu die Farbkleckser auf dem schwarzen Bühnenbanner.

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