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"Maroon 5" Harmlos gefällige Pop-Rock-Mixtur

 ·  In den sechziger und siebziger Jahren galt das Rock-Genre noch als subversiver Diskurs, als die Nummer eins unter den Geheimwaffen, mit denen die studentenbewegte Gegenkultur das konservative Bürgertum zu verdrießen suchte.

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In den sechziger und siebziger Jahren galt das Rock-Genre noch als subversiver Diskurs, als die Nummer eins unter den Geheimwaffen, mit denen die studentenbewegte Gegenkultur das konservative Bürgertum zu verdrießen suchte. Das ist lange her. Der einstmals verhaßte anarchische Gitarren-Lärm mit inhaltsschwerer Agit-Propaganda vorzugweise langhaariger Gegner des Establishments wurde im Laufe der Jahrzehnte seiner musikalischen wie inhaltlichen Ecken und Kanten beraubt, gilt mittlerweile in weiten Teilen der in der westlichen Hemisphäre ziemlich angeglichenen Spaßgesellschaften als entspannender Freizeitausgleich.

Im Mutterland des Rock, den Vereinigten Staaten von Amerika, wurde dieser konsensfähige Stilableger schon vor mehr als zwei Dekaden mit einem durchaus passenden Begriff belegt: Mainstream. Als eine der erfolgreichsten Formationen der jüngeren Zeit etablierten sich "Maroon 5" in dem kassenträchtigen Subgenre. Im Heimatland gerade für das erfolgsträchtige zweite Albumwerk "Songs About Jane" mit Platin ausgezeichnet, läßt der Durchbruch in anderen Erdregionen noch auf sich warten. Die Chance, in Europa ebenso erfolgreich zu werden, stehen indes nicht schlecht.

Im Innern des komplett ausverkauften Frankfurter Musikklubs Nachtleben herrschen hochsommerliche Temperaturen und Luftfeuchtigkeitswerte. Schon während des Eröffnungsstücks nimmt Frontmann Adam Levine schweißgebadet ein Handtuch, wischt sich genüßlich die Perlen von der Stirn und grummelt über die geradezu infernalischen Hitzegrade.

Der in ein gestreiftes T-Shirt und Jeans gekleidete Sänger und Gitarrist greift in die Saiten seines weinroten Gibson SG-Modells und stimmt den nächsten Song an. Das tut er in den kommenden anderthalb Stunden gut ein Dutzend mal mit immer gleicher Gestik. Levine und seine Bandkollegen, Lead-Gitarrist James Valentine, Schlagzeuger Ryan Dusick, Bassist Mickey Madden und Keyboarder Jesse Carmichael, entpuppen sich als unprätentiöse Meister der Repetition.

Die stets gleiche, an klassisches Komponisten-Handwerk gemahnende Liedrezeptur zelebriert das aus dem sonnigen Kalifornien stammende Quintett im harmonisch narkotisierenden Formal-Korsett zu tadellosem Taktgefüge im mildsouligen Klanggewand in immer neuen Variationsmustern, die mal an Lenny Kravitz, mal an Jamiroquai, aber auch an Stevie Wonder oder die Red Hot Chili Peppers gemahnen. Das hat definitiv Wiederekennungswert, klingt nett, tut garantiert niemandem weh und die Zeile für Zeile im kollektiven Sangesrausch befindliche Anhängerklientel scheint sich nicht sonderlich an den hinlänglich bekannten Stilzutaten zu stören. Üppig arrangierte Gitarrenduette und launige Keyboardpassagen türmen sich auf zu Songvignetten, die nur äußerst selten die stilistische Spur und das Tempo wechseln und mitunter in ihrer perfekten dreistimmigen Harmonie gar in die seichten Niederungen von Boygroups wie Backstreet Boys und N'Sync driften.

Dazu beschwört Levine im Kastratentenor Legenden wie Prince und die Bee Gees. Eindrucksvolle Momente gelingen immer dann, wenn der zwischen den Songübergängen recht schüchtern mit seinem Auditorium plauschende Levine und seine Mitmusiker Anklänge an den Jazz, Rhythm'n'Blues, Soul und Funk zulassen. Dann entsteht eine Intimität und Sinnlichkeit, die mitunter an den grandiosen Stil von Sting erinnert.

Doch bald macht sich wieder Beliebigkeit breit im vor wenigen Jahren noch auf den schönen Namen Kara's Flowers getauften Ensemble. Mit ihrer harmlos-gefälligen Pop-Rock-Mixtur gliedern sich "Maroon 5" - obwohl sie, wie die wenigen Beispiele beweisen, sicherlich zu mehr imstande wären - nahtlos in das unüberschaubare Heer handwerklich solider, jedoch reichlich konturenloser Interpreten ein, die den Rock'n'Roll auch noch um sein letztes Quentchen Eigenständigkeit und Subversität berauben. Michael Köhler

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