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Marilyn Manson Bier, Schweiß, Spucke

25.11.2009 ·  Marilyn Manson verzichtet bei seinem nur mittelmäßig besuchten Gastspiel in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle auf jede überflüssige Verzierung, um stattdessen kontrolliert-unkontrolliert den Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu proben.

Von Michael Köhler
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In Zeiten, in denen allein schon ein international populäres Fernseh-Format wie die Dschungelshow „Holt mich hier raus – ich bin ein Star“ als alljährlicher Quotenrenner die Ekelgrenzen kontinuierlich weiter herabsetzt, muss ein passionierter Brandstifter, Provokateur und Tabubrecher im Namen der Kunst wie Marilyn Manson sich wohl schlicht als überflüssig empfinden.

Bei seinem nur mittelmäßig besuchten Gastspiel in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle verzichtet der einst auf authentische Schockeffekte in exaltierten Kulissen und phantasievollen Kostümen geeichte „Reverend“ auf jede überflüssige Verzierung, um stattdessen kontrolliert-unkontrolliert den Absturz in die Bedeutungslosigkeit zu proben.

Zwischen Fetisch- und Gruft-Look

Das wie stets auf Dämon blassgeschminkte Antlitz zur Fratze geronnen, inszeniert sich der 40 Jahre alte Amerikaner als psychopathischer Meister auf dem Ego-Trip, der um sich gescharte Sklaven und Befehlsempfänger dressiert. Immerhin pariert das hoffentlich gutbezahlte Personal mit der Geduld von Heilsarmeehelfern, wenn der hochaufgeschossene Manson, der 2003 noch vollmundig „The Golden Age Of Grotesque“ in der damals gutgefüllten Frankfurter Festhalle ausrief, in kindischen Wutanfällen wie ein Vierjähriger voller Verachtung sein drahtloses Mikrofon fallen lässt und das Stativ demonstrativ umwirft.

Um wenigstens ein bisschen vom schrillen Glamour der Vergangenheit zu profitieren, hantiert der mittlerweile einigermaßen zur Bauchfülle neigende „Antichrist“ in schwarzer Kluft mit allerlei Requisiten, die jedoch mehr mildes Schmunzeln als fürchterliches Entsetzen bei der anfänglich komplett von Trockeneis umnebelten Zuhörerschaft auslösen: Weder in Handschuhe eingelassene rote Laserstrahler noch angedeutete SS-Runen im Bühnenhintergrund, auf den Kopf gestellte Kreuze, an einen Wehrmachtshelm angelehnte Kopfbedeckung oder eine brennende Bibel wollen so recht die zumeist ebenfalls abenteuerlich zwischen Fetisch- und Gruft-Look gekleideten Fans schockieren.

Schnöder Abstieg

Bei der nicht die Spur gruseligen Maskerade im Halloween-Stil versucht Brian Warner, der als Pseudonym für seine eindeutig nach Schock-Rock-Spezialist Alice Cooper kopierte Kunstfigur die Namen von Hollywoodikone Marilyn Monroe sowie Sektenführer Charles Manson kombinierte, mit den eigenen Körpersäften als ekelerregenden Widerwärtigkeiten nachzuhelfen. Kaum angetrunkene Bierflaschen aus Plastik, in hohem Bogen ausgespieenes Wasser sowie von Schweiß und Spucke getränkte Handtücher verteilt der auch als Kunstmaler etablierte „Rädelsführer des Bösen“ an willige Auserwählte in den ersten Reihen.

Längst im sumpfigen Morast des ewig Gestrigen watet der zumindest zeitweilig von der Welt als innovative Lichtgestalt gefeierte „Fürst der Finsternis“ auch künstlerisch. Dabei hinkte Marilyn Manson doch selbst zu Glanzzeiten stets ein wenig seinem ehemaligen Mentor Trent Reznor, Chef der Formation Nine Inch Nails, hinterher. Doch stoppen können den schnöden Abstieg nicht patent zwischen Industrial, Metal und Glamrock angelegte Hymnen wie „Cruci-Fiction In Space“, „Sweet Dreams“ und „Beautiful People“. Und auch nicht die Tatsache, dass sich mit Gitarrist Twiggy Ramirez wenigstens endlich wieder ein frühes Mitglied der seit der Gründung 1989 von permanenter Fluktuation gebeutelten Besetzung hinzugesellt hat.

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