07.05.2007 · Mit fünf zum Akkordeon, mit 14 in die Garde: Wie die Schlagersängerin und Schauspielerin Margit Sponheimer von der Mainzer Fassenacht zum Frankfurter Volkstheater kam.
Von Claudia SchülkeSie ist ein Sonntagskind. Noch dazu eine waschechte Frankfurterin. Dabei hat sie jahrelang gesungen: „Am Rosenmontag bin ich geboren, in Mainz am Rhein.“ Aber Margit Sponheimer schert sich nicht um den Mythos, den sie sich als „goldisch Meenzer Mädche“ auf der Fassenacht eingefangen hat. Sie ist nun einmal am Sonntag, dem 7. Februar 1943, in Frankfurt am Main geboren.
Aber wiedergeboren wurde sie schon als Zwanzigjährige, als sie 1963 mit dem mittlerweile legendären Schlager „Gell, du hast mich gelle gern“ die Mainzer Karnevalsbühne betrat. Inzwischen hat sie auch die Kleinkunstbühne im Mainzer Unterhaus erobert und – die Bühne des Frankfurter Volkstheaters, wo sie derzeit als redselige Tante Anna die dumpfe Konfirmationsgesellschaft in dem Volksstück „Schweisch’, Bub!“ von Fitzgerald Kusz adelt.
„Ich bin ein Kind aus dem Volk“
„Die Rolle ist ein Traum“, schwärmt sie. „Aber die Tante Anna zu lernen war Knochenarbeit. Sie fordert zwei Stunden lang volle Konzentration und den Spannungsbogen zu halten. Wir reden von Adam bis zum Weltuntergang – ohne ein Thema.“ Deshalb geht die Frühaufsteherin den Text jeden Morgen nach dem Walking aufs Neue durch. Und ihr Mann hört sie ab.
Den Rest besorgt Regisseur Wolfgang Kaus, künstlerischer Leiter des Volkstheaters, der sie „mit zarter Hand“ führt und ihr gesagt hat: „Deine Anna lacht nicht.“ Im Übrigen schaut Margit Sponheimer gern dem Volk aufs Maul: „Die Augen offenhalten, die Menschen beobachten, das Leben studieren“, so lautet ihre künstlerische Devise, wenn sie über den Markt spaziert. Sie weiß: „Ich bin ein Kind aus dem Volk, und ich spiele am liebsten fürs Volk.“
Ihr musikalisches Debüt hatte sie schon mit vier Jahren gegeben. Amerikanische Besatzungssoldaten schenkten ihr damals Süßigkeiten, als sie beim Ballspielen die rote Sonne von Capri besang. Mit fünf lernte sie Akkordeon spielen, mit neun bewunderte sie die theatralen Vorzüge der katholischen Liturgie im Aachener Dom und wollte Nonne werden. Aber als sie kurz darauf mit ihrer Mutter „Die lustige Witwe“ im Mainzer Stadttheater besuchte, änderte sie ihre Meinung. Inzwischen hatten die Eltern einen feinmechanischen Handwerksbetrieb in Mainz eröffnet. Als Margit Sponheimer in einer Fastnachtsveranstaltung ihrer Schule als Sängerin mit Akkordeonbegleitung entdeckt wurde, war sie zwölf, als sie in die Mainzer Garde eintrat, 14 Jahre alt. Die Mainzer Fassenacht wurde ihr Schicksal.
Vom Mainzer Lerchenberg nach Frankfurt
Die Lieder von Toni Hämmerle machten sie über die Stadtgrenze hinaus bekannt. Nach dem Tod des blinden Komponisten wurde Horst Franke auf sie aufmerksam und vertonte für sie die Texte von Joe Ludwig, dem Chef der „Gonsbachlerchen“. So trat sie als Marktfrau, als Wäscherin, Marketenderin, Metzgersfrau und Clown im Mainzer Carneval-Verein auf, häufig zusammen mit dem Fassenachtssänger Ernst Neger. Mehr als hundert ihrer Titel wurden auf Schallplatten und andere Tonträger aufgenommen. In den übrigen vier Jahreszeiten tingelte sie durch die Festzelte und bunten Abende der deutschsprachigen Lande und ging mit dem „Blauen Bock“ von Heinz Schenk und Lia Wöhr auf Tournee.
Ihre Programme machte sie selbst. „Da habe ich gelernt zu arbeiten“, erinnert sie sich. Auch Liesel Christ, „mütterliche Freundin“ aus dem „Clan“, hatte sie inzwischen kennengelernt. Aber zum Frankfurter Volkstheater kam Margit Sponheimer erst, als Kaus sie 1998 als Madame Hampelmann zur „Landpartie nach Königstein“ bat. Seitdem war sie einmal im Jahr mit dabei: als Frau Funk in „Alt-Frankfurt“, als Wirtin Gustl in „Die Preussen kommen“, als Frau Nudelmann in der Komödie „Der Glasschrank“ und im „Verkauften Großvater“ als Gattin eines unleidlichen Großbauern. „Ich bin ein typischer Seiteneinsteiger“, gibt sie zu. Aber sie hat in Kaus offenbar ihren Meister gefunden. Mit der Mainzer Fassenacht hat sie abgeschlossen. Aber im Januar hat sie mit dem SWR eine Serie gedreht, die im kommenden Jahr gesendet wird.
Im Mainzer „Unterhaus“ tritt sie im August wieder im Musical „Feucht und fröhlich“ auf und im Oktober mit dem Kabarett „Rheingoldtöchter“. Vorerst aber pilgert sie Tag für Tag vom Mainzer Lerchenberg nach Frankfurt, um sich im Volkstheater mit „Markklößchersupp“ den Bauch vollzuschlagen und die Tischmanieren ihrer Verwandtschaft trocken zu kommentieren. Claudia Rohde kocht für die Konfirmationsgesellschaft, und manchem im Ensemble sieht man die zusätzlichen Kalorien auch schon an. Margit Sponheimer meidet derzeit die Waage, um Frust zu vermeiden. Ansonsten ziert sie sich nicht: „Ich bin sehr bodenständig. Da fällt man nicht so tief.“ Aber sie macht sich auch nichts vor, weil sie weiß: „Popularität ist wie Sand. Man muss ihn gut behüten. Sonst rieselt er durch die Finger.“