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Malerei Sabine Dehnel und Rebekka Brunke in der Frankfurter Galerie Schuster

 ·  Ein Bikini konnte genügen. Schon war man kein Kind mehr und lag gelangweilt in der Sonne. Ein paar weiße Kniestrümpfe zum Sonntagskleidchen, ein Glockenrock, ein T-Shirt, die Badehose dreiviertellang: ...

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Ein Bikini konnte genügen. Schon war man kein Kind mehr und lag gelangweilt in der Sonne. Ein paar weiße Kniestrümpfe zum Sonntagskleidchen, ein Glockenrock, ein T-Shirt, die Badehose dreiviertellang: So könnte es gewesen sein, an der Nordsee, am Mittelmeer oder sonstwo während der großen Ferien in den siebziger Jahren. Dabei waren es schon in Sabine Dehnels früheren Bildern nicht nur spezifische Accessoires, sondern der gewählte Ausschnitt, das Licht der Sonne auf der Haut, eine, sagen wir, gefühlte Temperatur, die schlagartig einer vagen Erinnerung Raum zu geben vermochte, wie beim Durchblättern alter Familienalben.

Und in der Tat arbeitet die 1971 geborene Künstlerin, die bei Friedemann Hahn in Mainz studiert hat, meist nach alten Fotografien, eigenen wie vorgefundenen. Schnappschüsse, Urlaubsbilder, Erinnerungsfotos sind ihr freilich vornehmlich Material, aus denen sie Details wählt, um sie malerisch in wechselnde Kontexte zu transferieren, so, wie die Erinnerung fragmentarisch aufleuchtet, sich an einen Rocksaum, eine kurze Hose heftet, während alles andere drum herum schemenhaft bleibt. In Dehnels aktuellen Arbeiten in Acryl auf Leinwand, die derzeit in der Frankfurter Galerie Schuster (Fahrgasse8) zu sehen sind, erscheint die Wahrnehmung indes ein wenig verschoben. Zwar schneidet sie ihren Protagonisten noch immer gerne gnadenlos den Kopf ab, zeigt sie im Anschnitt und im hellblauen Sommerkleid aus modisch längst vergangener Zeit.

Doch sind es nun vor allem die Hintergründe, ist es die Umgebung, in die sie gestellt sind, die Erinnerung machtvoll zurückholt, sich mitteilen läßt weniger über die Dinge, als über Atmosphären. Frauen und Mädchen, die sich sichtlich zu leicht bekleidet im kahlen, winterlichen Wald herumtreiben. Mal gelassen auf schneebedeckter Lichtung, mal in unheimlicher Mondnacht, ohne Orientierung. Und wenn der Eindruck nicht täuscht, wird etwa das Mädchen im roten T-Shirt unter hohen Bäumen, im dichten Gestrüpp mindestens der Liebe, wer weiß, dem Wolf, womöglich dem Tod begegnen. Wer will das entscheiden? In ihren nach der eigenen Malerei aufwendig und zugleich deutlich sichtbar im Atelier inszenierten Fotoarbeiten treibt Dehnel die medialen Verschiebungen unterdessen weiter und dreht noch einmal an der Wahrnehmungsschraube. In serieller Reihung sieht man stets den gleichen Ausschnitt, dieselben Protagonisten, die exakt identische Geste. Doch stets ein völlig anderes Bild. Ein schwerer roter Vorhang, ein ornamentales Muster aus den siebziger Jahren oder eine Art Küchenbiedermeier lassen den Betrachter etwa mal ein junges, dann ein älteres Paar, hier traute Zweisamkeit, dort eine Beziehung voller Spannungen vermuten. Alles ist möglich. Und alles ist wahr. Vielleicht.

Im Projektraum zeigt unterdessen die Marburger Künstlerin Rebekka Brunke eine Auswahl ihrer nicht nur konzeptuell überzeugenden "Erinnerungsstücke": Eintrittskarten, Postkarten oder Banknoten ferner Länder, Reiseerinnerungen mithin, die sie akribisch im Maßstab eins zu eins ins Medium der Zeichnung und der Malerei überträgt.

Allein, es bleibt Erinnerung aus zweiter Hand, im Kern ein Rahmen um ein vages Bild, das mehr und mehr verblaßt. Die Serie von Postkarten, die die Nachbarn von Brunkes Großeltern über Jahrzehnte aus dem Urlaub in die holsteinische Heimat geschrieben haben, bringt es äußerst komisch auf den Punkt. Nie ist das Motiv zu sehen, stets konzentriert sich die Künstlerin auf die Seite mit der Adresse und den schönen Grüßen. "Liebe Marianne, lieber Robert", so beginnt noch jede dieser freundlichen Ansichtskarten. Doch wechselte nicht das Motiv der Briefmarke von Zeit zu Zeit und je nachdem, ob das Paar in deutschen, Schweizer oder österreichischen Bergen fröhlich wanderte, das Bild vor dem Auge des Betrachters müßte abstrakt, im Grunde gänzlich leer bleiben.

Mal scheint die Sonne, mal hat es geschneit, ist das Wetter prächtig oder eher bescheiden. So geht es mehr als 30 Urlaubsjahre, und sicher war es Jahr für Jahr ganz unvergleichlich. Ein halbes Leben, doch kein Wort von kleinem Glück und großen Sorgen, von tiefen Tälern, schwindelnden Höhen. Von bescheidenem Wohlstand vielleicht und den Kindern und Enkeln und allem, was dazwischenliegt, nicht von Land und Leuten und von der großen weiten Welt zu schweigen. All das Vergangenheit, Erinnerung, die niemand mehr teilt. Und alles, was sich mit Bestimmtheit sagen läßt: Es hat geregnet, die Sonne, der Schnee. Es war wie immer sehr schön. Eure Willi und Trudl. (Die Ausstellung ist bis zum 28. Mai Dienstag bis Freitag von 13 bis 18 Uhr sowie Samstag von 11 bis 16 Uhr geöffnet.) CHRISTOPH SCHÜTTE

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