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Literatur Wilde Nächte

12.04.2007 ·  Ludwig Fels liest aus seiner „Reise zum Mittelpunkt des Herzens“, Jean-Philippe Toussaint liefert mit „Fliehen“ die Vorgeschichte zu seinem Bestseller „Sich lieben“ und Rumänien steht im Mittelpunkt der „Neues aus Europa“-Reihe: die Frühjahrslesungen.

Von Katharina Deschka-Hoeck
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Es ist ein wunderschöner Sommertag, als Tom aus dem Krankenhaus entlassen wird. Die Sonne scheint, die Vögel singen. „Du hältst es nicht aus“, prophezeit seine Frau Linda sorgenvoll. Größer könnte der Kontrast tatsächlich nicht sein, als Tom vor die Tür tritt – sterbenskrank. Doch seine Frau sowie sein bester Freund Jack haben sich fest vorgenommen, mit Tom noch einmal das „Leben zu feiern“.

Mit „Reise zum Mittelpunkt des Herzens“ hat Ludwig Fels eine bewegende Geschichte über das Sterben verfasst, wobei sich Schmerz, Trauer und Glück seiner Figuren durch die Lakonie seines Stils umso eindrucksvoller mitteilen. Dem 1946 geborenen Autor früherer eher wütender und schriller Werke sei mit dem neuen kurzen Roman ein „Hymnus auf die Schönheit des Lebens“ gelungen, urteilte die Kritik. Am Dienstag um 20.30 Uhr liest Fels daraus in der Frankfurter Romanfabrik.

Von der zerstörerischen Kraft der Mobiltelefone berichtet der belgische Schriftsteller Jean-Philippe Toussaint in seinem neuen, jetzt von seinem Verleger Joachim Unseld ins Deutsche übersetzten Liebesroman „Fliehen“. Als es seinem Erzähler, einem Geschäftsreisenden, auf einer Zugfahrt nach Peking endlich gelingt, sich mit der Chinesin Li Qi in einer Toilette einzuschließen, klingelt alsbald sein Telefon.

Seine Freundin Marie bittet ihn nach Hause zurück: Ihr Vater ist vor Elba ertrunken. Der Erzähler kann sie jetzt nicht im Stich lassen: „Hört das denn nie auf mit Marie?“, fragt er sich irritiert. In seinem Bestseller „Sich lieben“ hatte Toussaint über die Trennung des Paars berichtet, mit „Fliehen“ liefert er nun einen Teil der Vorgeschichte: am Freitag, 20. April, um 20 Uhr im Frankfurter Literaturhaus.

Im Rahmen der Frankfurter „Neues aus Europa“-Reihe, in der dieses Jahr Rumänien im Mittelpunkt steht, betritt am Mittwoch, 9. Mai, um 20 Uhr Herta Müller als Gast des Hessischen Literaturforums die Studiobühne im Frankfurter Mousonturm. Gemeinsam mit den Lyrikern Mircea Dinescu und Nora Iuga wird sie Arbeiten vorstellen und über ihren Widerstand im totalitären Regime Ceauescus berichten.

International etablierte sowie jüngere Poeten treffen bei den ersten vom Literaturhaus Frankfurt veranstalteten Lyriktagen von Donnerstag, 26. April, bis Samstag, 28. April, zusammen. Unter dem Motto „Erste Nächte“ stellen am Donnerstag Matthias Göritz, Hendrik Rost, Silke Scheuermann, Ron Winkler, Olga Martynova, Ales Steger und Ulf Stolterfoht neue Gedichte vor. Die „Wilden Nächte“ am Freitag sind der experimentierfreudigen Lyrik Emily Dickinsons gewidmet. Anne Carson und Lavinia Greenlaw schließlich bringen uns am Samstag ihre Dichtkunst nahe: in „Fremden Nächten“.

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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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