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Literatur in Frankfurt Das bisschen Buchmesse

10.07.2008 ·  Noch sind Ferien, aber der nächste Oktober kommt bestimmt. Die Vorbereitungen zum größten deutschen Literatur-Event laufen bereits mit vollem Schwung. Verleger, Organisatoren und Autoren fiebern der Frankfurter Buchmesse entgegen.

Von Florian Balke
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Buchmesse kann so einfach sein. Wer in Frankfurt wohnt, ärgert sich darüber, dass er eine Woche lang kein Taxi bekommt, und fragt sich ansonsten, ob es nicht an der Zeit wäre, an einem der Publikumstage mal wieder selbst hinzugehen. Für andere ist es komplizierter. Sie sind für die gewissenhafte Planung des Messetrubels zuständig. Das braucht Vorlauf. Gerade jetzt sorgen in Frankfurt zahlreiche Vertreter der Buchbranche dafür, dass Fachbesucher und Publikum sich in drei Monaten in ein zumindest halbwegs geordnetes Chaos stürzen können.

Die Protokollmaschine angeworfen

Zu denen, die in diesen Tagen besonders viel zu tun haben, gehört Ruth Kumpmann. Sie hält für die Buchmesse die Verbindung mit den Organisatoren des Gastlandauftritts der Türkei. Ruft man sie an, stehen die Chancen gut, dass man sie bei einem Gespräch mit dem türkischen Kulturattaché unterbricht. Augenblicklich unterhält sie sich fast täglich mit ihm, schließlich müssen die beiden zusammen ganz unterschiedliche Ereignisse planen, von der Eröffnungstagung im Römer bis zum deutsch-türkischen Fußballfest, das die Veranstalter aus beiden Ländern gemeinsam mit der Kulturstiftung des Deutschen Fußball-Bundes ausrichten.

Aber auch mit der Diplomatie bekommt man es bei der Buchmesse zu tun. Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hat zugesagt, zur Eröffnung der Messe nach Frankfurt zu kommen. „Da läuft gerade die ganze Protokollmaschine an“, sagt Kumpmann. Zwei Wochen Urlaub sind für sie trotzdem drin. „Das muss sein“, schon der Kinder wegen. Bis dahin, gibt sie zu, raufe sie sich gelegentlich durchaus die Haare. „Sachen sind oft verspätet oder chaotisch. Aber das ist normal.“ Zum Glück klappe die Zusammenarbeit mit den türkischen Partnern. Das Verhältnis zu ihnen empfindet Kumpmann als „ungewöhnlich warmherzig“.

Auch Nobelpreisträger Orhan Pamuk gibt sich in Frankfurt die Ehre

Schon vor der Messe viel mit der Messe zu tun hat auch Maria Gazzetti. Seit das von ihr geleitete Frankfurter Literaturhaus an die Schöne Aussicht umgezogen ist, nutzen die Veranstalter der größten Bücherschau der Welt es in den Monaten vor der Eröffnung für Pressekonferenzen. Dann informieren sie über den Stand der Vorbereitungen und bringen dazu viel Technik mit. In diesem Jahr gab es sogar eine Übersetzerkabine. Kein Problem, sagt Gazzetti: „Das klappt perfekt.“

Während der Messe ist das Literaturhaus dann einer der Frankfurter Messeschauplätze abseits des Messegeländes. Fest eingeplant im großen Wandkalender neben dem Büro der Literaturhaus-Leiterin sind für die Messetage mehrere Abende mit türkischen Autoren. Welche Schriftsteller kommen, steht allerdings noch nicht fest, das entscheiden die türkischen Organisatoren in Ankara und Istanbul erst in nächster Zeit. Hat die Messe erst einmal begonnen, läuft nach Gazzettis Erfahrung alles glatt. „Es ist erstaunlich, wie wenig dann dazwischenkommt. Da verspätet sich höchstens mal ein Autor zu einer Lesung.“ Dafür, dass der türkische Nobelpreisträger Orhan Pamuk in Frankfurt vor großem Publikum lesen kann, hat das Literaturhaus in Eigenregie allerdings schon vor einem halben Jahr gesorgt. Am Buchmessenfreitag liest Pamuk im Schauspiel Frankfurt aus seinem neuen Roman „Das Museum der Unschuld“.

„Die Autoren sollen sich wohl fühlen“

Auch die Frankfurter Verlage kümmern sich um ihre Schriftsteller. Welche Autoren kommen, wie man sie bei Presse und Publikum an den Mann bringt und am Messestand des Verlags präsentiert – Fragen wie diese hat man bei S. Fischer schon weitgehend geklärt. Augenblicklich buche man die Hotelzimmer der Gäste, sagt Uwe Rosenfeld, einer der Geschäftsführer des Verlags. „Das ist immer ein Riesenunterfangen. Sie kennen Frankfurt zur Messezeit – teuer und wenig.“

Für Bruno Back, der sich um die Messeauftritte des Fischer Verlags in Frankfurt und Leipzig kümmert, ist die Messe am Verlagsstandort selbstverständlicher Teil des Jahres. Auch den Aufruhr kurz vor ihrem Beginn nimmt Back gelassen. „Sie kommt und geht, und die Probleme sind immer verschieden, aber dann doch die gleichen.“ Die Presseabteilung des Verlages ist unterdessen mit der Planung des großen Messefests beschäftigt, das im Innenhof des Verlagsgebäudes in der Hedderichstraße wie jedes Jahr am Messedonnerstag stattfindet. Anders als in Leipzig habe der Verlag in Frankfurt eben Verpflichtungen, die Aufwand bedeuteten. Aber das sei gut so, sagt Back. „Die Autoren sollen sich ja auch wohl fühlen.“

Premiere im Holzhausenschlösschen

Sich wohl zu fühlen plant auch Hanne Kulessa. Die HR2-Moderatorin wird wie jedes Jahr über die Messe gehen und Verleger, Autoren und Freunde treffen, „alles, was zur Buchmesse dazugehört“. In diesem Jahr wird der Besuch des Messegeländes für sie aber auch eine ungewohnte Seite haben. „Ich stehe selbst mit einem Roman da.“ Im Herbst kommt „Der Große Schwarze Akt“ im Weidle Verlag heraus, am 8. September stellt Kulessa ihn im Holzhausenschlösschen vor. Wie man sich als Autor auf der Messe fühlt, kann sie sich nicht recht vorstellen. „Es kommt mir ewig weit weg vor.“ Aber hingehen wird sie. „Dann werde ich sehen, was ich zu tun habe.“ Es gibt eben ein paar Seiten am Messeauftritt, die man nicht planen kann.

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