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„Lichter“ im Atelierfrankfurt : Leuchten für den Film

Kunstort mit Off-Charme: das Atelierfrankfurt Bild: F.A.Z. - Wonge Bergmann

Stanislaw Muchas Dokumentarfilm „Zigeuner“ eröffnet das erste regionale Filmfestival „Lichter“ im Atelierfrankfurt. Das neue Festival will die hiesige Szene im „Wir und Jetzt“ beleuchten.

          Dass es ein paar sehr originelle Köpfe der Frankfurt-Offenbacher Kulturszene sind, die sich für das neue Filmfestival „Lichter“ zusammengetan haben, steht außer Frage. Nichtsdestotrotz handelt es sich um einen Scherz, wenn Gregor Maria Schubert, Filmemacher, Moderator, Kulturblogger, Mitglied der „Frankfurter Küche“ und nunmehr „Lichter“-Festivalleiter, ankündigt, zur Eröffnung gebe es Hund. Denn das Zubereiten und Verspeisen von Hunden ist eine Schlüsselfrage in Stanislaw Muchas Dokumentarfilm „Zigeuner“, mit dem am Donnerstag, 13. März um 20 Uhr das erste regionale Filmfestival „Lichter“ im Atelierfrankfurt (Hohenstaufenstraße 13-27) eröffnet wird. Im Anschluss kann bei der „Frankfurter Küche“ gefeiert werden, die im Nebengebäude des Atelierfrankfurt logiert und sozusagen das Festival-Café betreibt. Ohne Hund im Topf.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ansonsten aber haben sich die Filmemacher, Produzenten und Künstler an der Spitze des Festivals „Lichter“ viel einfallen lassen. Dass der Kunstort mit seinem Off-Charme nicht ohne Grund gewählt ist, zeigt auch das Programm „Kunstlichter“, das täglich Videokunst und Installationen präsentiert, die von der Galeristin Anita Beckers, der Leiterin des Kunstvereins Chus Martinez und dem Kurator Saul Judd ausgewählt und vorgestellt werden.

          Zwei Kurzfilmprogramme und acht Langfilme

          Überhaupt ist der Wille zur Kunst bei dem neuen Festival „im Wir und Jetzt“ stark zu spüren: Nachdem die Frankfurter Filmschau trotz einiger Wiederbelebungsversuche nicht mehr zustande kam, soll der kleinen, aber doch sehr lebendigen Szene in Rhein-Main und Frankfurt eine Plattform jenseits des Stromlinienförmigen geboten werden. Dass sich außer Sponsoren zuletzt doch noch die Stadt Frankfurt und das Land an dem auf eigenes Risiko begründeten Festival beteiligen, ist ein Zeichen dafür, dass eine solche Initiative durchaus eine Chance hat.

          Ob nun die Filmregion Rhein-Main eher mit einem Frage- oder mit einem Ausrufezeichen zu versehen sei, was allenthalben gerne diskutiert wird, haben die Festivalmacher Gregor Maria Schubert, Frank Stephan Limbach, Cordula Mack, Mark Liedtke und ihre Kollegen kurzerhand mit einem Punkt beantwortet. Gezeigt werden bis 16. März Produktionen mit Hessen- oder vielmehr Rhein-Main-Bezug aus den vergangenen zwei Jahren, also seit der letzten Filmschau, die 2005 stattgefunden hatte. Nordhessen laufen dabei als Gäste außer Konkurrenz, etwa der sonntägliche Abschlussfilm, Ulrich Köhlers „Montag kommen die Fenster“ von 2005 (21 Uhr).

          Das Hauptprogramm zeigt in den zwei Galerieräumen im Erdgeschoss des Atelierfrankfurt in drei Tagen zwei Kurzfilmprogramme und insgesamt acht Langfilme – hauptsächlich digital. Dabei liegt mit fünf Beiträgen ein deutlicher Schwerpunkt auf dem Dokumentarfilm, der in Hessen stets stark war und mit Filmen wie „Full Metal Village“ von Sung-Hyung Cho (am 15. März um 20 Uhr) in den vergangenen Jahren höchst erfolgreich. Auch der unter Beteiligung der Festival-Initiatoren entstandene Handball-Dokumentarfilm „Projekt Gold“ von Winfried Oelsner ist im Programm (am 16. März um 18 Uhr), unter den Spielfilmen ist Carsten Strauchs „Die Aufschneider“ (am 16. März um 16 Uhr). Jeder Film hat einen „Filmpaten“ aus der Wirtschaft, zu den meisten Filmen kommen Gäste wie Regisseure, Produzenten, Schauspieler, mit denen das Publikum sprechen kann.

          „Best of“ aus Kurzfilmen der Hochschule für Gestaltung

          Einen Lang- und einen Kurzfilm-Förderpreis wird eine Jury vergeben, diese bestehen aus Studiostunden in hiesigen Filmproduktionen und einem Geldbetrag. Am Sonntag um 14 Uhr läuft der Kinderfilm „Paulas Geheimnis“, auch ein „Best of“ aus Kurzfilmen der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach aus den Jahren 1993 bis 2000 wird gezeigt. Diese, so sagt Schubert, selbst HfG-Absolvent, sollten nicht verlorengehen.

          Nicht verlorengehen sollen nach dem Wunsch von Jutta Stocksiefen und Michael Schneider auch jene Filme, die bei der Sichtung verworfen worden sind. Die beiden haben aus den 140 Einreichungen noch ein paar besondere Exemplare ausgesucht, die vor dem Atelierfrankfurt in einem alten VW-Bus auf Wunsch des notwendigerweise kleinen Publikums als Videos gezeigt werden. Ob dabei auch das Hochzeitsvideo ist, das ein offenbar sehr ambitionierter Laie eingesandt hat, wurde nicht verraten. Im Keller wird das „Rex“, eine Vereinigung Offenbacher Künstler, die eine Art privaten Filmclub betreibt, alte Frankfurter Filme, auch von Rosa von Praunheim, zeigen, es gibt einen DJ-Abend und am Sonntag „Ein Fall für zwei“. Da auch Fassbinders „In einem Jahr mit 13 Monden“ nicht fehlt, bescheinen die ersten „Lichter“ also ein buntes Feld.

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