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Lesung Scherzerleuchtung

10.10.2006 ·  Indisches prägte die vergangenen Tage. Dem konnte die „Titanic“ nicht fernbleiben. In der Frankfurter „Brotfabrik“ ließ sie Deutschland deshalb den Super-Rushdie suchen.

Von Laura Stoll
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Angekündigt war der Satire-Wettbewerb in der Frankfurter „Brotfabrik“ als „der curryscharfe Höhepunkt der diesjährigen Buchmesse“. Das Magazin „Titanic“ lud unter dem Titel „Deutschland sucht den Super-Rushdie!“ zu einer Lesung. Unter acht „Ghandidaten“ sollte der beste Spaßmacher ermittelt werden. Und „Inder Tat“: Auch wenn die Beiträge in vielen Fällen nicht direkt etwas mit dem Gastland der Buchmesse zu tun hatten, das annoncierte „gewaltlose Pointengefecht“ fand statt.

Daß die Entscheidung über den Gewinner des Abends gnadenlos subjektiv ausfallen würde, war den Kombattanten hoffentlich vorher klar. Sie wurde nämlich nicht von einer größeren Jury getroffen, sondern vom „großen Swami Durcheinander“, dem man zu gefallen hatte. Der glatzköpfige Mann im Sari beherrschte auf hochherrschaftlichem Thron die Bühnenmitte und sprach außer einigen Worten in nicht ganz akzentfreiem Englisch fast gar nichts. Abzulesen war seine Meinung zu den Auftritten der Kandidaten dafür an der Mimik, die sich stets sichtlich aufhellte, wenn Moderator Oliver Maria Schmitt vom Publikum und den Interpreten „Donations“ für den „Erleuchteten“ forderte.

Dienstreise ins „deutsche Kalkutta“

Kandidat Mark-Stefan Tietze hatte sich dem Service-Gedanken verschrieben und wartete mit Tips für indische Touristen beim Besuch in Deutschland auf. Er erklärte, das Nationalgericht sei „Matsche mit Pampe und Fleisch“, was auch der Grund sei für das ständige Herumstochern im Teller und das anschließende schnelle Herunterschlingen der Mahlzeit. Zudem mahnte er, die Angst der Deutschen vor der Rente und dem eigenen Aussterben ernst zu nehmen. Auch müsse man dem Gastgeber aufmerksam zuhören, wenn dieser detailgenau das deutsche Mülltrennungssystem erkläre. Bei seinen Mitstreitern kamen Vorurteile ebenfalls nicht zu kurz. Stefan Gärtner und Oliver Nagel bedauerten, daß die „Titanic“ ihnen keine Dienstreise nach Indien habe finanzieren können, fanden aber, auch Hanau, „das deutsche Kalkutta“, habe ihnen die nötigen Eindrücke vom Buchmesse-Gastland vermitteln können.

In der „Brotfabrik“ sorgte ein kleiner Altar mit einem von Räucherstäbchen umrahmten Heiligenbild zusammen mit der passenden Musik für ein wenig indisches Flair. Ansonsten ging es nahezu ausschließlich um Deutschland: Rayk Wieland beklagte das „Knäckebrot-Englisch“ des ehemaligen Fußball-Bundestrainers Jürgen Klinsmann, Hans Zippert berichtete von Gerhard Schröders Suche nach Zeugen, die ihn zwischen 1998 und 2005 beim Regieren gesehen hätten. So wolle der Ex-Kanzler die Schreibblockade lösen, die ihn beim Verfassen seiner Biographie störe.

Zipperts Auftritt löste beim Publikum lautes Gelächter aus, als Sieger jedoch wurden vom Swami schließlich Stefan Gärtner und Oliver Nagel mit einer Sonnenblumenkette aus Plastik belohnt. Bleibt zu hoffen, daß es bei dieser kurzen Siegerehrungszeremonie blieb und die angekündigte „feierliche Witwenverbrennung am Ende des Ganges“ nicht noch hinter der Bühne nachgeholt wurde.

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