22.08.2010 · Die Songschreiberin Laura Veirs bleibt in der Frankfurter Brotfabrik auf dem Boden.
Von Norbert KrampfAuch die amerikanische Liedermacherin Laura Veirs hat die Umbrüche in der Pop-Branche hautnah erlebt. Erschienen ihre Alben „Saltbreaker“ und „Year Of The Meteor“ noch beim renommierten Nonesuch-Label unter dem Dach einer sogenannten Major Company, veröffentlicht Veirs nun über eine kleinere Independent-Firma.
Künstlerisch mag das der Musikerin aus Portland, Oregon, sogar genutzt haben. Ihr Album „July Flame“ aus dem vergangenen Jahr spielte sie mit langjährigen Freunden fast ausschließlich zu Hause ein, und im Gegensatz zu früheren Produktionen setzte sie dabei überwiegend auf akustische Arrangements. Wie gewohnt zeigt Veirs ein Gespür für eingängige Melodien, doch entwickelt sie jetzt eine luftigere, weniger dem alltäglichen Popsound entsprechende Ästhetik. Ohne aufdringlich zu werden, strahlen die Lieder ein sommerliches Flair, zuweilen auch Leichtigkeit aus, wirken dabei aber nie leichtfertig.
Ein wenig Angst vor der eigenen Courage
Ehe Laura Veirs im Quartett die Bühne der Brotfabrik betritt, lässt sie zwei Musikern ihrer Band Zeit, jeweils eigene Stücke vorzustellen. Nach Gitarrist Paul Blau erweist sich Alex Guy alias „Led To Sea“ aus Seattle als Entdeckung. Mit Bratsche, Stimme und Loopmaschine interpretiert sie selbstgeschriebene Songs, die abwechslungsreich und nicht allein durch ihre individuelle Instrumentierung interessant sind. Variabel changiert Guy zwischen melodischen Bögen und rhythmisch gezupften Pizzicatos, legt mit dem Looper schon in gesungenen Liedern zwei bis drei Schichten Klänge übereinander, in Instrumentalstücken zuweilen noch einige mehr. Vereinzelt nähert sich die Viola klassisch-modernen Harmonien, in einer Passage scheint sie Einflüsse von Bach und Michael Nyman zu vereinen. Als Sängerin springt Guy mit viel Luft durch Oktaven, zeigt klangliche Tiefe und Volumen bis in höhere Register.
Es irritiert fast ein wenig, Alex Guy eine Weile später „nur“ als Begleiterin von Laura Veirs wieder auf der Bühne zu sehen. Doch auch in dieser Rolle macht sie eine gute Figur. Häufig ist die Bratsche neben Veirs Westerngitarre das tragende Instrument, zudem spielt Guy auch fast alle Keyboard-Einsätze und unterstützt Veirs als zweite Stimme. Nach zwei Songs im Folk-Stil, in denen Schlagzeuger Tucker Martine äußerst sparsam den den Rhythmus akzentuiert, wird das Quartett kurzzeitig rockiger. Laura Veirs greift zur E-Gitarre, Paul Blau zupft kraftvolle Basslinien, in einem Stück verleiht Guy ihrer Bratsche mittels Verzerrer eine fast untergründige Ausstrahlung. Allein die Stimme Laura Veirs’ hält mit der angedeuteten Wucht nicht Schritt; nachdrückliche emotionale Ausbrüche lagen ihr vermutlich nie. Ihr helles, kaum wandlungsfähiges Timbre vermittelt zumeist versöhnliche Pop-Stimmungen; in der Tradition musikalischer Geschichtenerzähler passt es wesentlich besser zu ruhigen Balladen, die den größeren Teil des Programms ausmachen.
Mitunter scheint die Sängerin ein wenig Angst vor der eigenen Courage zu haben, sich beinahe an ihren sympathischen Melodien festzuhalten, statt sie gezielt zuzuspitzen. Ganz selten, allenfalls in leisen Momenten, traut sich Veirs auch mal in tiefere Lagen. Entsprechend verhalten bleibt die Dynamik, für die letztlich allein Veirs’ Begleiter zuständig sind. Manche Songs verzichten völlig auf Bass und Schlagzeug und wirken dadurch recht intim, zumal Veirs’ fließende Pickings auf der Westerngitarre und Guys Bratsche relativ konsequent Stereotypen umgehen. Dennoch erscheinen die Studioaufnahmen von „July Flame“ eindrucksvoller, was an teilweise komplexeren Arrangements oder unterschiedlichen Instrumentierungen liegen mag. Trotz mancher atmosphärischer Stücke wird das Konzert nach einer Weile vorhersehbar. Längen schleichen sich ein, die Veirs auch mit ihrem unglamourös-freundlichen Naturell und einigen charmanten Plaudereien nicht wettmachen kann.