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Kunstsammler Gerhard Schneider „Aus meiner Sicht ein faires Angebot“

Der 74 Jahre alte Gerhard Schneider möchte zahlreiche Werke seiner Sammlung „verfemter Kunst“ dauerhaft in Aschaffenburg zeigen. Die Stadt müsste über 22 Jahre hinweg 2,5 Millionen Euro aufbringen. Im Interview verteidigt er sein Angebot.

Sie wollen einen Großteil Ihrer Sammlung in eine Stiftung mit der Stadt einbringen. Wieso fällt Ihre Wahl auf Aschaffenburg, obwohl Sie in Olpe in Nordrhein-Westfalen wohnen?

Ich habe in Aschaffenburg 2010 und dieses Jahr zwei ausgesprochen erfolgreiche Ausstellungen gehabt, und die Zusammenarbeit mit dem Museumsdirektor, Herrn Richter, und der Leiterin der Kunsthalle, Frau Ladleif, hat mir sehr gefallen. Die ganze Atmosphäre ist so, dass ich sagen kann: Hier könnte ich auf Dauer mein Lebenswerk unterbringen.

Wer oder was hat Sie so beeindruckt?

Die Stadt übt einen großen Reiz auf mich aus, weil man in Aschaffenburg von der Vor- und Frühgeschichte über das Mittelalter bis zum 19. Jahrhunderts die gesamte Kunst- und in Teilen auch die Kulturgeschichte nachvollziehen kann. Ich glaube, es gibt keine Stadt dieser Größenordnung, die so viel an toller Kultur bietet wie Aschaffenburg. Jetzt fehlt einfach die Fortschreibung ins 20. Jahrhundert, und genau das könnte ich mit meiner Sammlung bieten. Bestärkt fühlte ich mich vom Oberbürgermeister, der mir schon vor zwei Jahren gesagt hatte, ich solle mich möglichst zuerst an ihn wenden, wenn sich die Pläne eines „Zentrums für verfemte Künste“ in Solingen zerschlagen würden. Er hat mir gegenüber damals die Ansicht vertreten, dass meine Sammlung sehr gut in der Museumsmeile einen Platz finden könne.

Wie sieht Ihr Angebot an die Stadt aus?

Vorab möchte ich betonen, dass es mir um den Erhalt meines Lebenswerks geht. Die Sammlung darf nach Ansicht vieler Fachleute nicht auseinandergerissen werden. Vorsichtig geschätzt, haben die rund 3000 Kunstwerke, um die es für Aschaffenburg geht, einen Wert von mindestens fünf Millionen Euro. Die Hälfte davon bringe ich als Geschenk in die Stiftung ein. Da ich über 30 Jahre mein gesamtes Geld bis auf den letzten Cent in die Sammlung gesteckt habe und auch weiter vorhabe, mich um die Profilierung und den Ausbau zu kümmern, erwarte ich von der Stadt eine Einmalzahlung über 500 000 Euro, zahlbar durchaus in Tranchen, und danach eine monatliche Zahlung von 7500 Euro bis zu einem Höchstbetrag von zwei Millionen. Das bedeutet eine Laufzeit von mehr als 22 Jahren, aus meiner Sicht ein faires Angebot, das sich über einen sehr langen Zeitraum erstreckt und insgesamt einen Betrag von 2,5 Millionen Euro ergibt. Der beabsichtigte Schenkungsteil kann auch jenseits der drei Millionen Euro liegen; das wird erst eine detaillierte Auflistung zeigen.

Welche Vorstellungen haben Sie für die Präsentation Ihrer Sammlung in Aschaffenburg?

Mir ist bekannt, dass die Stadt in dem geplanten neuen Museumsquartier bislang den Schwerpunkt auf die Präsentation von Christian Schad legen will. Man kann den Schad-Nachlass als den eines einzelnen Künstlers nicht ohne weiteres mit meiner Sammlung vergleichen, in der mehr als 400 Künstlerinnen und Künstler mit Werken aus der Zeit von 1909 bis nach 1989 vertreten sind. Aber auch Schad war ein Künstler, der von den politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts betroffen war, die ja im Mittelpunkt meiner Sammlung stehen. Ich bin der Meinung, dass sich sein Werk auf der einen Seite sehr gut mit meiner Sammlungsidee verbinden lässt, man ihn zum andern aber auch in einem eigenen Bereich als einen paradigmatischen Schwerpunkt darstellen kann. Mein Vorschlag an die Aschaffenburger läuft auf ein „Museum zum 20. Jahrhundert“ hinaus. Das hätte verschiedene Abteilungen, und eine Sparte wäre Christian Schad zu widmen. In jedem Fall lässt sich mit meiner Sammlung in und für Aschaffenburg ein Alleinstellungsmerkmal in der Museumslandschaft installieren.

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