16.03.2006 · Die neue Frankfurter Kunstmesse „fine art fair“ ist eröffnet. Die Kunstmessen in Köln und Basel bekämen den frischen Wind aus Frankfurt zu spüren, so Oberbürgermeisterin Petra Roth.
Von Michael HierholzerSie mußten draußenbleiben. Und haben sich just in jenem Viertel der Stadt versammelt, wo sonst Michael Neff oder Martina Detterer in ihren Galerien wirken. Der eine freilich ist gerade auf dem Gelände der Frankfurter Messe beschäftigt, wo unter seiner Leitung die erste „fine art fair frankfurt“ stattfindet, und die andere gehört zu den 48 Galeristen, die Gnade gefunden haben vor dem strengen Geschmacksurteil des jungen Kunstmessen-Chefs.
Im Atelier Goldstein dagegen zeigen 19 von Neff nicht berücksichtigte Kunsthändler aus den deutschsprachigen Ländern im wesentlichen Flachware, aber auch das eine oder andere skulpturale Werk. Eine Verkaufsausstellung, keine Frage. Aber die „artspace“ genannte Veranstaltung in der Hanauer Landstraße 147, die zeitgleich mit Neffs exklusiver Kunstmesse läuft, ist unversehens um eine Facette reicher geworden: Ausgewählte Arbeiten geistig behinderter Künstler, die sonst hier tätig sind, konkurrieren mit dem Angebot der Aussteller.
Erhard Witzel gar, einer der Initiatoren der Parallelmesse, widmet dem Goldstein-Künstler Hans-Jörg Georgi eine „One-Man-Show“. Und, Überraschung, dessen Bilder und die plastischen Werke der vom Down-Syndrom betroffenen Birgit Ziegert stellen mit die stärksten künstlerischen Positionen dar, die sich hier und auf der „fine art fair“ finden lassen.
Kunstprojekt „The Punished“
Auch dort geht es nicht ganz ohne die klassischen Bildträger. Sie verkaufen sich nun einmal am einfachsten. Dies sei auch der tiefere Grund, warum der junge Kunst-Star Jonathan Meese ein rosafarbenes Schloß gebaut hat, sagt Michael Neff mit wissendem Lächeln. „Es geht nur darum, die Bilder an die Schloßwand zu hängen.“ Im Inneren der Pappfestung tut sich eine verschachtelte Installation auf, die voller Anspielungen auf die Hippie-Welt ist. Ein Live-Musiker singt hoch oben auf einem Podest müde zu seiner Gitarre. Niemand kennt seinen Namen.
Unansprechbar sind auch die Menschen, die Santiago Sierra in der ganzen Stadt verteilt hat. Wer sie treffen will, muß sich bis 18. März irgendwann zwischen 13 vor 17 Uhr etwa zum Landgericht, zur Kleinmarkthalle oder zur Deutschen Bibliothek begeben. Dort und an einer Reihe anderer Orte stehen „The Punished“ und büßen wie einst die unartigen Kinder in der Ecke ihre Strafe ab. Eines der Kunstprojekte zur neuen Messe.
„Kein Gezerre um Standplätze“ habe es gegeben, „keinen Terror, wie sonst bei Messen üblich“, freut sich Neff. Familiär und intim gehe es zu. Auch Oberbürgermeisterin Petra Roth zeigte sich gestern abend bei der Eröffnung zufrieden: Die Kunstmessen in Köln und Basel bekämen den frischen Wind aus Frankfurt zu spüren.