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Kunsthalle Mainz Schafe vor Ceauescus Palast

08.12.2010 ·  Die Kunsthalle Mainz zeigt die Stipendiaten des Landes Rheinland-Pfalz und von Schloss Balmoral.

Von Katharina Deschka-Hoeck
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Die Zettel hat Brandstifter allesamt in New York gefunden, an schwarzen Brettern von Supermärkten vermutlich, in Friseur- und Waschsalons und in Universitäten, an Türen, Garagen, Zäunen oder Windschutzscheiben. Jetzt bedecken sie ein Stück Wand der Kunsthalle Mainz, in der zurzeit in der Ausstellung „km 500 3“ die 15 letztjährigen Stipendiaten des Landes Rheinland-Pfalz und des Künstlerhauses Schloss Balmoral vorgestellt werden.

Wie Brandstifter, dem ein Reisestipendium einen Aufenthalt in New York ermöglichte. Nicht nur das bunte Archiv mit allen möglichen Mitteilungen und Zetteln, Aufrufen, Warnungen, Angeboten, Gesuchen und Zeichnungen, seine „Asphalt bibliothèque“, hat er mitgebracht, die dem Betrachter sogleich die schier unendlichen Möglichkeiten und die Vielzahl an Stimmen in der riesigen Stadt vor Augen führt. In seiner Videoarbeit „The Self Transcendence Marathon Mantra Loop“ hat der Künstler dann zwei Männer gefilmt, Anhänger des spirituellen Lehrers Sri Chinmoy, die wochenlang jeden Tag um einen Block in Queens joggten, bis sie 3100 Meilen zurückgelegt hatten.

Auffällig oft werden neue Mdien verwendet

Auch der Film- und Videokünstler Markus Kiefer durfte dank eines Stipendiums reisen, nach Seoul, wo er sich ziemlich komisch als „Poor Artist“ im Bett liegend nach Spitzweg inszenierte. Eine andere Arbeit verrät, dass er vom dokumentarischen Arbeiten herkommt: Für „Meanwhile in the Palace Gardens“ hat er eine Parkbank und ihre jeweiligen Benutzer gefilmt, beispielsweise die vertrauten Gesten eines älteren Paars, die selbstvergessenen Spiele eines kleinen Mädchens, ohne dass die Gefilmten es merkten.

Bewusst hat Kurator Justus Jonas die dritte Stipendiaten-Schau, die sich mit ihrem Titel auf den Rheinkilometer 500, den Standort der Kunsthalle Mainz, bezieht, nicht als Themenausstellung konzipiert. Denn die gezeigten Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde, Installationen, Performances, Fotografien und Filme, meist Ergebnis des Stipendienaufenthalts, zeichnen sich auch stilistisch durch ihre Vielfalt aus. Von Laura Bruce stammen die wunderbaren großformatigen Graphitzeichnungen von Waldlandschaften, während Jáchym Fleig seine Möbel mit organisch wuchernden Objekten aus Polyurethan und Gips versieht. Frédéric Sanchez und Lieke Snellen beziehen sich in ihren Objekten aufeinander – Snellen mit aufeinander getürmten Fundstücken, Sanchez minimalistisch.

Auffällig oft verwenden die jungen Künstler neuere Medien. Kerstin Schroedinger hat Orte aus Filmklassikern aufgenommen, Nicole Ahland geheimnisvolle sakrale Innenräume fotografiert, Jane Cheadle nasse Kartons gefilmt, die sich beim Trocknen verformen. Die aus Bukarest stammende Aurelia Mihai untersucht in ihrem aufwendigen Filmprojekt „City of Bucur“ Machtstrukturen ihres Geburtslandes Rumänien: Eigentlich wollte sie eine Geschichte über die Ursprünge Bukarests drehen, dessen Gründung einer Legende zufolge auf einen Hirten zurückgeht. Doch vor dem ehemaligen Sitz Ceauescus durfte sie nicht wie geplant Schafe laufen lassen, die Drehgenehmigung wurde nicht erteilt. Und so wurde ihr Film ein Film über die Unmöglichkeit, einen Film zu drehen.

Die Ausstellung ist bis 16. Januar geöffnet und dienstags, donnerstags und freitags von 10 bis 17 Uhr, mittwochs von 10 bis 21 Uhr sowie samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

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Jahrgang 1970, Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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