Die Gemälde sind in Plastikfolien gehüllt, mit Preisschildern versehen und werden in Holzkisten präsentiert: Beim sechsten Frankfurter Kunstsupermarkt, der von diesem Freitag an bis zum 29. Januar im Stadtteil Sachsenhausen geöffnet hat, verspricht Organisator Mario Perés Wühltischstimmung. Perés, der 1998 in Marburg den ersten Kunstdiscounter eröffnete, hat seine Idee in den vergangenen Jahren ausgebaut. Neben Frankfurt gibt es den Supermarkt in diesem Winter auch in Berlin, im schweizerischen Solothurn und auf Sylt.
Der gelernte Kunsthistoriker Perés möchte Kunst einem breiten Publikum zugänglich machen. Zu kaufen sind die Werke für 50, 99, 199 oder 299 Euro. „Kunst ist nichts Exklusives. Ich will, daß alle Leute die Möglichkeit haben, ein Original zu besitzen,“ sagt auch die südafrikanische Künstlerin Brigid Ibell. Die Bilder der Frankfurter Städelschülerin kosten sonst deutlich mehr als 300 Euro.
Mehr als 4.000 Werke präsentiert
74 Künstler präsentieren in Frankfurt auf dem Supermarkt mehr als 4.000 Werke. Das Angebot reicht von Zeichnungen über Ölgemälde bis hin zu Kleinplastiken. Jedes Werk ist ein Original und damit Unikat. Mehrere hundert Maler bewerben sich jährlich, um in Perés' Zirkel aufgenommen zu werden. Die Auswahl erfolge „nach Geschmack“, sagt Perés lachend. Er achte aber auf ein ausgewogenes Verhältnis aus renommierten und unbekannten Künstlern und eine gute Mischung der Stilrichtungen. „Wir haben von allem etwas: Vom Hyperrealismus bis zur abstrakten Kunst, vom Minimalismus bis zur Pop-Art.“
Der Kunstsupermarkt sei ideal für Künstler, die am Anfang ihrer Karriere stünden, sagt Künstler Theo Noll. Auch der in Frankfurt lebende Künstler Thomas Werner sieht den Kunstsupermarkt als guten Einstieg für junge Künstler. Die Dumpingpreise seien für professionelle Künstler aber indiskutabel. Werner zweifelt außerdem an der Qualität einiger Bilder: „Manches davon ist eine Katastrophe“, meint er.
Manche kaufen Bilder als Investition
Die Klientel der Kunstsupermärkte ist so bunt wie die Gemälde. „Manche Leute kaufen die Bilder als Investition, andere suchen nur ein Bild, das übers Sofa paßt“, stellt Perés fest. „80 Prozent der Leute, die zu uns kommen, würden nicht in eine Galerie gehen.“ Die Frankfurter Galeristin Martina Detterer betrachtet den Kunstsupermarkt auch nicht als Konkurrenz. „Meine Kunden werden mir sicher nicht abspenstig“, versichert sie. Auch Künstler Werner ist der Überzeugung, dass Galerien nicht überflüssig werden. „Kunst braucht immer einen bestimmten Ort und einen bestimmten Kontext, in der sie richtig gewürdigt werden kann.“

