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Kunst Vielfalt der Leipziger Schule

23.09.2007 ·  Premiere für Frankfurt: Im Museum Giersch ist die Ausstellung „Mattheuer, Tübke, Triegel - Eine Frankfurter Privatsammlung“ eröffnet worden, mit 60 bedeutenden Werken dieser Künstler.

Von Konstanze Crüwell
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Eine Premiere für Frankfurt: Nie zuvor hat es in einem Museum dieser Stadt eine umfassende Ausstellung ostdeutscher Malerei gegeben. Am Sonntag ist nun im Museum Giersch (Schaumainkai 83) eine Schau eröffnet worden, die 60 Werke von Wolfgang Mattheuer (1927 bis 2004), Werner Tübke (1929 bis 2004) und Michael Triegel, Jahrgang 1968 versammelt: von zwei Gründervätern der Leipziger Schule also. Und mit Triegel ist auch ein jüngerer Absolvent dieser berühmten Hochschule für Graphik und Buchkunst vertreten.

Die Gemälde, Zeichnungen und die – wenigen – Skulpturen stammen sämtlich aus der Privatsammlung eines Frankfurter Unternehmers, der ungenannt bleiben möchte. Bekannt ist nur, dass seine Leidenschaft für diese Kunst im Jahr 1994 begann, als er in der Frankfurter Galerie Schwind die Malerei von Wolfgang Mattheuer kennenlernte, alsbald Werke dieses Malers erwarb und damit zum engagierten Sammler wurde.

Klare Bildsprache

Heute nennt er mit 32 Gemälden, sechs Plastiken und einer Reihe von Zeichnungen und Druckgraphiken das größte Mattheuer-Konvolut in deutschem Privatbesitz sein eigen. Mit Ankäufen von Werken Tübkes und Triegels ist seine Sammlung seither kontinuierlich gewachsen, und ein Ende scheint auch noch abzusehen zu sein. Dass er die Öffentlichkeit an seiner Sammlerfreude teilhaben lässt, gehört zum Konzept: Bedeutende Werke seiner Kollektion sind in der Neuen Nationalgalerie in Berlin, im Haus der Geschichte in Bonn, den Chemnitzer Kunstsammlungen, im Würzburger Museum am Dom und in der Mannheimer Kunsthalle als Dauerleihgaben zu sehen.

Die im Museum Giersch unweigerlich auftauchende Frage, warum denn Bernhard Heisig in dieser Konstellation fehlt, der schließlich eine ebenso wichtige Rolle wie Mattheuer und Tübke in der Leipziger Hochschule für Graphik und Buchkunst gespielt hat, beantwortet Manfred Großkinsky, der Leiter des Museums Giersch, diplomatisch und einleuchtend: Von Heisigs Gemälden mit ihrem hochexpressiven Duktus, ihren geradezu rauschhaften Formen und Farben und den kühnen Kompostionen habe sich der Frankfurter Unternehmer nun einmal weniger angesprochen gefühlt als von der klaren Bildsprache eines Mattheuer, Tübke und Triegel.

Aber solche Entscheidungen machen schließlich die Eigenart und den Reiz einer privaten Sammlung aus, die von einer erkennbar subjektiven Auswahl viel mehr bestimmt sein sollte als von dem Ehrgeiz, wie eine öffentliche Sammlung auch enzyklopädischen Maßstäben zu genügen.

Detailversessener Realismus

Die altmeisterliche Malerei des „extravaganten Manieristen“ Tübke (Eduard Beaucamp, langjähriger Kunstkritiker dieser Zeitung bei der Eröffnung) werden jedoch ebenso wie die Werke von Mattheuer und von Triegel mit dem „stillen Protest seiner makellosen Hyperästhetik gegen die Gleichförmigkeit unserer Zivilisation“ in ihrer „widersprüchlichen Vielfalt“ bis heute von der westlichen Kunstszene nicht wirklich anerkannt. Ganz im Gegensatz sind die Bilder ihrer Enkelgeneration, ob von Neo Rauch, Tim Eitel, Martin Eder oder Matthias Weischer, die gerne mit dem Etikett „Neue Leipziger Schule“ versehen werden, auf dem internationalen Kunstmarkt heißbegehrt.

„Es lässt sich und genauer nicht sagen: In der DDR wird deutscher gemalt“ schrieb Günter Grass 1982 im Katalog von „Zeitvergleich“, einer Ausstellung zur Kunst der DDR, dessen Titelbild ein Gemälde von Mattheuer zeigt. Und er ist zweifellos auch derjenige der drei Maler, der immer wieder die heimatliche Landschaft malte – und für die Sehnsucht nach der damals unerreichbaren Ferne den bildmächtigen Ausdruck fand.

Ziemlich fremd hingegen wirkt die Kunst von Michael Triegel, zumal wenn er sich selbst in der „Auferstehung“ als lendenschurzfreien Christus mit allzu detailversessenem Realismus darstellt. Überhaupt werden die Meinungen über diese Künstler geteilt sein: Die Ausstellung lädt jedenfalls zur Diskussion ein.

Die Ausstellung „Mattheuer, Tübke, Triegel - Eine Frankfurter Privatsammlung“ im Museum Giersch ist bis 27. Januar 2008, Dienstag bis Freitag von 12 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Ein Katalog liegt vor.

Quelle: F.A.Z.
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