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Kunst Räume, Wellen, schwarze Bilder

03.11.2008 ·  Berührungen mit einer hierzulande fast unbekannten Kunstszene: die Ausstellung THR-FRA/FRA-THR in Frankfurt.

Von Christoph Schütte
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Dann kommt er doch noch, der Orient. So, wie man das in aller Ahnungslosigkeit erwartet hatte. Mit leuchtend farbigen Tuschelinien, die sich horizontal in sanften Wellenlinien über das Blatt ergießen, und überall dort, auf den Kämmen der Wogen, wo der Pinselstrich unmerklich dünner wird, scheint das helle Licht über dem Fluss zu tanzen. Und sogleich ist man schon wieder auf dem Holzweg. Denn ausgerechnet diese künstlerische Auseinandersetzung mit der Welle-Gischt-Ornamentik und insbesondere einer persischen Zeichnung aus dem 14. Jahrhundert, um die es sich bei Jörg Ahrnts „Flusslandschaften“ handelt, repräsentieren die einzige genuin westliche Position dieser überraschenden Schau.

Der Frankfurter Künstler, der sich seit vielen Jahren in seinem Werk mit islamischer Kunst und mit der Ornamentik beschäftigt und schon mehrfach in Iran ausstellte, hat mit „THR-FRA/FRA-THR“ in der Galerie-Station im Mousonturm sowie in der Galerie Wildwechsel (Rotlintstraße 98) eine Ausstellung eingerichtet, die mit den Arbeiten junger zeitgenössischer Maler und Zeichner aus Teheran nicht nur eine hierzulande nahezu unbekannte Kunstszene vorstellt, sondern darüber hinaus die Erwartungshaltung des Besuchers aufs angenehmste enttäuscht. Denn statt sich auf die klassischen, im Westen gern für das Ganze genommenen Disziplinen wie die Kalligraphie zu konzentrieren, geht es Ahrnt mit seiner Auswahl darum, das Eigene im Fremden und mithin auch das Fremde im Eigenen zu reflektieren.

Das gilt vor allem für Ahrnt selbst, dessen ohne Vorzeichnung entstehende Blätter nicht nur auf die Beschäftigung mit dem Ornament verweisen, sondern auch Ausdruck einer Haltung sind, eines auf dem Prinzip der Wiederholung fußenden Prozesses, der im konzentrierten, beinahe meditativ zu nennenden Tun erst zu sich selbst kommt. Dagegen erscheint Vahid Hakims Zyklus „Lucid Darkness“ wie klassisch monochrome Malerei, wie sie vor Jahrzehnten Frank Stella und Ad Reinhardt in ihren „Black Paintings“ zelebrierten. Bis man entdeckt, dass Hakim Bänder schwarzer Farbe in Zickzacklinien über leuchtende Bildgründe legt wie ein Gewebe kunstvoller Spitzen.

Ganz und gar gegenständlich dagegen die Bilder Iman Afsarians, des mit 33 Jahren jüngsten der fünf ausstellenden Künstler, in denen sich die Blicke von Ost nach West und von West nach Ost ganz eigentümlich kreuzen. Denn Afsarians von Licht und Schatten und schmutzig grauen Farben dominierte Räume erscheinen wie längst verblasste Trugbilder aus einer anderen Zeit. Leuchter, Lüster oder Millets „Ährenleser“ auf der einstmals schmucklos weißen Wand beschwören eine imaginäre, aus der eigenen Erinnerung an die Großmutter rekonstruierte Atmosphäre.

Denn dass Europa im bürgerlichen Teheran einmal als ein Vorbild galt, für Stil und Wohlstand und Kultur stand, entspricht so gar nicht unserem heutigen Bild von der Islamischen Republik Iran. Und schließlich sind es mit Elahe Heidari und Michael Hakimi zwei vorwiegend konzeptuell vorgehende Künstler, deren Arbeiten einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. Während freilich Heidari über Jahre beharrlich ein einziges Thema variiert und sich mit ihren mit Pinsel und Rohrfeder aufs Papier geworfenen Frauenköpfen als großartige, an die westliche Moderne anknüpfende Zeichnerin zu erkennen gibt, fällt Hakimis eigens für die Ausstellung entstandener und bei Wildwechsel gezeigter Zyklus „Museum für Islamische Kunst (Raum 1-5)“ auf den ersten Blick gänzlich aus dem im Mousonturm gesetzten Rahmen.

Denn seine Herkunft spielt im bisherigen Werk des in Berlin lebenden, an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung und in Hamburg ausgebildeten Künstlers kaum mehr als eine Nebenrolle. Pointierter aber als Hakimi mit dieser ebenso strengen wie klaren Konzeptarbeit kann man das eigentliche Thema dieser Schau kaum formulieren. Denn die selbstverständliche Zugehörigkeit zu beiden Kulturen, das Dazwischen auch, ist dieser grafisch inspirierten Arbeit förmlich eingeschrieben.

Bis 23. November. Die Frankfurter Galerie Wildwechsel, Rotlintstraße 98, ist Mittwoch bis Freitag von 18 bis 21 Uhr, die Galerie-Station im Mousonturm, Waldschmidtstraße 4, Freitag und Samstag von 19 bis 22 Uhr, Sonntag von 15 bis 19 Uhr sowie während der Vorstellungen geöffnet.

Quelle: F.A.Z.
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