29.06.2006 · Einem der bedeutendsten Kupferstecher der Renaissance, Lucas van Leyden, ist eine Ausstellung der Graphischen Sammlung im Städel gewidmet.
Von Konstanze CrüwellEr wird mit Albrecht Dürer und Marcantonio Raimondi zum alles überstrahlenden Dreigestirn der Kupferstecher der Renaissance gerechnet: Lucas van Leyden (1489/94 bis 1533) war im frühen 16. Jahrhundert neben dem deutschen und dem italienischen Künstler der berühmteste Druckgraphiker und galt damit als einer der Väter der holländischen Kunst.
Seine Kupferstiche mit ihrem unverwechselbaren Stil, dem sanft verschwimmenden Druckbild und den tiefschwarzen oder lichterfüllten Partien, sind von geradezu malerischer Wirkung - kein Wunder, daß sie seit 1508 in ganz Europa heiß begehrt waren.
„Lucas van Leyden: Meisterwerke der Druckgraphik“
Kein Wunder auch, daß ein Sammler der Aufklärung wie Johann Friedrich Städel, dem es um eine umfassende Darstellung der europäischen Kunstgeschichte ging, gleich 90 Kupferstiche des Lucas van Leyden erwarb. Sie bildeten den Grundstock des Bestands, der sich im 19. Jahrhundert durch die Erwerbungen von Johann David Passavant und die Übernahme der großen Druckgraphik-Sammlung von Johann Karl Brönner mehr als verdoppelte.
Und im Jahr 2000 kam ein wunderbares Exemplar des prominentesten „Milchmädchens“ der Kunstgeschichte dazu (unsere Abbildung), ein Höhepunkt der von Martin Sonnabend erarbeiteten Ausstellung „Lucas van Leyden: Meisterwerke der Druckgraphik“, die von heute an in der Graphischen Sammlung des Städel zu sehen ist. Zu bewundern ist der Erzähler Leyden, der menschliche Gefühle zu schildern versteht wie kaum ein anderer seiner Zeit. Und der Künstler mit seinem allem Phantastischen abholden Wirklichkeitssinn.