28.06.2006 · Nach dem großen Erfolg im vorigen Jahr zeigen hessische Unternehmen ihre Sammlungen wieder der Öffentlichkeit: „Kunst privat!“ heißt die Aktion.
Von Konstanze CrüwellMit den farbenfrohen Blumenstilleben der als Hobbymalerin tätigen Schwiegermutter über dem Schreibtisch im Büro ist es in fortschrittlichen Unternehmen schon lange vorbei. „Kunst am Arbeitsplatz“ heißt mittlerweile die Devise, und zum ersten Mal kam sie in Deutschland vor einem Vierteljahrhundert auf. Erfunden hat dieses Projekt der „Vater“ der Firmensammlungen, der 2004 verstorbene Herbert Zapp, damals Vorstandsmitglied der Deutschen Bank, der sich bei seinen Kollegen erfolgreich für ein klares Sammlungskonzept einsetzte:
Papierarbeiten vor allem junger Künstler aus dem deutschsprachigen Raum sollten es sein, was natürlich die hochwillkommene Förderung des künstlerischen Nachwuchses ganz bewußt mit einschloß. Sein Beispiel und das der Deutschen Bank machten - zum Teil in etwas veränderter Form - bald Schule, und in einer immer weiter wachsenden Zahl von Unternehmen sind seither Kunstsammlungen entstanden.
Schwerpunkt auf der zeitgenössischen Produktion
Daß Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen in Geschäftsräumen nicht tagein, tagaus öffentlich zugänglich sein können, liegt auf der Hand. Unter dem Motto „Kunst privat!“ haben sich nun aber vor einem Jahr in Hessen zum ersten Mal die Türen zahlreicher Banken und Unternehmen an einem Wochenende geöffnet, um einem breiten Publikum einen Eindruck von den gesammelten Werken zu geben. Der Erfolg war enorm, und deshalb werden diese Tage der Unternehmens-Kunstsammlungen jetzt am Samstag, 1. Juli, und Sonntag, 2. Juli, wiederholt. Von der Altana AG in Bad Homburg bis zur Wiesbadener Volksbank beteiligen sich dieses Mal 33 große und kleinere Firmen an der Aktion „Kunst privat!“ Die zeitgenössische Produktion bildet den unübersehbar deutlichen Schwerpunkt, auch bei den hier vertretenen Großbanken.
Als eine der wenigen und zugleich wahrhaft bemerkenswerten Ausnahmen sind in der Industrie- und Handelskammer in Offenbach Porträtzeichnungen des 19. und frühen 20. Jahrhunderts von Philipp Otto Runge, Eduard von Steinle, Wilhelm Leible oder Wilhelm Steinhausen zu besichtigen. Das Medium der Fotografie ist mehrfach vertreten, besonders glanzvoll und umfangreich in der DZ-Bank, aber auch in der Deutschen Börse. Eine Sonderrolle nimmt die Degussa-Sammlung ein. Ingrid Mößinger, heute Direktorin des Museums in Chemnitz, stellte unter dem Motto „Kunst aus Frankfurt“ in den achtziger Jahren ein Ensemble von Bildern und Objekten zusammen, das einen noch heute überzeugenden repräsentativen Querschnitt der hiesigen Kunstproduktion darstellt. Auch bei Degussa war mit dem Aufbau der Sammlung die Idee verbunden, junge, noch nicht etablierte Maler, Bildhauer oder Fotografen zu unterstützen.