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Kunst Die Welt ist allzeit mit ihm

 ·  Engel in der U-Bahn, die Spiegelbilder alter Damen in Pfützen: Richard Bram entdeckt das Sinnhafte der Wirklichkeit. Der Kunstraum Bernusstraße zeigt seine Fotografien.

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Engel, gibt’s die? Ausstellungen, Bilder und Bücher haben sich mit dieser Frage ausführlich beschäftigt, für Richard Bram stellt sie sich nicht. Er hat schon mindestens einen Engel leibhaftig gesehen – in der Londoner U-Bahn. Dort wartete er vor einer Plakatwand ruhig auf seinen Zug, ganz wie zwei andere Passanten.

Doch nur er, der gutgekleidete Mann mittleren Alters, überstrahlt von einem leuchtenden Heiligenschein und umglänzt von weißen, von den Schultern bis zu den Knien reichenden Flügeln, gehörte zu den himmlischen Heerscharen. Leider war die wunderbare Ausstattung nur Teil des Plakates, vor dem er stand. Als „Angel“ aber, von Richard Bram mit seiner Leica fixiert und auf Fotopapier übertragen, regt er nun die Besucher des Frankfurter Kunstraums Bernusstraße an zu höchst vergnüglichen Überlegungen in Sachen Sein und Schein der sichtbaren Welt.

Schwarzweiße Bilderzählungen

Ähnliches gilt für die Mehrzahl der in Frankfurt zum ersten Mal gezeigten etwa fünfzig schwarzweißen Bilderzählungen des 1952 geborenen Amerikaners. Bram, der in London lebt, hat die Arbeit mit dem dritten Auge erst in zweiter Berufsfindung so subtil wie perfekt entwickelt. Ob er als flanierender Street Photographer einen herzhaft gähnenden Mann im Bus aufnimmt oder den Marktplatz von Mainz an einem Regentag, an dem sich eine ältere Dame ebenso in einer Wasserlache spiegelt wie die schönen Fassaden der alten restaurierten Häuser, ob beim Spazierengehen in Moskau Schneeflocken und Herbstblätter durcheinanderwirbeln oder in Mexiko vor einem verfallenen Wandbild aus nachgeahmter Renaissance einige armselige Fahrräder abgestellt sind, Brams Klick mit der Kamera überführt diese alltäglichen Augenblicke in die Zeitlosigkeit von einst, jetzt und später.

Wie der 2004 gestorbene, unvergleichliche Henri Cartier-Bresson, so will auch Richard Bram demonstrieren, dass die einfachen und sinnträchtigen Momente jedermann ständig begegnen und ihm zur Erfrischung von Geist und Gemüt und zum Erkenntnisgewinn dienen können. Von Klage oder Anklage ist Brams Bildwelt völlig frei. Subtil und mit elegantem Understatement überlässt sie das Interpretieren ihrer Geschichten aus dem heutigen Leben ihren Betrachtern. Im Programm des Kunstraums Bernusstraße, der vor einem Jahr eröffneten Galerie im Westend, in der vor längerer Zeit Rene Reichard strengen Konstruktivismus ausgestellt hatte, sind Photographie und Skulptur gleichberechtigt. Als Nächstes zeigt der Kunstraum an der Bernusstraße 18 einige der expressiven Holzarbeiten des hierzulande noch weitgehend unbekannten Künstlers Hans Scheib. Richard Brams Arbeiten sind bis zum 10. März donnerstags von 13 bis 20, freitags von 13 bis 19 und samstags von 10 bis 15 Uhr zu sehen.

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