02.03.2010 · Krücke hat einen Traum: Er will zum Mond. Vom Fliegen haben Kanalratten wie er nicht viel Ahnung, auch wenn sie unter der Stadt, in der „Untendrunterwelt“, ab und an Fledermäusen begegnen.
Von Eva-Maria MagelKrücke hat einen Traum: Er will zum Mond. Vom Fliegen haben Kanalratten wie er nicht viel Ahnung, auch wenn sie unter der Stadt, in der „Untendrunterwelt“, ab und an Fledermäusen begegnen. Aber wenn man mit einem dicken Rattenfreund und einem alten kahlköpfigen Kanalhund in den Tunneln unter der Stadt wohnt, stellt man sich eben vor, es müsse einen Tunnel zum Mond geben. Die Bühne des TiC am Mainzer Staatstheater ist in eine Kanallandschaft mit witzigen Effekten von hoher Anziehungskraft verwandelt (Bühne und Kostüme Janina Mendroch): Vor und nach dem Spiel verschwinden allerhand neugierige kleine Kinder in den Löchern, bis sie von nervösen Elternteilen wieder eingefangen werden.
Das Stück ist leider weniger aufregend: Ein Prolog, einige turbulente Szenen, gute Ratten und böse Katzen, die zu guter Letzt besiegt werden - „Krücke von unter der Brücke“ der Schweizer Autorin Pamela Dürr, das jetzt in Mainz uraufgeführt wurde, wagt sich weder in Handlung noch Struktur in neue Gefilde. Nach einer Stunde endet Krückes Reise ein wenig abrupt, als er begreift, dass er wohl nicht zum Mond kommen, aber das Glück auf der Erde (und vielleicht auch darunter) finden wird.
Regisseur bleibt bei Bewährtem
Eine Besonderheit immerhin hat das Stück, wenngleich keine ganz unproblematische: eine große Lust an der Sprache, an Reimen, Sprachspielen, Kalauern und humorvollen, poetischen Bildern. Das allerdings bringt den Text, der oft sehr schnell gesprochen wird, zuweilen hart an den Rand des Verständlichen - selbst wenn man älter als fünf Jahre ist.
Auch Regisseur Thomas Hollaender, der in Mainz schon „An der Arche um Acht“ und „Angstmän“ inszeniert hat, bleibt beim Bewährten. Martin Berger spielt auf der elektrischen Gitarre nette Songs, die wieder Markus Reyhani komponiert hat, es wird - wieder einmal - gerappt und getanzt, was Jan-Philip Frank in der Doppelrolle als dicke Ratte Beule und böse Katze Flopper virtuos gelingt, wieder sind die Bösen als Gangsta-Rapper ausstaffiert. Pascale Pfeuti macht als weiße Kuschelratte Sara gute Figur, Michael Schlegelberger ist als Hund Platte ein Spaß und als die Oberwelt beherrschender Kater Fetzohr geradezu angsteinflößend. Felix Mühlen verausgabt sich geradezu als niedlich naiver und tapferer Krücke: Er rettet nicht nur Sara, in die er sich natürlich verliebt, sondern erledigt mit Witz auch noch Fetzohr und seine Gang. Dem schaut man gern zu in einem allzu routinierten Stück.