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Konzertkritik: Silbermond Auf der Galeere der Popmusik

22.05.2009 ·  Spätestens seit dem Nummer-1-Hit „Das Beste“ sind Silbermond kommerziell erfolgreich und nicht nur in den Kinder-, sondern auch in den Wohnzimmern der Republik angekommen.

Von Jan Hauser, Mainz
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Teenager sitzen auf dem grauen, kalten Betonboden der Mainzer Phönix-Halle. Sie warten unmittelbar vor der Bühne und müssen ihre Kräfte sparen, um später ihre Helden der Popmusik anzufeuern, um mitzusingen, um zu tanzen. Eine gute Stunde vor dem offiziellen Beginn haben sich so viele die besten Plätze vor den vordersten Metallgittern gesichert, dass sie fast die Hälfte der Stehplätze bevölkern. Während ein Mädchen im Grundschulalter an der Hand des Vaters einen Platz sucht, trägt ihr einen Schritt dahinter die Mutter das selbstgebastelte und laminierte Fanplakat hinterher.

Daneben geht ein etwa 14 Jahre altes Mädchen in pechschwarzen Klamotten in die Halle, das wie der typische Silbermond-Anhänger wirkt: Ihre Haare sind schwarz gefärbt und stehen wild in die Luft, als hätte sie morgens den Finger zu lange in der Steckdose gelassen. Ein etwa 13 Jahre altes Mädchen mit ledernem Nietenband am Arm lehnt an ihren grauhaarigen Vater im ausgebleichten roten T-Shirt. Im Foyer trinken die Wartenden mehr Apfelschorle und Cola als Bier. Aufgetakelte Blondinen und etliche Paare im Alter von bis zu 40 Jahren sind unterwegs.

Applaudieren im Sekundentakt

Silbermond ist längst im popkulturellen Mainstream angekommen. Spätestens 2006 mit dem an der Kitschgrenze plazierten Nummer-1-Hit „Das Beste“ waren sie kommerziell erfolgreich und sind nicht nur in den Kinder-, sondern auch in den Wohnzimmern der Republik angekommen. Schon während die vier Musiker die Bühne betreten, jubelt, klatscht und kreischt die Menge, als würde sie nie wieder aufhören. Beim ersten Lied hebt nahezu jeder die Hände über den Kopf und schlägt sie wie in Ekstase aneinander: kein musikantenstadlerisches, langsames Schaukeln, sondern ein hartes Applaudieren im Sekundentakt. Schlagzeuger Andreas Nowak gibt den rasanten Rhythmus auf der Galeere der Popmusik vor und lässt die Sticks in seinen Händen ruhelos auf die Trommel einprasseln.

Mit einer Reggae-Version von „Verschwende deine Zeit“, einem Gitarren- und Bass-Solo, Stagediving der Sängerin und der Animation einer La-Ola-Welle verliert die Show jedoch in der Mitte an Schwung. Die Spielereien treibt Schlagzeuger Nowak auf den Höhepunkt, als er ein dadaistisches Gedicht („Alphabet von hinten“) vorliest: „Z, Y, X...“ Auch bei dieser Einlage jubelt die Halle. Auch wenn die Band ihre balladesken Beziehungslieder „Durch die Nacht“ und „Symphonie“ spielt, sind die Fans begeistert. Sie lieben diese weiche Silbermond-Seite. Und spätestens in dem Augenblick, als endlich „Das Beste“ als vorletzte Zugabe folgt, scheinen Musiker und Bewunderer vereint. Die Fans singen laut und textsicher mit. Die Anhänger verlangen mehr. Sängerin Stefanie Kloß hält sich die Hand vor den Mund, lächelt fast verschüchtert und sagt leise danke.

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Jahrgang 1983, Redakteur in der Wirtschaft.

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