25.10.2006 · Die Konzertreihe „Jazz gegen Apartheid“ spielt zum 20jährigen Jubiläum in Frankfurt. Das erste Konzert hat gezeigt, daß die südafrikanisch-internationale Kooperation eine hörenswerte Verbindung ist.
Von Eva-Maria MagelAusgesprochen fröhlich und eingängig klingt das Motiv, typisch südafrikanisch der Rhythmus. Es scheint eine eher leichtfüßige Spaßnummer mit Unisono-Passagen für immerhin acht Musiker zu sein. Der Titel hingegen erinnert an ein Drama: „Song for Biko“ heißt die Komposition, die Johnny Dyani 1978 komponiert hat - ein Jahr nachdem die südafrikanische Polizei den Studentenführer Steve Bantu Biko zu Tode geprügelt hatte. Dyani, der südafrikanische Jazzbassist und Komponist, lebte damals schon lange im Exil.
1986 begründete Dyani eine Reihe, die bis heute zu Workshops und Konzerten in Frankfurt führt: „Jazz gegen Apartheid“. Mag die Apartheid auch seit 12 Jahren überwunden sein - der von Jürgen Leinhos und der Gruppe „Kultur im Ghetto“ organisierte Musikaustausch heißt noch immer so. Dyani hatte sich ein Netzwerk aus Musikern, südafrikanischen und internationalen, gewünscht. Was daraus wurde, konnte er selbst nicht mehr sehen - er starb vor 20 Jahren, am 26. Oktober 1986.
Gefeierte Legenden
Ihm zu Ehren spielen seine Kollegen nun in Frankfurt Dyanis Kompositionen. Dieser hatte nicht nur politischen Ereignissen, sondern auch Weggefährten Songs gewidmet. „Year of the Child“, „Musician's Musician“ oder den flotten Blues für den Saxophonisten Nick Moyake haben Harry Beckett (Flügelhorn), John Tchicai (Saxophon), Claude Deppa (Trompete) und Makaya Ntshoko (Schlagzeug) teilweise schon mit Dyani selbst gespielt. In immer neuen, zum Teil recht originellen Konstellationen mischen sie sich nun mit Jürgen Wuchner (Baß), Christopher Dell (Vibraphon), Daniel Guggenheim (Saxophon) und Allen Jacobson (Posaune).
Mehr als nur ihrer Titel wegen belegen Dyanis Kompositionen die eigene Tradition des südafrikanischen Jazz. Miriam Makeba, Hugh Masekela und Abdullah Ibrahim sind heute auf der ganzen Welt gefeierte Legenden. Auch Musiker wie Dyani, die ihre Heimat der Apartheid wegen verlassen mußten, haben seit den sechziger Jahren die internationale Jazz-Szene befruchtet. Umgekehrt integrierten sie die jüngsten Strömungen in ihre Musiktradition - Dyani etwa spielte mit Charles Mingus, Roland Kirk oder Don Cherry.
Die meisten Musiker leben bis heute außerhalb Südafrikas. Nur einer, der nun für eine Woche in Frankfurt ist, lebt wieder in seiner Heimat Kapstadt: der Schlagzeuger Louis Moholo. Seit einiger Zeit bemüht sich die südafrikanische Kulturpolitik um die Wiederbelebung des Jazz, im September wurde das Cape Town Jazz Orchestra unter der Leitung Abdullah Ibrahims gegründet. Noch aber sind nicht nur Auftrittsmöglichkeiten in Südafrika rar. Auch die Verbindung dessen, was die Exilanten gelernt und erfahren haben, mit den musikalischen Entwicklungen im Land steckt noch in den Kinderschuhen. Deshalb heißt das Motto der Reihe diesmal auch „Zwischen Heimkehr und Exil“. Das erste Konzert in der Alten Nikolaikirche jedenfalls zeigte, daß die südafrikanisch-internationale Kooperation eine ungeheuer hörenswerte Verbindung ist.