Wenn Johannes Bohun gerade nichts zu tun hat, trommelt er mit seinen Fingern auf die nächste Tischplatte, klopft sich mit den Handflächen auf die Oberschenkel oder schüttelt eine Streichholzschachtel in rasend schneller Geschwindigkeit. „Das passiert automatisch, ich kann nichts dagegen tun“, sagt der Wiener, der erst einen Menschen getroffen haben will, dem dies nicht auf die Nerven gegangen sei. Da er allerdings eine Miene macht wie Helge Schneider, sein großes Idol, während er dies beteuert, ist nicht so recht klar, ob er es ernst meint.
Seit fünf Jahren ist Bohun bei „Stomp“, einem in England entstandenen Rhythmustheater, bei dem Geschichten ohne Worte erzählt werden. Die Ausdrucksmittel sind Körpersprache, Tanz und Rhythmen. Seine Drumsticks hat der ausgebildete Schlagzeuger seither gegen Besenstiele eingetauscht, als Trommeln dienen ihm Mülltonnen, denn alle Instrumente, die zum Einsatz kommen, sind alltägliche Gegenstände. „Stomp“ tourt mittlerweile mit fünf Ensembles durch die ganze Welt.
Bohun hat sich nach seinem Studium am Jazz-Konservatorium in Wien „spontan“ bei einem Casting in London beworben und setzte sich gegen 900 Mitbewerber durch. Sein Interesse für nahezu alle musikalischen Stilrichtungen, von Jazz über Salsa bis zu „Kommerz-Rock“, habe ihm für „Stomp“ viel gebracht, so Bohun. Gerade deswegen aber, erinnert er sich, habe er anfangs Schwierigkeiten gehabt, sich in die Gruppe einzufinden.
Rhythmen im Kopf
„Ein Programm lernt man in sieben Wochen. Um die Stomp-Sprache richtig zu verinnerlichen, braucht man aber mindestens ein Jahr. Und seinen eigenen Stil zu finden, dauert noch länger“, sagt Bohun, der „Stomp“ nur wenige Tage vor seinem eigenen Debüt zum ersten Mal auftreten sah. Vorher habe er es nie geschafft, Karten zu bekommen. Im Alter von zwölf Jahren hat Bohun begonnen, Schlagzeug zu spielen. Obwohl in seiner Familie eher gesungen als getrommelt wurde, hatte er immer nur Rhythmen im Kopf. Heute ist er nicht nur Mitglied von „Stomp“, sondern auch Musiklehrer und Tonstudiobesitzer. So versucht er, seine Leidenschaft weiterzugeben.
Daß er das einzige deutschsprachige Mitglied der Gruppe ist, empfindet der 28 Jahre alte Musiker als nichts Ungewöhnliches. „Wir sind ohnehin ein bunter Haufen von Leuten aus allen Teilen der Welt. Wenn wir essen gehen, komme ich mir manchmal vor wie in einer Fabrikkantine.“ Trotzdem herrsche aber eine familiäre Atmosphäre, die während der vielen Reisen über Heimweh hinweghelfe.
Acht Musiker auf der Bühne
„Der Tour-Alltag ist nicht sehr spektakulär. Man bekommt wenig mit und fühlt sich wie ein Geschäftsreisender“, so Bohun, der es bedauert, während eines sechswöchigen Aufenthalts in Australien „nur ein Känguruh“ gesehen zu haben. Auf die Auftritte in Deutschland freut er sich aber: Bohun, der aus einer Bäckerfamilie stammt, schätzt vor allem das „gute Brot“. Daß es etwa in Großbritannien „kein vernünftiges Schwarzbrot“ gebe, vermiese ihm jeden Aufenthalt dort. Zwischen Deutschland und seiner Heimat Österreich macht er feine Unterschiede, wenn es nicht um Brot geht: Das Publikum hier bekunde seine Begeisterung stets lautstark - das sei in seiner Heimat Österreich nicht immer so. „Als wir in München zur Oktoberfestzeit auftraten, mußten wir sogar aufpassen, daß die Leute nicht überschnappen“, sagt Bohun - nun wird er in der Frankfurter Alten Oper gastieren.
Jeden Abend stehen acht der zwölf Ensemblemitglieder auf der Bühne. Durch die Rotation, erklärt Bohun, blieben die Akteure immer im Training. Außerdem gleiche auf diese Weise keine Show ganz der anderen. „Stomp ist wie eine Party, zu der alle Gäste etwas mitbringen. Wenn man jeden Tag Thunfischpastete mitbringt, wird es einfach langweilig“, sagt Bohun. Deshalb gebe es bei den Auftritten viel Freiheit für Improvisation. Die einzige Regel dabei sei, im Takt zu bleiben. Das sollte Bohun aber nicht schwerfallen. Er hört ohnehin nie auf zu trommeln, auch wenn es nur auf die Tischplatte ist.

