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Konzert Leisetreter

16.10.2006 ·  Bassisten als Bandleader sind selten. Lars Danielsson hat einen Vorteil, denn ehe er zu Kontrabass und Jazz wechselte, studierte er klassisches Cello. Im Konzert mischt er die Techniken.

Von Norbert Krampf
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Bassisten als Bandleader sind selten. Zu klar scheinen die Tieftöner auf die Rolle des Begleiters festgelegt, zusammen mit dem Schlagzeug in erster Linie für das rhythmische Fundament zuständig. Lars Danielsson hat einen Vorteil, denn ehe er zu Kontrabass und Jazz wechselte, studierte er am Konservatorium in Göteborg klassisches Cello. Im Konzert spielt der achtundvierzig Jahre alte Musiker beides und mischt dabei die Techniken. Er zupft und streicht und nutzt elektronische Effekte, um den natürlichen Klang zu manipulieren. Manche trockenen Pickings entwickeln so die Wucht eines E-Basses, leichte Melodien oder zart kratzende Flageoletts werden für kurze Momente klanglich angeschärft oder zugespitzt.

Lars Danielsson ist kein Freund der auftrumpfenden Töne. Offensichtlich sucht er sich für die Umsetzung seiner Ideen sehr gezielt Partner im Geiste. Schlagzeuger Jon Christensen profilierte sich schon in vielen Konstellationen als sensibler und assoziativer Lautmaler, in Danielssons Quartett tritt er beinahe selbstlos zurückhaltend auf. Seine Rolle ist eben nicht, als rhythmisches Rückgrat für Zusammenhalt und „Groove“ zu sorgen. Vielmehr illustriert er mit Händen, Stöcken oder Filzklöppeln, mit dunklen Schlägen oder „rauschenden“ Becken jenseits der Takte die Einfälle der anderen Musiker. Tatsächlich wird der Swing, wenn er sich überhaupt einschleicht, eher von Duetten Danielssons mit dem eindrucksvollen Pianisten Leszek Mozdzer entfacht.

Crescendo wirkt als Katharsis

Immer wieder treffen sich feingliedrige Läufe von Klavier und Bass oder Cello zu harmonischen, mitunter auch komplexen Dialogen. Beide Künstler haben einen Hang zu fragilen Motiven und Schönklang, dennoch entwickeln sie zeitweise nuancierte Dynamik, wenn sie ihre transparenten Improvisationen zu raffinierten Geflechten verdichten. Mozdzers Melodien mögen zeitweise ein wenig in süßer Romantik schwelgen, doch kann er seinem lyrischen Glanz auch absichtsvoll Kratzer zufügen. Repetitive, an Minimalismus angelehnte Phrasen, Griffe in die Saiten, trockene Stakkati und Abstraktionen durch Präparierungen im Flügel deuten eine expressive Energie an, die jedoch nie ausbricht.

Zuweilen kippt die anheimelnde Stimmung der Stücke, unterminiert durch schattenhafte Steh- und Schwelltöne, ins Mystische oder gar Beklemmende. Doch auch solche Momente sind rar. Die Einflüsse des vierten Musikers sind schwer zu identifizieren. Der Elektroniker Jan Bang vermeidet Knistern und Knacken und andere Störgeräusche, verarbeitet dagegen meist äußerst diskret die von Klavier oder Bass gespielten Themen zu Samples oder Loops. Daraus ergeben sich diffus wabernde Muster, dunkles Pochen, lichtes Rascheln oder Fiepen.

Im Gegensatz zum flächigen, auf Ambientmusic und Eingängigkeit konzentrierten neuen Album „Melange Bleu“ vermag das kaum längere Konzert in der Darmstädter Centralstation überzeugender auf dem schmalen Grat zwischen Subtilität und Belanglosigkeit zu balancieren. Echte Spannung will aber, trotz durchdachter Arrangements und Kommunikation auf der Bühne, auch live kaum aufkommen. Zu sehr bleiben die Musiker kontrolliert und ihre ausgefeilten Klänge letztlich im vertrauten Rahmen. Mag sein, daß das Quartett an diesem Abend besonders ausgeglichen ist. Jedenfalls wirkt seine Kunst so reif und rund und abgeklärt, daß schon ein knapp bemessenes Crescendo am Ende des zweiten Teils beinahe als rauschhafte Katharsis erscheint.

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