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Konzert Begleitmusik für einen Fahrstuhl

 ·  In der Alten Oper bietet sie nicht viel mehr als die Erledigung eines Jobs: Randy Crawfords Auftritt gelangt über den Status gepflegter Unterhaltungsmusik kaum hinaus.

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Gepflegte Unterhaltungsmusik tut niemandem weh und nährt ihre Erzeuger redlich. Randy Crawford und Joe Sample haben dieses Prinzip seit je verstanden. Einen Strick würde ihnen dennoch kaum jemand daraus drehen. Dafür sind sie viel zu gute Musiker. Eine 90-Minuten-Kostprobe ihres Könnens gaben Crawford und das Joe-Sample-Trio bei ihrem Konzert im Großen Saal der Alten Oper. Souverän und gefällig wurde da aufgespielt, aber leider doch nur ein Job erledigt. Jazz, Blues und Soul ohne Essenz, perfekt fürs Radio, die Lounge oder den Fahrstuhl.

Eine Tendenz zur Transparenz ist bei den Karrieren der beiden Musiker schon länger zu beobachten. Der Pianist Sample, Mitbegründer der legendären Crusaders, fing als Hard-Bopper an, spielte dann Fusion, bevor die Crusaders Mitte der siebziger Jahre zu einer heißen Funk-Band mutierten. 1978 holten sie sich die junge Soul-Shouterin Randy Crawford als Gastsängerin für ihren Titel „Street Life“, und ein Disco-Evergreen war perfekt. Soviel Aufregung mußte wohl mit einer Extraportion Sirup gedämpft werden. Jedenfalls waren spätere Crusaders-Alben wie auch die Solo-Platten von Randy Crawford zwar musikalisch über jeden Zweifel erhaben, aber so süß und klebrig produziert, daß man beim Hören jederzeit eines Zuckerschocks gewärtig sein mußte.

Gepflegte Unterhaltungsmusik

Crawfords Reputation als eine der herausragenden schwarzen Sängerinnen der Musikgeschichte tat das Saccharin-Bad jedenfalls keinen Abbruch. Vor allem in Großbritannien ist Crawford ein großer Star. Mitte der neunziger Jahre gelang ihr auch in ihrer amerikanischen Heimat ein Comeback. Die Zusammenarbeit mit jungen Produzenten wie Boogieman oder dem Deutschen Mousse T. brachte sie sogar in die Clubs zurück.

Crawfords aktuelle Zusammenarbeit mit dem Joe-Sample-Trio ist dagegen eine Rückbesinnung auf ihre jungen Jahre als Jazz-Sängerin. Vom Staub der Straße und vom Schweiß in verrauchten Kaschemmen war beim Konzert in der Alten Oper aber nichts zu bemerken. Crawford sang weder lasziv noch verrucht, noch aufregend, sondern einfach nur schön. Das Wesen eines Lieds wie etwa des Swamp-Soul-Klassikers „Rainy Night in Georgia“ von Tony Joe White ist mit solch einer Interpretation nicht zu erfassen. Während man im Original das Schmatzen der Sümpfe zu erahnen meint, taugte Crawfords Vortrag eher für die vorderen Plätze in einem Belcanto-Wettbewerb. Selbst der Hit „Street Life“ klang in der Jazz-Version, als wären die Bürgersteige längst hochgeklappt. Aber gepflegte Musik soll ja auch nicht zu Straßenkämpfen animieren, sondern unterhalten. Und das ist Crawford, Sample, dessen Sohn Nick am Baß sowie dem exaltierten Schlagzeuger Johnny Vidacovich gelungen.

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