02.03.2004 · Das Eigentliche, behaupten die beiden, seien ihre gemeinsam produzierten Filme. Ansonsten ist Walter Raffeiner Sänger und Schauspieler; sein Freund Hans Peter Böffgen ist Filmemacher und Maler. Beide leben sie in Frankurt, und beide lieben sie ihre "uneigentlichen" Hauptberufe.
Das Eigentliche, behaupten die beiden, seien ihre gemeinsam produzierten Filme. Ansonsten ist Walter Raffeiner Sänger und Schauspieler; sein Freund Hans Peter Böffgen ist Filmemacher und Maler. Beide leben sie in Frankurt, und beide lieben sie ihre "uneigentlichen" Hauptberufe. Doch soviel Freiraum für Ideen, Spielereien und freudige Entfaltung des Kindes im Menschen kann nichts ihnen wirklich bieten - außer "UMfal", dem Label, unter dem die beiden seit 1988 Filme drehen. In einer Werkschau sind diese von morgen an bis zum 7.März im Frankfurter Kino Orfeo's Erben zu sehen.
"UMfal" entspringt den gemeinsamen Anfängen der beiden: "Wir wollten nur Musikfilme machen", erklärt Raffeiner. Vor 20 Jahren, als Raffeiner an der Frankfurter Oper im "Parsifal" sang, haben er und Böffgen sich kennengelernt. Lange bevor das Schauspiel Schuberts Liedzyklen als illustrierbar entdeckte, drehten sie damals eine "Schöne Müllerin", die ihnen heute noch Begeisterungslaute entlockt. Doch der "Unabhängige Musikfilm aus Liebe", daher der Name des Labels, wurde den beiden als Genre schnell zu eng, ebenso die starre Arbeitsteilung in "Böffgen dreht, und Raffeiner spielt".
Agentenfilm, Western oder Psychothriller sind schon durchdekliniert - zu jedem Genre soll ein Film entstehen. Raffeiner etwa will unbedingt eine Amöbe in einem Tierfilm spielen - und er wird sie spielen, irgendwann, soviel ist sicher. Und wenn er dabei gleichzeitig noch die Kamera halten muß, denn die beiden machen nicht nur alles zusammen, sondern auch allein. Sogar Filmemacher-Kollegen wunderten sich über die Einstellungen, denen man nicht ansieht, daß die beiden sich hinterrücks die Videokamera übergeben, daß der eine spielt, während der andere sich umzieht, und ähnliche Tricks mehr, erklärt Böffgen. Auch sonst geht es spartanisch zu: Ein rotes Kleid signalisiert, daß einer der beiden nun eine Frau spielt. Ein Nudelsieb wird zur Lampe und schmückt das kleine Studio in Bockenheim, das auch Hauptdrehort der Filmemacher ist. Wenn ein Kind sage, eine Schachtel stelle nun ein Flugzeug vor, glaube es das ja auch, erklärt Böffgen - genauso funktionierten ihre Filme.
"Weg ist das Ziel" oder "Mango, Tango und das Wasserloch" zeigen nicht den Hauch des Versuchs, Realität vorzuspiegeln, der Filme sonst ausmacht. Gerade deshalb, so glaubt Böffgen, würden ihre Filme kaum in Kinos gezeigt. In den Theatern von Mannheim, Zürich, Hamburg und München hingegen schon. Denn mit dem Theater, der Performance, teilt "UMfal" wohl mehr als mit dem klassischen Film. Sie zeigen lustvolles Spiel, das satirisch und verblüffend ehrlich zugleich soziale Mechanismen, Mißstände oder schlicht das Absurde im Alltäglichen vorführt - ohne allerdings kabarettistisch sein zu wollen: "Wir machen uns nicht lustig, und wir machen auch niemanden nach - nur die Menschen", sagen die beiden Herren, die beschlossen haben, sich das Kindsein nicht nehmen zu lassen. Daß ihre Arbeiten Befremden auslösen, wundert sie nicht. Meist seien mehrere Filme nötig, um die Zuschauer an sie zu gewöhnen, so Böffgen. Kein Problem, nach 20 Jahren gibt es einiges zu sehen. Filme, die den Namen "Low budget" gar nicht verdienen: Es sind "No budget"-Produktionen: "300 Euro ohne Bier" etwa kostet jeder Film. Damit sind "UMfal" nach eigenem Bekunden "eines der kommerziellsten deutschen Filmunternehmen" - denn bei jeder Vorführung haben sie eine reelle Chance, ihre Ausgaben einzuspielen. Und das ist doch schon etwas in diesen Zeiten. EVA-MARIA MAGEL