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Kim Wilde in Frankfurt Einfach eine gute Zeit

 ·  Kim Wilde und ihr Publikum wollen dasselbe und machen die große Eighties-Party in der Alten Oper. Die Botschaft der „Princess of Pop“: „Lasst uns nicht zu ernst werden, denn letztlich geht es hier doch um Popmusik!“

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Man kann sie ohne weiteres verstehen, die Skeptiker. Diejenigen, die schon immer Probleme mit dem Charts-Pop der achtziger Jahre in Sachen Sound, Stil und Bewusstsein hatten und die mit dem nun schon mehrere Jahre dauernden Revival-Erfolg wegen dessen unverhohlener Retro-Gefühligkeit längst ein Problem mehr haben. Die zwei Stunden Kim Wilde live in der Alten Oper bringen theoretisch natürlich den ganzen vorhersehbaren Grusel auf den Punkt, mit dem i-Tüpfelchen, dass der Klangraum des Großen Saales und der Wildesche Soundbrei überhaupt nicht kompatibel sind.

Aber in der Praxis stört das teuflisch-bräsige Gemisch aus Breitband-Synthiquark, gniedelndem Slapbass, breitbeinig aufgeplusterten und doppelt gemoppelten Schweinerockgitarren sowie Kim Wildes teils stechendem, fünfzigjährigem Mädchengesang schon nach wenigen Minuten niemanden mehr. Denn kaum ist der erste Song des Abends verklungen, „King of the World“, auch Opener des aktuellen Albums „Come out and play“, wird die Klammer gesetzt zurück zu „Chequered Love“, der ersten Single aus dem Jahr 1981. Das Mitklatschen beginnt, die Eighties-Hitmaschine rollt. Und Frau Wildes Bruder, Produzent, Co-Autor und Live-Gitarrist Ricky hat dafür gesorgt, dass die neuen Lieder, auch die Single „Lights down low“, wie die alten klingen.

Eine kleine Acoustic-Session

„Lasst uns nicht zu ernst werden, denn letztlich geht es hier doch um Popmusik!“, verkündet die immer noch platinblondierte „Princess of Pop“ fröhlich zwischen ihrem neuen Song „Suicide“ über die Umweltzerstörung und ihrem alten Soldatenliebesdrama „Cambodia“. Das bleibt aber die einzige inhaltliche Irritation des Abends. Professionell und herzlich zugleich will Kim Wilde nicht mehr als ihre Fans, nämlich die Party, die gute Zeit, die Beschwörung vertrauter Melodien.

Und so geht es für die Musiker und Sängerinnen - Nichte Scarlett ist die Backgroundsängerin - munter treppauf, treppab über die vielen Stufen des Bühnenaufbaus, manchmal ein bisschen hüftsteif, aber immer im Spotlight, das gern auch mal das Publikum beleuchtet, auch den Herrn in den besten Jahren, der es tatsächlich schafft, zur Nena-Coverversion „Anyplace, anywhere, anytime“ auf dem Polsterstuhl sitzend zu headbangen und Luftschlagzeug zu spielen. „Ach, ist das nicht schön, auf diese Art ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen“, seufzt Frau Wilde kichernd, als sie sich für eine kleine Acoustic-Session inklusive „Love Blonde“ mit den Familienmitgliedern hinsetzt.

Wie die Bösewichter in der ,Miami Vice'-Serie

Frau Wildes Freundin Nena ist nicht der einzige Geist der achtziger Jahre an diesem Abend. „Forever young“ von den jüngst reanimierten Alphaville, die einzige wirkliche Ballade des Programms, wird für das große melancholische Armeschwingen genutzt. Selbst Kajagoogoo sind in Gestalt ihres Bassisten Nick Beggs auf der Bühne, der ein bisschen für die optische Verrücktheit zuständig ist mit seinem Voodoo-Outfit. „Die ganze Band sieht eigentlich aus wie die Bösewichter in der ,Miami Vice'-Serie“, sagt jemand später beim Rausgehen, und tatsächlich hat die Band vom breiten Hosenträger übers Seidenjackett bis zur dunklen Sonnenbrille alles dabei.

Der Star trägt, bis auf das obligatorische Ringelshirt beim Schlusssong „Kids in America“, schlichtes Schwarz. Damit zeigt sie Stil. Und sie beweist zudem Souveränität, wenn sie etwa ein paar falsche Noten im Gesang nicht verstecken mag. So können am Ende auch die Skeptiker zugeben, dass zwei Stunden Kim Wilde live in der Alten Oper im Februar 2011 doch eher eines der kleineren Übel der Retro-Achtziger darstellen.

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