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Katy Perry Katy im Lollyland

 ·  Mediokre Songs, Momente der Begeisterung und ein überwältigendes Finale: Katy Perry gastiert in der Frankfurter Jahrhunderthalle.

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Es war einmal ein nettes Mädchen, das hielt der trostlosen Welt harter Arbeit als Schlachtergehilfin nicht stand. Traurig und mittellos, verliebte es sich in den Bäckerjungen, der ihr einen kleinen Kuchen schenkte, den sie mit ihrer Katze teilte. Als die Katze in der Nacht davonlief, folgte das Mädchen ihr durch eine geheimnisvolle Tür und landete in einer Zauberwelt, die nicht mehr schwarzweiß, sondern so knatschbunt war, dass die Erzählung aus den Filmbildern auf drei Leinwänden ins Hier und Jetzt auf die Bühne der Jahrhunderthalle rutscht. Das Mädchen mit den schwarzen Haaren und den strahlend blauen Augen heißt Katy. Katy Perry. Da oben auf dem Treppen-Podest glitzert sie lächelnd über dem Geschrei tausender Teenager und intoniert inmitten ihrer Band und ihres Tanzensembles das Titelstück ihrer aktuellen Platte „Teenage Dream“. Ihr Mikrofon und ihre Gitarre funkeln, die Bühne ist ein buntes Lollyland voller rosa Wolken, Spielzeug und Süßigkeiten, selbst die Chorsängerinnen sind wie Zuckerstangen gekleidet.

Und weil es alle trotz ausnahmslos englischsprachiger Moderation und Erzählerstimme begreifen sollen, erklärt Katy Perry noch einmal ganz deutlich, dass der Abend einem Thema folgt: „Candy“, auch „zuviel Candy“ und ihren Folgen. Candy steht für die süßen Verführungen und die jeweiligen Suchtgefahren, die Mädchen interessieren. Bonbons, Sex, Drogen, das alles kann zu einem verdorbenen Magen führen. Nach ihrem recht früh plazierten Hit „I Kissed a Girl“ wird Perry ganz schlecht, weil sie genascht hat. Ob von dem überdimensionierten Brownie, der ihr auf der Bühne kredenzt wird, oder von den Lippen einer Freundin, bleibt dabei geschickt in der Schwebe, der deutliche Anti-Drogen-Song „Circle The Drain“ folgt jedenfalls auf dem Fuße.

Noch funktioniert Perrys Image-Gratwanderung

Und dann tanzt und tapst der Popstar in weiteren Filmeinspielungen durch die bunte geheimnisvolle Welt auf der Suche nach der Katze, dem Baker Boy und dem Glück überhaupt, so wie seit den dreißiger Jahren Dorothy durch das Land von Oz oder zuvor Alice durch das Wunderland. Dem American Girl mit standesgemäßem Maß bodenständiger Selbstironie stehen dafür die Lieder von zwei Alben und fast ebenso viele Kostüme zur Verfügung. Mit ihnen kann sie eine Revue bestücken, die ohne Zufälle und Zugaben professionell dahinschnurrt. Die Anzahl der Chart-Hits reicht aus, um die ausverkaufte Halle in hundertfünf Minuten zwischen vielen mediokren Popnummern immer wieder zu begeistern. Das mündet in der letzten halben Stunde in einem überwältigenden Uptempo-Finale, mit Seifenblasen und bunten Plastikbällen im Saal, mit kunterbunten Figuren und tanzendem Publikum auf der Bühne, mit „Firework“ und „California Gurls“ aus tausend Kehlen. Für ein paar Momente tritt die Show-Maschinerie in den Hintergrund und das Mädchen-Märchen gewinnt die Oberhand.

Es war nämlich einmal eine wohlbehütete kalifornische Pastorentochter, die mutierte vor ein paar Jahren als Twen zum Teenie-Popidol und lebt damit und dank eines geschickten Managements im Glamourland auf rosa Wolken gebettet, wie auf dem Cover von „Teenage Dream“ zu sehen. Es fällt kaum auf, dass das Konzept alterstechnisch nicht ganz stimmig ist. Denn die junge Frau ist schon seit sechs Jahren kein Teenie mehr und letztlich gibt es eben doch einen nicht unerheblichen Unterschied zwischen Zuckerwatte für Teenies und Sex für Twens. Noch funktioniert Perrys Image-Gratwanderung, aber die Frage bleibt, ob diese Karriere bis ans Ende ihrer Tage reicht.

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Von Matthias Alexander

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