20.07.2006 · Frankfurt will ein „Deutsches Karikaturenmuseum“ schaffen. Und erntet Protest: Bei den Werken der Neuen Frankfurter Schule handele es sich um mehr als nur Karikaturen: um Zeichnungen von künstlerischem Rang.
Von Konstanze CrüwellDas „eindrucksvollste Karikaturenmuseum auf diesem Planeten und dazu noch in der unmittelbaren Nachbarschaft zur Heiligen Römischen Kirche“ entstehe jetzt im Leinwandhaus, sagt der Künstler Hans Traxler, Mitglied der Neuen Frankfurter Schule. Von ihm und den anderen Zeichnern dieser legendären Schule - F. W. Bernstein, Robert Gernhardt, Chlodwig Poth und F. K. Waechter - hatte die Stadt Frankfurt im Dezember 2005 auf Initiative des damaligen Kulturdezernenten Hans Bernhard Nordhoff (SPD) etwa 5000 Originale für „caricatura“, das städtische „Museum für Komische Kunst“,erworben.
Und auf die sich alsbald anschließende Frage „Und wohin damit?“ hatte Nordhoff schon wenige Wochen nach dem Erwerb eine Antwort parat: Das „Museum für Komische Kunst“ sollte in den bisher vom Sozialamt genutzten Räumen an der Braubachstraße 30-32 untergebracht werden. Was bei einer Ortsbegehung im März, auch wegen der guten Lauflage, den Beifall von Hans Traxler und von Achim Frenz fand, dem Leiter der „caricatura“, die zum Historischen Museum gehört.
Ein „Schatz“
Doch nach der Kommunalwahl las man's anders: Die Koalitionsvereinbarung sieht das Leinwandhaus, bis März Übergangsquartier der Ausstellungshalle Portikus, als künftiges Domizil des Museums für Komische Kunst vor. Die Eröffnung soll vielleicht schon zum Jahresende stattfinden. Aber nicht nur der Ort ändert sich, sondern offenbar auch der Name. Von einem „Deutschen Karikaturenmuseum“ ist jetzt die Rede, und da meldet Achim Frenz, der das „Traditionshaus“ als Quartier mittlerweile schätzt, doch einige Bedenken an: Bei den Werken der Neuen Frankfurter Schule handele es sich um mehr als nur Karikaturen, vielmehr seien diese Werke ganz eigenständige Zeichnungen von künstlerischem Rang.
Gewisse Probleme sieht Frenz aber bei den Ausstellungs- und Depotflächen im Leinwandhaus, die in der Braubachstraße sehr viel größer gewesen wären. Man sollte den „Schatz“ der Neuen Frankfurter Schule so gut wie möglich präsentieren, äußert er. Und wenn man außerdem noch Sonderausstellungen zeigen und den übrigen Bestand der Neuen Frankfurter Schule zusammen mit den Werkgruppen von Felix Mussil und Kurt Halbritter sachgemäß aufbewahren wolle, könnte es möglicherweise eng werden.
„Hinweisschilder müßten her!“
Für Traxler wäre die Unterbringung Braubachstraße nur sinnvoll gewesen, wenn man auch das Erdgeschoß für Ausstellungen hätte nutzen können. Jetzt erhoffe er sich für die Räume in den Obergeschossen des Leinwandhauses eine ästhetisch überzeugende Ausstellungsarchitektur, sagt er. Und Hinweisschilder in der Stadt müßten her! Im ersten Stock ist bisher das renommierte Fotografie Forum International untergebracht. Sabine Seitz, die dort tätig ist, berichtet, daß die Stadt dem privaten Verein Räume in der Braubachstraße als Ersatz angeboten habe.
Man sei auch dort gewesen, warte aber das Gespräch mit Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) ab, der in Urlaub ist. Die kommunale Galerie im zweiten Stockwerk soll dem Vernehmen nach aufgelöst werden. Und der Plan, aus dem Leinwandhaus ein „Haus der Fotografie“ zu machen, kann hier nun nicht realisiert werden. Immerhin könnte das Fotografie Forum in der Braubachstraße zur dringend nötigen Belebung dieser hoffnungsfroh zur „Kulturmeile“ ernannten Straße beitragen.