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John Barrie Dyke Der deutsche Musiker aus Australien

14.08.2009 ·  John Barrie Dyke alias Dyko liebt deutsche Wörter und tourt als „Kulturbotschafter“ durch die ganze Welt – wenn er nicht in Frankfurt neue Lieder schreibt. Sein Album „Alles in Ordnung?“ soll Anfang 2010 erscheinen. Darauf zu hören ist eine Fusion aus Elektro-Pop und New Wave der siebziger und achtziger Jahre. Eine Mischung aus deutschen Strukturen und australischem Punk.

Von Anne-Katrin Schade
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Es wäre bedrückend, wenn in dem alten Frankfurter Betrieb im Osthafen noch Menschen arbeiten würden. Dann würden sie durch das Treppenhaus eilen, vorbei an wässrig-blauen Fliesen, durch meterlange Flure, bis zu einem Labor oder Büro des Chemiekonzerns: ihrer Arbeits- parzelle. Die Räume würden, mit Strukturtapete, Schrankwänden und Teppichböden aus den sechziger und siebziger Jahren, all dem Muff in Beige und Braun, beengend wirken. Doch alle Uhren an den Wänden sind auf Punkt 12 gestellt, das Gebäude ist tot, die Zimmer stehen leer – bis auf eines. „Bumm, bumm, bumm“, dringt es aus der ehemaligen Vorstandsetage.

John Barrie Dyke hat sich hier eingerichtet. Elektrobeat tönt aus dem Lautsprecher in seinem Studio, wenn der gebürtige Australier mit braunen, abstehenden Locken und knallblauen Augen in ein Mikrofon singt. Seine Lieder handeln vom Leben der Deutschen, das außergewöhnlich geregelt ablaufe, wie Dyke findet, sehr zu seiner Freude. „Innerhalb dieser Ordnung ist für mich die größte Freiheit“, sagt er. Deshalb hat er sich in dem Gebäude eine Etage für sein Studio gemietet, etwa 2.200 Quadratmeter, die ihn nun in all ihrer Spießbürgerlichkeit und Leere inspirieren – und befreien. So entstand die kürzlich erschienene Single „In Ordnung“ seines Kunstprojekts Dyko, das aus ihm und dem Keyboarder und Gitarristen Christofer Jost besteht.

Konzerte in Alaska und Australien

Das Album „Alles in Ordnung?“ soll Anfang 2010 erscheinen. Darauf zu hören ist eine Fusion aus Elektro-Pop und New Wave der siebziger und achtziger Jahre: viel Kraftwerk, ein bisschen David Bowie, Ideal und Nina Hagen, energetisch bis entspannt-abgespaced. Eine Mischung aus deutschen Strukturen und australischem Punk.

Als Hommage an Kraftwerk hat er deren Klassiker „Autobahn“ neu aufgelegt und dafür den ehemaligen Schlagzeuger der Band, Wolfgang Flür, gewonnen. Auf der Bühne begleitet dieser nun Dyke und Jost vor Videoinstallationen mit deutschen Filmen aus den siebziger Jahren. Dyko tragen rote Anzüge, weil Bauhaus-Künstler László Moholy-Nagy solche bevorzugt hat. „Wir fahren, fahren auf der Autobahn“, singt Dyke bei Konzerten; in den vergangenen zwei Jahren waren es mehr als 100 in 24 Ländern, von Alaska bis Australien. Dabei denkt er an Deutschland. Denn Dyko versteht sich als deutscher Künstler und singt auf Deutsch über Deutschland.

900 Überstunden

Nirgendwo sonst könnten Menschen so schnell auf der Autobahn fahren, wie sie wollten. Nirgendwo sonst bekäme ein Erwachsener so viel Verantwortung übertragen. Nirgendwo sonst gebe es ein Amt für Ordnung, das auch noch „Ordnungsamt“ heißt, sagt Dyke, wiederholt das Wort „Ordnungsamt“ ein paarmal, fasziniert von der Fremdsprache, die er seit seiner Ankunft in Deutschland vor 20 Jahren fließend gelernt hat.

Anfang der neunziger Jahre kam Dyke, der sein Alter nicht nennen will, von Melbourne nach Deutschland. Er kannte das Land überhaupt nicht, aber er hatte ein Ziel: Seit seinem 14. Lebensjahr hatte er Schlagzeug gespielt und Instrumente des Herstellers Sonor verehrt, der in Bad Berleburg im Sauerland seinen Sitz hat. Eines Tages stand er vor Sonors Türen, klopfte und wurde prompt eingestellt. Dort wurde er Produktmanager und kümmerte sich um die Künstlerbeziehungen des Unternehmens. Die Arbeit sei traumhaft gewesen, findet Dyke. Doch nach sieben Jahren mit je etwa 900 Überstunden entschloss er sich, nur noch Musik zu machen. Dyke wurde zu Dyko.

Single-Präsentation im Goethe-Institut New York

Das Konzept des selbsternannten Kulturbotschafters funktioniert international. Dyke tritt in Goethe-Instituten auf, spielt vor bis zu 10.000 Zuhörern. Aber in Deutschland hapert’s noch mit Auftrittsmöglichkeiten. „Woanders bin ich exotischer“, findet Dyke. Er muss wohl erst im Ausland berühmt sein, damit ihm die Deutschen so zuhören wie er ihnen. Seine Single „In Ordnung“ und eine weitere Single-Edition werden jetzt im Goethe-Institut New York erstmals präsentiert, am 28. August: Goethes Geburtstag.

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