04.12.2010 · Johann Caspar Goethe wurde vor 300 Jahren geboren. Mit einer Ausstellung erinnert das Frankfurter Goethe-Museum an den Dichtervater.
Von Florian Balke, FrankfurtGoethes Erinnerungen an Kindheit und Jugend sind voller Spitzen gegen seinen Vater. Während die Nachwelt in „Dichtung und Wahrheit“ für die Verehrung der Dichtermutter Catharina Elisabeth viele gute Gründe fand, wird Johann Caspar Goethe in den Memoiren des Sohnes immer wieder geschickt in ein ungünstiges Licht gerückt. Noch Jahrzehnte nach dem Ende seiner Frankfurter Zeit scheint der Sohn demonstrieren zu wollen, dass er sich vom Vater und jeglicher Autorität zügig gelöst und als stets dem Neuen zugewandter Künstler gründlich von der Vorstellungswelt seiner Elterngeneration abgewandt hat.
Das seitdem leicht negativ verfärbte Bild Johann Caspars will die Ausstellung korrigieren, die das Frankfurter Goethe-Haus dem Vater im Jahr seines 300. Geburtstages widmet. Am Großen Hirschgraben ist schon immer des Mannes gedacht worden, der das Haus der Familie Goethe Mitte des 18. Jahrhunderts so umbauen ließ, wie es sich den Besuchern nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs noch heute präsentiert.
Manuskript zum ersten Mal in Frankfurt zu sehen
Als Goethes Mutter es nach dem Tod ihres Mannes verkaufte, löste sie auch Johann Caspars Kunstsammlungen und seine Bücherei auf. An ihrer Rekonstruktion wird im Goethe-Haus schon seit langem gearbeitet. Denn dies immerhin war Goethes Erinnerungen ebenfalls zu entnehmen: Ohne die Kunstwerke und Alltagsgegenstände, die der Vater ins Haus gebracht hatte, um sich, seiner Frau und seinen Kindern ein angenehmes und anregendes Leben zu ermöglichen, wären bestimmte Prägungen des Sohnes, die sich in seinem Werk lange verfolgen lassen, nicht denkbar gewesen. Nun sind im Arkadensaal des Goethe-Museum Exponate zu sehen, die selten gezeigt werden und an das Leben des 1710 als Sohn eines Schneidermeisters und Gastwirts in Frankfurt zur Welt gekommenen Johann Caspar erinnern.
Zu ihnen zählt das Manuskript der Reisebeschreibung durch sein Traumland Italien. An ihr arbeitete der vermögende Kaiserliche Rat, der keinem Beruf nachgehen musste, jahrelang. Die in Weimar aufbewahrte Handschrift wird in Frankfurt zum ersten Mal gezeigt. Auch das von Johann Caspar mit großer Genauigkeit geführte, nebenher mit zärtlichen Kosenamen für seine Frau versehene Haushaltsbuch ist aus Weimar an den Main gekommen. Es erinnert daran, dass dem durch Bildung aufgestiegenen Juristen neben der repräsentativen Führung seines Haushalts auch die Erziehung seiner Kinder am Herzen lag.
Goethes Freund Carl Friedrich Zelter schrieb dem altgewordenen Dichter später: „Ihre Erziehung, insoweit sie von Ihrem Vater ausging, flößt mir nach Haltung und Methode Ehrfurcht ein. Ihr Vater scheint mir zum Vater geboren gewesen zu sein; ja zum Vater eines solchen Sohnes.“ Ergänzt wird diese Beobachtung durch einen in der Ausstellung ebenfalls gezeigten Brief, in dem Johann Caspar einem Bekannten mitteilt, dass sein Sohn, „dieser singuläre Mensch“, in Weimar einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter gemacht habe. Er schließt mit der gleichermaßen ironischen wie stolzen Unterschrift „Goethe Pater“. Mit diesem Vater, der sich am Ruhm seines Sohnes erfreute, kann man in Frankfurt jetzt genauere Bekanntschaft schließen.
Die Ausstellung „Johann Caspar Goethe – Vater, Jurist, Sammler, Frankfurter Bürger“ wird im Frankfurter Goethe-Haus, Großer Hirschgraben 23–25, von morgen an bis 27. Februar gezeigt. Sie ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr und sonntags von 10 bis 17.30 Uhr zu sehen. Der sehr informative Katalog kostet 19,80 Euro.