04.08.2006 · Das indische Musical „Bharati - Auf der Suche nach dem Licht“ gastiert im Herbst in der Frankfurter Festhalle: Eine märchenhafte Liebesgeschichte ist zu erleben.
Von Michael KöhlerSeit die britische Formation The Beatles in den sechziger Jahren die westliche Welt mit Raga-Tonleitern, Sitars, Tablas, Ravi Shankar und Maharishi Mahesh Yogi bekannt machte, hat indisches Kulturgut in jedem Jahrzehnt mehr oder minder einen Konjunkturhöhepunkt. Nach erfolgreichen Popkünstlern wie Kula Shaker und Panjabi MC, Trainings-Programmen für Fitness-Studios, Tanzkurs-Anbietern und bezaubernden Indischen Events in Großraum-Discos in den vergangenen Jahren wurden nun auch Konzertimpresario Marek Lieberberg und Produzent Michael Brenner auf Fernöstliches aufmerksam: Das monumentale Spektakel „Bharati - Auf der Suche nach dem Licht“ erobert bei einer umfangreichen Europa-Tournee auch Deutschland und gastiert am 29. September und 1. Oktober in der Frankfurter Festhalle.
Schrillbunte Kostüme, verzehrende Blicke, sirenenhafte Stimmen und aufreizende Hüften, die sich gleichsam manisch im Takt exotischer Rhythmen wiegen - das Indien der auch in Deutschland immer mehr Anhänger findenden Bollywood-Kultur präsentiert sich ganz anders als noch vor wenigen Jahren: modern, opulent und märchenhaft zwar, aber abseits von Flower-Power-Nostalgie und selbsterfahrendem Ashraam-Asketentum.
Die Liebe zwischen Bharati und Siddharta
„Das wunderbare Chaos, aus dem Harmonie entsteht, die Multireligiosität und Toleranz dieses friedvollen Landes faszinieren die Menschheit seit Jahrhunderten“, philosophierte denn auch Marek Lieberberg bei der Pressekonferenz in der Frankfurter Villa Kennedy über jene Euphorie, die das überdimensionale Musical in der französischen Hauptstadt Paris seit Anfang dieses Jahres auslöste. Mehr als 100 Tänzer, Musiker, Akrobaten, Sänger und Schauspieler in 1000 handgefertigten Edel-Kostümen tummeln sich parallel in genau ausgefeilten Choreographien auf der Bühne, interpretieren Songs aus indischen Filmklassikern, Folkloristisches und Klassik. Begleitet wird die exotische Reizüberflutung außerdem von einem deutschen Erzähler, der das moderne Märchen quasi moderiert.
Das Sujet mit diversen Handlungssträngen scheint allerdings ziemlich simpel gestrickt zu sein: Die Liebe zwischen der schönen Bharati, gespielt von Bhavna Pa-ni, und dem ebenso attraktiven, westlich orientierten Siddharta - Darsteller Gagan Malik war einst Fotomodell -, der nach 25 Jahren in den Vereinigten Staaten auf den Subkontinent zurückkehrt, um die alte Kultur Indiens wiederzuentdecken, ist vom Schwiegervater in spe noch nicht abgesegnet. Bei einer so sozialkritischen Auseinandersetzung fallen einem Sagen der Gebrüder Grimm, aber auch die unzähligen täglichen Fernseh-Dauer-Soaps zwischen „GZSZ“ und „Verbotene Liebe“ ein.
Daß es jedoch Lieberberg und Brenner absolut Ernst ist, läßt sich an gleich mehreren Faktoren festmachen: Zur Zeit läuft täglich ein Werbespot in der ARD, die Partner der üppigen Produktion ist. Zur Pressekonferenz war nicht nur der indische Generalkonsul als augenscheinlicher Beweis geladen, sondern es gaben sich auch die beiden Hauptdarsteller sowie der international renommierte Produzent der Show, Gashash Deshe, ein Stelldichein.