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Howard Carpendale : Ewige Damenwahl beim Rücktritt vom Rücktritt

  • -Aktualisiert am

Beim Comeback mit den bekannten Gesten: Howard Carpendale Bild: AP

Mit 62 noch ein Frauenschwarm: Die Damenwelt bejubelt Howard Carpendale bei seinem Rücktritt vom Rücktritt. Der revanchiert sich mit Hits am Fließband und dem Bekenntnis: „Isch hab eusch vermisst.“

          Ein altes Sprichwort der Showbranche: Geht die Premiere in die Hose, entwickelt sich die Tournee zum vollen Erfolg. Nach den Pannen beim Beginn in Kempten, unter anderem hatte er sein Mikrofon vergessen, konnte das seit Monaten ausverkaufte Gastspiel von Howard Carpendale in der Frankfurter Festhalle also nur prima klappen.

          Pünktlich um zehn nach acht erscheint der Star, allerdings nur in Form eines Videoclips, heißt der Titelsong seines aktuellen Albums doch „20 Uhr 10“. Als „Howie“ wenige Minuten später leibhaftig auftaucht, bejubelt die Damenwelt zwischen 18 und 68 Jahren seinen Rücktritt vom Rücktritt: Hat der 62 Jahre alte Frauenschwarm doch genau in der Festhalle 2003 geschworen, nie mehr wiederzukommen. Warum der plötzliche Sinneswandel über den in Palm Beach, Florida, residierenden Carpendale kam, weiß nur er allein.

          Berufung als Schlagersänger verneint

          Obwohl er minutenlang zwischen zwei Songs darüber fabuliert, wie das so zustande kam, als er zuerst in der Fernseh-Talkrunde bei „Beckmann“ eine Rückkehr vehement verneinte, um seine Meinung wenige Monate später bei „Kerner“ zu revidieren, bleibt unklar. Der merklich schlanker gewordene Sonnyboy sagte, was er schon in mehreren Interviews gesagt hat: „Man kann seinen Beruf an den Nagel hängen, aber seine Berufung nicht verleugnen.“

          Ein bisschen fülliger ist Howie aber geworden

          Seine Berufung als Schlagersänger verneint er mittlerweile zwar. Im Mittelpunkt der ersten Hälfte stehen überwiegend Songs neueren Datums. Aber auch wenn beim feschen „Hi“ die Gitarren-Verzerrer über Gebühr strapaziert werden und gar Tina Turners „Simply The Best“ integriert wird, eine hörbare Entwicklung wie bei Kollege Peter Maffay, der einst dem Schlager konsequent den Rücken kehrte, lässt sich nicht ausmachen. Im Handumdrehen vermischt sich der Schlagerkitsch mit modischem Pop und härterem Rock bis zur Unkenntlichkeit, allerdings kompetent gespielt von einer zwölf Mann starken Formation, die zum Teil mit ihrem Meister Jahrzehnte durch dick und dünn ging.

          „Das schöne Mädchen von Seite 1“

          Höflichen Applaus ernten die Auszüge aus „20 Uhr 10“. Bewegung ins Hightech-Spektakel kommt, als mit „Samstagnacht“ und „Nachts, wenn alles schläft“ gleich zwei Klassiker aus Carpendales Repertoire erklingen. Nach der Pause erst hat „Howie“ ein Einsehen. Lässt internationale Hits wie Bonnie Tylers „It's A Heartache“ sein, um seine musikalische Vergangenheit zu servieren: Schlag auf Schlag erklingen „Hello again“, „Morgen früh wirst Du geh'n“, „Wie frei willst Du sein“ und „Tür an Tür mit Alice“. Da lässt sich eine blasse Version von Udo Jürgens' „Ich war noch niemals in New York“ ebenso verschmerzen wie ein fades Duett von Elvis Presleys „Suspicious Minds“ mit Komponist und Texter Joachim Horn-Bernges.

          Die Hysterie kennt keine Grenzen mehr, als Carpendale einen Titel ankündigt, den er noch nie im Konzert gespielt haben will: „Das schöne Mädchen von Seite 1“, Sieger beim Schlager-Wettbewerb 1970, erklingt erst im Bar-Jazz-Arrangement, bis schließlich doch noch der typische Rhythmus ertönt. Satte drei Zugaben, darunter ein trotziges „Na und“, lässt sich der Heimkehrer abringen. Und bevor er ein letztes Mal in die Menge winkt, gibt er sein Innerstes preis: „Isch hab eusch vermisst.“ Die Schlagerwelt hat ihn wieder.

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