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„Hound of the Baskervilles“ : Mit dem Übermut von Welpen

Am Tatort: Watson (Simon Kane, links) und Holmes (Max Hutchinson) Bild: Martin Kaufhold

Der Krimiklassiker „The Hound of the Baskervilles“ ist als Komödie im English Theatre Frankfurt zu sehen.

          Sir Arthur Conan Doyle hatte seine eigene Meinung zu Hunden: „Ein Hund spiegelt die Familie. Wer sah jemals einen munteren Hund in einer verdrießlichen Familie oder einen traurigen in einer glücklichen? Mürrische Leute haben mürrische Hunde, gefährliche Leute gefährliche“, befand der britische Schriftsteller, der in seinem bis heute berühmtesten Buch eine wahre Bestie von Hund ihr Unwesen treiben lässt. Hinter das Geheimnis des mysteriösen Tieres und die mit ihm verbundene Familiengeschichte der Baskervilles zu kommen, dafür bedarf es allerdings schon eines Meisterdetektivs wie Sherlock Holmes und seines kongenialen Partners Dr. Watson, wie Doyle in seinem 1902 veröffentlichten Romanklassiker „The Hound of the Baskervilles“ erzählt.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          An die Lektüre der packenden Mischung aus Detektiv- und Gruselgeschichte wird man sich vielleicht mit ähnlichem Schauder erinnern wie an die zumindest einem Kind gehörige Angst einjagenden Verfilmungen der Geschichte, von denen die Hollywood-Produktion aus dem Jahr 1939 mit Basil Rathbone in der Rolle des Sherlock Holmes besonders eindrücklich geblieben ist. Von ihren Bildern, ebenso wie von denen der neuen Adaption der BBC mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman als Holmes und Watson oder gar denen der Guy-Ritchie-Filme mit Robert Downey Jr. und Jude Law, muss man sich im English Theatre Frankfurt nun aber gründlich lösen. Dort ist erstmals in Deutschland „The Hound of the Baskervilles“ als von Steven Canny und John Nicholson ersonnene Bühnenversion zu sehen, die zwar eng der Handlung von Doyles Roman folgt, doch auf höchst amüsante Weise Schabernack mit ihr treibt.

          Persiflage mit Hingabe

          Die düstere Geschichte vom Fluch, der auf den Baskervilles liegt, von Toten im Moor und von dunklen Familiengeheimnissen, ist nun eine Aneinanderreihung von Gags und Sketchen, die beinharte Holmes-Fans möglicherweise verstören wird, Liebhaber unterschiedlicher Theatertechniken allerdings begeistern dürfte. Unter der Regie von Lotte Wakeham, die zum ersten Mal am English Theatre inszeniert, tollen drei Schauspieler nicht wie Höllenhunde, sondern wie übermütige Welpen über die Bühne, auf der mit wenigen Requisiten (Bühne: David Woodhead), aber reichlich Nebel aus der Maschine und geschicktem Lichtdesign (Derek Anderson) für visuelle Effekte gesorgt wird.

          Die wahre Schau sind aber Max Hutchinson (meist in der Rolle des Sherlock Holmes, aber auch als undurchsichtiger Stapleton, seine Frau und das Haushälterpaar Barrymore), Simon Kane (meist in der Rolle des Watson) und Shaun Chambers (meist in der Rolle des Sir Henry Baskerville), die mit Hingabe die originalen Figuren persiflieren oder ihre althergebrachten Charakterisierungen attackieren. Watson etwa ist nicht der brillante Akademiker wie in der Vorlage, sondern eher ein gutmeinender Tor, der wie ein blindes Huhn, das doch noch ein Korn findet, bei der Lösung des Falles hilft.

          Manchmal lassen die Charaktere an Comic-Figuren denken, dann an große Meister des Slapstick wie Stan Laurel und Oliver Hardy, etwa wenn Kane und Chambers die ratternde Zugfahrt von Watson und Sir Henry von London nach Dartmoor darstellen. Das ist zwar ohne jede Tiefe, aber trotzdem große Schauspielkunst, die sich hier allerdings der Mittel des Films oder des Straßentheaters bedient.

          Mit großer Lust am Chargieren wird auch dem Konzept des Meta-Theaters eine lange Nase gezeigt, wenn die drei Akteure aus ihren Rollen heraustreten, um sich etwa bei den Zuschauern darüber zu beschweren, es seien in der Pause kritische Twitter-Nachrichten über ihre darstellerischen Leistungen verbreitet worden. Das würde angesichts der Rasanz der Aufführung, die mit ihren fortwährenden Kostüm- und Rollenwechseln wie auch ihren Kalauern an Bühnenspäße wie „The Complete Works of William Shakespeare (Abridged)“ oder „The 39 Steps“ denken lässt, aber gewiss niemand wagen.

          „The Hound of the Baskervilles“ ist bis zum 30. Juni im English Theatre Frankfurt zu sehen. Vorstellungen dienstags bis samstags jeweils von 19.30 Uhr an, sonntags von 18 Uhr an.

          Quelle: F.A.Z.

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