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„Das Abschiedsdinner“ : Henkersmahlzeit

Szene aus „Das Abschiedsdinner“: Caroline Kiesewetter und Stefan Schneider im Fritz Rémond Theater in Frankfurt Bild: Helmut Seuffert

Es ist eine zwielichtige Komödie, die nicht jeder Premierengast zu schätzen wusste: „Das Abschiedsdinner“ im Fritz Rémond Theater in Frankfurt.

          Wenn Freundschaftspflege zur Pflichtübung wird, dann ist es Zeit, darüber nachzudenken, wie die Freundschaft sich freundlich kündigen lässt. Angeregt von seinem Freund Boris, der Abschiedsdinners für Abschiedskandidaten ausrichtet, überredet der Verleger Pierre Lecœur seine Frau Clotilde zu einem letzten Treffen. Clotilde will Bea loswerden, die mit Pierres Schulfreund Antoine Royer verbandelt ist. Als Antoine die Wohnung dann aber ohne Bea betritt, ist der Plan auch schon schiefgegangen.

          Claudia Schülke

          Feste freie Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zudem müffelt es sonderbar: Der Gast hat seinen warmen Mantel mit dem Fetzen eines Obdachlosen getauscht. Der Heilige-Martin-Sponti ist auch sonst aus dem Häuschen: Er fühlt sich von seinem gestorbenen Analytiker verlassen. Aber auf den Kopf gefallen ist er nicht. Als er die Weinflasche mit seinem Geburtsjahrgang entdeckt, durchschaut er seine Gastgeber glasklar. Und mit allerlei therapeutischem Schnickschnack versucht er, die Freundschaft zu retten.

          Eine zwielichtige Komödie

          Antoine, der ebenso liebenswert-neurotische wie durchtriebene Kauz und Experte für finno-ugrische Sprachen, ist dem Schauspieler Stefan Schneider wie auf den Leib geschrieben. Im Fritz Rémond Theater hält er alle Fäden in der Hand, obwohl Peter Kühn Regie geführt hat. Die Inszenierung kann er aber auch nicht retten. Der französische Autor und Produzent Alexandre de la Patellière und der Drehbuchautor Matthieu Delaporte haben unter dem Titel „Das Abschiedsdinner“ eine zwielichtige Komödie verfasst, die nicht jeder Premierengast zu schätzen wusste, wie nach der Aufführung an der Garderobe zu hören war. Immerhin ist der erste Teil bis zur Pause so dynamisch durchinszeniert, dass keine Minute Langeweile aufkommt. Ralf Stech als wankelmütiger Pierre und Caroline Kiesewetter als resolute Clotilde zeigen in einem rasanten Auftakt, wie überfordert manch Elternpaar zwischen den aufmerksamkeitsgebietenden Sprösslingen und den lieben Freunden von einst ist.

          Kaum aber hält Stefan Schneider die Flasche mit dem Wein Jahrgang 1967 in der Hand, da gerät die Komödie in Schieflage. Antoine und Pierre machen die Sache zunächst unter sich aus, Clotilde verschwindet fast völlig von der Spielfläche. Dass die Männer beim Kleidertausch auch die Unterhosen herunterlassen können, um wieder in Dialog zu kommen, ist dem Schutz des wuchtigen Sofas zu verdanken, das der Bühnenbildner Steven Koop in die Mitte des Wohnzimmers gehievt hat. Doch die Komik wirkt flau bis gespreizt und an den Haaren herbeigezogen. Es ist rührend, wie Antoine sich ins Zeug legt, aber nicht wirklich lustig, schon gar nicht witzig. Die Aufführung wird zäh. Es fehlt nicht Woody Allen, aber der Esprit, der französische Komödien sonst auszeichnet. Die Dialog-Wiederaufnahme entwickelt sich zur Paartherapie. Am Ende gibt es einen Sieger und zwei Verlierer.

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